NewsMedizinNeues Biologikum lindert Neurodermitis in Phase 2-Studie
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Neues Biologikum lindert Neurodermitis in Phase 2-Studie

Freitag, 25. Oktober 2019

Arzt untersucht die Hand eines Patienten mit Neurodermitis. /Iri-s, stock.adobe.com
/Iri-s, stock.adobe.com

Oxford– Der monoklonale Antikörper Etokimab, der den Botenstoff Interleukin 33 neutralisiert, hat in einer ersten klinischen Studie eine deutliche Linderung der Neurodermitis (Atopische Dermatitis) erzielt. Die in Science Translational Medicine (2019; 11: eaax2945) vorgestellten Ergebnisse haben den Hersteller zu einer Phase 3-Studie motiviert.

Die Atopische Dermatitis kann in den meisten Fällen topisch behandelt werden. Erst wenn die verschiedenen Salben, Lotionen und Cremes der Basistherapie die Störung der Haut­barriere nicht beheben und den quälenden Juckreiz nicht lindern, kommen immun­supprimierende Substanzen zum Einsatz. Früher mussten die Dermatologen auf Metho­trexat, Ciclosporin und Azathioprin zurückgreifen, die nicht ohne Risiken sind. Vor 2 Jahren wurde mit Dupilumab das erste Biologikum zugelassen. Dupilumab hemmt die Rezeptoren für die Signalwege der Interleukine 4 und 13.

Anzeige

Etokimab könnte das 2. Biologikum sein, das bei der Atopischen Dermatitis wirkt. Der monoklonale Antikörper neutralisiert Interleukin 33. Dieses Zytokin wird von geschädigten Hautzellen freigesetzt und rekrutiert dann Abwehrzellen, die bei Menschen mit Atopischer Dermatitis eine Entzündungsreaktion verursachen, die die Hautbarriere stört und die nässenden, stark juckenden Läsionen verursacht.

Wie Graham Ogg vom Weatherall Institute of Molecular Medicine an der Universität Oxford jetzt an den 12 Patienten einer Phase 2b-Studie zeigen kann, stoppt Etokimab nicht nur die allergischen Reaktionen, zu der es nach einer Sensibilisierung etwa gegen Hausstaubmilben kommt. Der Interleukin 33-Antikörper verhindert auch, dass neutrophile Granulozyten, die „Fußsoldaten“ des angeborenen Immunsystems, in die Haut migrieren. Dies ist bei der Atopischen Dermatitis willkommen, da die Entzündung auch ohne allergische Reaktion durch das Kratzen der Patienten aufrecht erhalten wird.

Bei allen Patienten wurde einmal die atopische Reaktion der Haut untersucht. Dazu wurde durch Injektion von Antigenen der Hausstaubmilbe (oder Kochsalz) und anschießendem Saugen eine Blase erzeugt, deren Flüssigkeit dann im Labor untersucht wurde. Dieser Versuch wurde 2-mal durchgeführt. Das 1. Mal hatten die Patienten 4 Tage vorher eine Placeboinfusion erhalten. Das2. Mal war ihnen 300 mg Etokimab infundiert worden. Der Vergleich der Blasenflüssigkeiten zeigte, dass Etokimab die entzündliche Reaktion (mit Migration der neutrophilen Granulozyten in die Haut) verhindert.

Zum anderen wurde der Hautzustand der Patienten begutachtet, denn das systemisch applizierte Biologikum wirkte auch an anderen Stellen der Haut.

Ergebnisse einer Phase-3-Studie werden für dieses Jahr erwartet

Die Patienten litten vor der Behandlung mit einem EASI-Score von 14 an einer mittleren bis schweren Atopischen Dermatitis. Der EASI-Score (Eczema Area and Severty Index) bewertet Ausdehnung und Schweregrad der Atopischen Dermatitis. Der Maximalwert des EASI liegt bei 72 Punkten. Ein Wert von 14 zeigt eine mittelschwere Neurodermitis an.

