NewsMedizinStudie: Die meisten Frühgeborenen sind im Erwachsenen-Alter gesund
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Die meisten Frühgeborenen sind im Erwachsenen-Alter gesund

Donnerstag, 24. Oktober 2019

Frühgeborenes Baby/Tobilander, stockadobecom
/Tobilander, stockadobecom

New York/Malmö – Die meisten Kinder, die zu früh geboren werden, erreichen heute das Erwachsenenalter. Ihr Gesundheitszustand, aber auch ihr schulischer und beruflicher Erfolg unterscheiden sich nach einer bevölkerungsbasierten Studie aus Schweden im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2019; 322: 1580-1588) nicht wesentlich von Kindern, die zum errechneten Termin geboren wurden. Die einzige Ausnahme bilden extrem Frühgeborene.

Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass Frühgeborene im späteren Leben häufiger unter kardiometabolischen, respiratorischen und neuropsychiatrischen Störungen leiden. Die absoluten Risiken waren jedoch, außer für extrem Frühgeborene, gering. Dieser Eindruck wird jetzt durch eine bevölkerungsbasierte Untersuchung von Casey Crump und Mitarbeitern von der Icahn School of Medicine in New York bestätigt.

Anzeige

Die Forscher haben die Daten aller 2.574.537 Schweden ausgewertet, die zwischen 1973 bis 1997 lebend geboren wurden. Darunter waren 149.065 Frühgeburten (vor der 36. Woche) inklusive 5.391 extreme Frühgeburten (22. bis 27. Woche). Die Überlebenschancen der Kinder haben sich in dem Vierteljahrhundert verbessert. Von den letzten 8 Geburtsjahrgängen erreichten 95,7 % das Erwachsenenalter. Die Ausnahme bilden die extrem Frühgeborenen. Sie erreichen nur zu 62,5 % das Erwachsenenalter.

Da die Forscher Zugriff auf die Diagnosen von Klinikbehandlungen und seit 2001 auch auf die Gründe für ambulante Behandlungen hatten, konnten sie den Gesundheitszustand der Kinder relativ gut abschätzen. Ihr Hauptinstrument war der AYA HOPE-Index („Adolescent and Young Adult Health Outcomes and Patient Experience“), der eine Reihe von Erkrankungen wie Asthma, Bluthochdruck, Diabetes, Nierenerkrankungen, psychische Störungen, Zerebralparese und Epilepsie berücksichtigt, die in früheren Untersuchungen mit der Frühgeburtlichkeit in Verbindung gebracht wurden.

Die Forscher fanden heraus, dass bis Ende 2015 (im maximalen Alter von 18 bis 43 Jahren) 63,0 % der zum vollen Termin geborenen Kinder keine der im AYA HOPE-Index gelisteten Krankheiten hatten. Diesen Zustand AYA HOPE 0 hatten auch 58,0 % der Kinder erreicht, die in den Wochen 34 bis 36 geboren wurden (späte Frühgeborene). Bei den frühen Frühgeborenen (Woche 28 bis 33) waren es noch 48,5 %, bei den extrem Frühgeborenen (22. bis 27. Woche) jedoch nur 22,3 %.

Extrem Frühgeborene haben immer weniger Krankheiten

Der Abstand zu den anderen Gruppen hat sich im Verlauf der Zeit etwas gebessert. Die extrem Frühgeborenen der Jahrgänge 1973-1979 hatten nur zu 15,3 % einen AYA HOPE-Index von 0 erreicht. Bei den Geburtsjahrgängen 1980-1989 waren es bereits 22,8 % und bei den Geburtsjahrgängen 1990-1997 schon 25,4 %. Doch noch immer haben extrem Frühgeborene, wenn sie überhaupt das Erwachsenenalter erreichten (zuletzt waren es 62,5 %), gesundheitliche Nachteile.

Eine 2. Untersuchung mit dem Ärzten eher vertrauten Charlson Comorbidity Index kommt zu vergleichbaren Ergebnissen. Ohne Komorbiditäten blieben bis zum Ende der Studie 73,1 % aller Frühgeborenen, aber nur 32,5 % der extrem Frühgeborenen. Von den zum vollen Termin Geborenen blieben 81,8 % gesund.

Auch im schulischen und in der beruflichen Laufbahn sind extrem Frühgeborene weiter weniger erfolgreich. Nur 23,0 % gingen 12 Jahre oder länger zu Schule/Universität gegenüber 31,0 % der frühen Frühgeborenen 34,4 % der später Frühgeborenen und 37,2 % der zum vollen Termin Geborenen.

Die Beschäftigungsquoten lagen in den 3 Gruppen bei 40,7 % (extrem Frühgeborene), 79,2 % (frühe Frühgeborene), 88,6 % (späte Frühgeborene) und 91,6 % (zum vollen Termin Geborene). Auch für das Einkommen konnte Crump Nachteile für die extremen Frühgeburten nachweisen. Allerdings ist es in allen Parametern mit der Zeit zu Verbesserungen gekommen.

Deutsche Leitlinie zum Umgang mit extrem Frühgeborenen wird aktualisiert

Die deutsche Leitlinie zum Umgang mit extrem Frühgeborenen ist abgelaufen und wird derzeit auf Basis aktueller Daten überarbeitet. Die Langzeitdaten der schwedischen Studie werden aber vermutlich keinen Einfluss auf diese Empfehlungen haben. Dadurch, dass Frühgeborene zwischen 22 und 27 Wochen gemeinsam ausgewertet wurden, könne die Studie nichts zum Umgang mit Frühgeborenen an der Grenze der Lebensfähigkeit beitragen, sagt Christoph Bührer, Direktor der Klinik für Neonatologie an der Charité in Berlin.

„Frühgeborene mit 22 Wochen haben eine sehr hohe Sterblichkeit (in Schweden lag sie 2004-2007 bei rund 90 %), bei 23 Schwangerschaftswochen überlebt mehr als jedes zweite Kind, bei 25 Wochen sinkt die Sterblichkeit auf rund 20 %“, erläutert der Leitlinien-Beauftragte der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin (GNPI).

Bei einem Gestationsalter von 25 Wochen sei die Durchführung lebenserhaltender Maßnahmen völlig unstrittig; bei 22 Wochen werde sie in Schweden und Deutschland angeboten, während in den Niederlanden, Frankreich, der Schweiz oder Österreich solche Kinder primär palliativ betreut würden, ergänzt Bührer. © rme/gie/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Oktober 2019
Halifax – Eine schnelle Auffütterung von extremen Frühgeburten, die in Beobachtungsstudien mit dem Risiko einer nekrotisierenden Enterokolitis assoziiert war, hat sich in einer größeren randomisierten
Schnellere Auffütterung von Frühgeborenen bleibt in Studie ohne Risiken
20. September 2019
Berlin – Perinatalzentren dürfen von den Personalvorgaben für die Intensivpflege von Frühgeborenen bis zum 31. Dezember 2021 abweichen. Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) verlängerte gestern diese
Übergangsfrist bei Personalvorgaben für Intensivpflege von Frühgeborenen verlängert
7. August 2019
Washington – Der Umzug während der ersten 3 Monate der Schwangerschaft ist mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten, für ein niedriges Geburtsgewicht sowie einem etwas höheren Risiko für ein
Wohnungsumzug während der frühen Schwangerschaft erhöht das Frühgeburtsrisiko
2. August 2019
Berlin – Das Bundessozialgericht (BSG) hat kürzlich in zwei Fällen entschieden, dass Kliniken die High-Flow-Nasal-Cannula-(HFNC)-Beatmungstherapie bei Frühgeborenen nicht wie eine maschinelle Beatmung
Krankenhausgesellschaft kritisiert BSG-Urteil zu Beatmungsleistungen bei Frühgeborenen
18. Juni 2019
Köln – Den Einsatz von Webcams für die ortsunabhängige Echtzeitbeobachtung von Kindern auf Frühchenstationen untersuchen Wissenschaftler des Instituts für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und
Forscher untersuchen Einsatz von Webcams auf Frühchenstationen
14. Juni 2019
Berlin – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sieht die Versorgung von Frühgeborenen akut gefährdet. Grund sind die Pflegepersonalanforderungen auf den neonatologischen Intensivstationen zum 1.
Krankenhäuser wollen Lockerung der Personalvorgaben für Frühgeborenenversorgung
13. Mai 2019
New York – Eine Geburt vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche ist ein starker Risikofaktor für die Entwicklung von chronischen Nierenerkrankungen von der Kindheit bis in die Mitte des
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER