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Aldi und Lidl wollen Nutri-Score auf Eigenmarken einführen

Donnerstag, 24. Oktober 2019

Orangensaftflasche mit Nutri-Score/picture alliance
Der Nutri-Score bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlens­werte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine ein und gibt dann einen einzigen Wert an – auf einer fünfstufigen Skala von dunkelgrün bis rot. /picture alliance

Berlin – Die Nährwertkennzeichnung Nutri-Score, die in absehbarer Zeit auch in Deutsch­land offiziell für Lebensmittel empfohlen werden soll, bekommt einen kräftigen Schub im deutschen Lebensmittelhandel. Der großeDiscounter Aldi kündigtean, die freiwillige Kennzeichnung für Teile ihrer Eigenmarken einführen zu wollen. Lidl will eine Umsetzung ebenfalls prüfen.

Aldi Nord und Aldi Süd erklärten, sie unterstützten die Einführung des Nutri-Scores und planten, das Logo auf „relevanten Eigenmarken-Produkten“ aufzubringen. Erste Produkte anderer Hersteller, unter anderem Danone, sind bereits mit dem Nutri-Score gekennzeichnet und in Supermärkten zu kaufen.

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Während sich Aldi Nord und Aldi Süd für die Einführung des Nutri-Score ausgesprochen haben, sind andere Handelsketten bisher noch zurückhaltendender. Rewe zum Beispiel erklärte gegenüber Foodwatch, man sei zwar bereit mit seinen Eigenmarken „eine Vorreiterrolle zu übernehmen“, will nach eigenen Angaben aber erst dann eine Entscheidung treffen, wenn das Bundesernährungsministerium ein entsprechendes Regelwerk vorgelegt habe.

Auch der Discounter Lidl warte darauf, dass die Bundesregierung „zügig die entsprechenden Rahmenbedingungen“schaffe, erklärte ein Unternehmenssprecher gegenüber der Verbraucherorganisation.Lidl sprechesich dafür aus, dass sich möglichst viele Lebensmittelhersteller der freiwilligen Regelung anschließen.„Derzeit prüfen wir, wie wir diese ergänzende Nährwertangabe in Deutschland für unsere Eigenmarken umsetzen können, um unseren Kunden damit eine bewusstere Kaufentscheidung zu ermöglichen.“Die Handelskette Edeka schrieb in einer E-Mail an foodwatch, man wolle die Ergebnisse eines eigenen „Praxistests“abwarten.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte sich nach langem Streit über eine ergänzende Nährwertkennzeichnung auf das aus Frankreich stammende Nutri-Score-System festgelegt. Es schnitt in einer Verbraucherbefragung klar am besten ab. Klöckner will eine Verordnung auf den Weg bringen, die den Rechtsrahmen für eine freiwillige Verwendung auf der Vorderseite schafft. Das neue Logo soll eine Ergänzung für die EU-weit verpflichtende Nährwerttabelle sein, die meist auf der Rückseite von Packungen steht.

Der Algorithmus hinter dem Nutri-Score bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine in eine Gesamtbewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an. Auf einer fünfstufigen Skala von „A“ auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes „C“ bis zu einem roten „E“ für die ungünstigste. Das zutreffende Feld wird hervorgehoben.

Der Lebensmittelverband Deutschland hat sich bisher nicht für den Nutri-Score ausgesprochen: „Grundsätzlich haben wir aus wissenschaftlicher Sicht jedoch weiterhin Zweifel, dass bewertende Systeme geeignete Modelle für eine vereinfachte Nährwertkennzeichnung sind“, sagte Philipp Hengstenberg, Präsident des Lebensmittelverbands. Eine ernährungsphysiologisch sinnvolle Bewertung könne nur mit Blick auf das gesamte Ernährungsverhalten am Tag erfolgen. „Davon abgesehen ist die Verwendung eines erweiterten Nährwertkennzeichnungssystems freiwillig, das heißt es ist die freie Entscheidung eines jeden Unternehmens, der Empfehlung von Bundesministerin Julia Klöckner zukünftig zu folgen“, betonte Hengstenberg.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch forderte andere Handelsketten auf, mit der Verwendung von Nutri-Score nachziehen. Neben Aldi und Lidl haben sich zuvor bereits Danone, Frosta und Nestlé für die vereinfachte Kennzeichnung in Ampelfarben ausgesprochen. © dpa/gie/aerzteblatt.de

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