Nach Behandlung mit Etokimab kam es bei den meisten Patienten zu einer allmählichen Verbesserung: 29 Tage nach der Infusion war der EASI-Score bei 83,3 % der Patienten um die Hälfte gefallen (EASI50), bei 33 % sogar um 75 % (EASI75). Das deutet auf eine gute Wirksamkeit hin, was den Hersteller bereits zu einer Phase-3-Studie mit 300 Patienten veranlasst hat. Die Ergebnisse sollen noch in diesem Jahr vorliegen. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #737432
Rollkragen
am Montag, 28. Oktober 2019, 13:39

@Biochemie

Die gesamte Ärzteschaft bedankt sich für Ihre stets hilfreichen und fundierten Überlegungen zu medizinischen und anderen Themen.
Avatar #754103
Biochemie
am Montag, 28. Oktober 2019, 12:05

Wie können wir Neurodermitis (Hauterkrankung) von allen Seiten behandeln?

Ich denke die Forschungen, wie in dem Artikel beschrieben sind sehr nützlich um unser Wissen zu erweitern wie dieses entstehen kann.

Wir sollten aber zusätzlich auch den ganzen Menschen betrachten.
Also Ernährung (Kleinstnährstoffe), Psychosomatik, Reinigungsmittel, Kontaktgifte, Pflegemittel, Umweltgifte. usw.

Das unsere Ärzte nicht für diese Aufklärung zuständig sind ist uns allen klar.

Wir können aber versuchen, das Wissen in den öffentlichen Gesprächsraum zu bekommen.

So könnte man den einzelnen Personen bestimme Vorträge vorschlagen und diese können sich dann da weiter entwickeln und selber erforschen was hilft und was nicht.

Selbst Ärzte mit Studium und jahrelanger Praxis können nicht in allen Themen aktuell sein und nicht zu vergessenen ist gibt vieles was wir nicht kennen, erklären können.
















LNS

Nachrichten zum Thema

22. November 2019
Berlin – Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) hat drei Gesundheitsinformationen in leichter Sprache herausgegeben. Die Themen sind „Leben mit Diabetes Typ 2“, „Hautkrebs“ und „Tipps
Gesundheitsinformationen zu Diabetes und Hautkrebs in Leichter Sprache erschienen
23. Oktober 2019
Tokio – Eine frühe Zufütterung mit Kuhmilch in den ersten drei Lebenstagen, eine in Japan weit verbreitete Praxis, hat in einer randomisierten Studie in JAMA Pediatrics (2019; DOI:
Japan: Kuhmilch in den ersten Lebenstagen führt häufiger zur Nahrungsmittelallergie
18. Oktober 2019
Manchester –Menschen mit einer Psoriasis haben ein leicht erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken und an Krebs zu sterben. Dies kam in einer Meta-Analyse in JAMA Dermatology (2019; doi:
Psoriasis erhöht Krebsrisiko in Meta-Analyse
7. Oktober 2019
Berlin – Der hochaffine Antikörper Ligelizumab, der wie das Standardmedikament Omalizumab allergische IgE-Antikörper neutralisiert, hat in einer Phase-2-Dosisfindungsstudie die bessere Wirkung
Ligelizumab bei chronischer spontaner Urtikaria besser und länger wirksam
2. Oktober 2019
Boston – Schwere Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom oder die toxische epidermale Nekrolyse sind gefürchtete Komplikationen des Gicht-Medikaments Allopurinol. Eine bevölkerungsbasierte
Allopurinol: Studie ermittelt Risikofaktoren für schwere Hautreaktionen
30. September 2019
Magdeburg – „Gesundheitskompetenz in der Allergieprävention bei Kindern“ ist das Thema einer neuen Forschungsgruppe, die an der Universitätsmedizin Magdeburg koordiniert wird. Die Arbeitsgruppe um
Neue Forschungsgruppe zur Allergieprävention bei Kindern
30. September 2019
Berlin – Die Zahl der registrierten Hautkrebsfälle in Deutschland ist in den vergangenen Jahren drastisch angewachsen. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken im
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER