NewsPolitikNordrhein-Westfalen: Mehr Pflegepersonal an Unikliniken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Nordrhein-Westfalen: Mehr Pflegepersonal an Unikliniken

Montag, 28. Oktober 2019

/dpa

Essen/Düsseldorf – Ein Jahr nach der Vereinbarung über die Neueinstellung von Pflege­kräften haben die Universitätskliniken in Düsseldorf und Essen die Vorgaben noch nicht erfüllt. Die Gewerkschaft Verdi hatte mit ihnen die Schaffung von je 180 neuen Stellen – 140 in der Pflege und 40 aus anderen Bereichen –zum 31. Oktober 2019 vereinbart. Doch von 180 Entlastungsstellen seien erst 124 besetzt, davon 93 im Pflegedienst, erklärte die Uniklinik Düsseldorf.

Vor zwei Monaten hatte die Klinik den Stand an neu besetzten Stellen noch mit 71 ange­geben. Die Essener Klinik erklärte ohne Angaben von Zahlen, die Vorgaben im Bereich Pflege würden weitgehend erfüllt. Im Nicht-Pflegebereich seien von vereinbarten 40 nun 30 besetzt. Essen setzt ansonsten auf Pflegekräfte auf Leiharbeitsbasis. „Wir haben die Lücke weitgehend geschlossen“, erklärte ein Sprecher der Uniklinik.

Anzeige

Beschäftige beider Kliniken mit jeweils 6.500 Mitarbeitern hatten im vergangenen Sommer wochenlang für eine Aufstockung des Personals gestreikt, in Essen an fast 40 Tagen, in Düsseldorf an 52 Tagen. Die Auswirkungen waren dramatisch: Hunderte Patienten konnten nicht stationär aufgenommen werden, Tausende Operationen fielen aus. Teilweise blieb über die Hälfte der OP-Säle zu. Erst mit Hilfe eines Schlichters konnte in dem verfahrenen Konflikt eine Lösung gefunden werden.

Die Gewerkschaft Verdi erklärte, an beiden Unikliniken sei die Bilanz nach einem Jahr durch­wachsen. Der vertraglich zugesicherte Aufbau von je 140 Stellen in der Pflege sei bisher nicht umgesetzt worden. „Zum Teil mag das an der angespannten Arbeitsmarktsituation liegen“, sagte Verdi-Bundesvorstand Sylvia Bühler. Zu einem erheblichen Teil sei aber auch die mangelnde Umsetzung von Entlastungsmaßnahmen Schuld. Die Gewerkschaft hat inzwischen nach eigenen Angaben in 14 weiteren Kliniken solche Vereinbarungen abge­schlossen.

„In der Besetzung der Stellen hinken wir dem in der Vereinbarung vorgegebenen Zeitplan leider hinterher“, erklärte die Uniklinik Düsseldorf. Man würde sofort 100 zusätzliche Pflegekräfte einstellen - finde aber keine. Der Markt für Pflegekräfte sei leergefegt. Um eine Überbelastung des Pflegepersonals zu vermeiden, würden täglich bis zu 120 Betten nicht belegt. Bis Oktober seien nach erster Versorgung in der Notaufnahme über 400 Patienten an andere Krankenhäuser verwiesen worden.

Die Kliniken beklagen die finanziellen Folgen der Vereinbarung. Der massive Anstieg der Personalkosten bedeute schwere Nachteile für die universitären Standorte Essen und Düsseldorf in der NRW-Hochschulmedizin, erklärte die Essener Klinik. „Eine Lösung für diese Schieflage steht aus“, sagte der Ärztliche Direktor, Prof. Jochen Werner. Das Land Nordrhein-Westfalen ist Träger der Universitätskliniken.

In Düsseldorf werden viele Stellschrauben ausprobiert. Interessierte sollen durch Radio­werbung und Veranstaltungen zum Kennenlernen überzeugt werden. Ab 2020 sollen Beschäftigten rund 160 neue Wohnungen in Fußnähe zur Klinik zur Verfügung stehen. Die Zahl der Ausbildungsplätze soll verdoppelt werden. Allerdings: Noch fehlen die räumlichen Voraussetzungen dafür. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

27. März 2020
Freiburg – Bioinformatiker der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg stellen technische Infrastruktur zur Verfügung, die den Datenaustausch zu SARS-CoV-2 vereinfachen soll. Über öffentliche Server
Universität Freiburg stellt Datenplattform für Big-Data-Auswertungen zu SARS-CoV-2 zur Verfügung
26. März 2020
Dresden – Das Labor der Stammzellspenderdatei DKMS wird das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden ab sofort bei den Tests auf den SARS-CoV-2-Virus unterstützen. Das Universitätsklinikum kann
DKMS-Labor unterstützt Uniklinik Dresden bei Coronatests
25. März 2020
Berlin/Mainz – Pflegekräfte und Personen, die in der Pflege während der Corona-Pandemie unterstützen wollen, sollen sich bei einer der Pflegekammern in Schleswig-Holstein, Niedersachsen oder
Pflegekräfte: Freiwillige Helfer sollen sich bei Kammern melden
25. März 2020
Berlin − Der Wegfall osteuropäischer Pflegekräfte in der Coronakrise führt nach Angaben von Verbänden zu dramatischen Engpässen in der häuslichen Pflege. „Aus Angst vor dem Coronavirus verlassen
Massive Engpässe bei häuslicher Pflege wegen Ausfalls osteuropäischer Helfer
20. März 2020
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat heute unter dem Eindruck der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie Abweichungsmöglichkeiten von der Mindestausstattung mit Intensivpflegepersonal bei
G-BA beschließt Abweichungen von Mindestausstattungen
19. März 2020
Berlin – Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) hat heute in Absprache mit Pflegeverbänden verschiedene Maßnahmen beschlossen, um das Infektionsrisiko von Pflegekräften und Pflegebedürftigen zu
Coronakrise: Spahn will Pflegekräfte besser schützen
18. März 2020
Jena – Ältere Menschen in Deutschland stehen Robotern – zum Beispiel in der Pflege – aufgeschlossen gegenüber. Eine in der Wissenschaft häufig vermutete Roboterskepsis bei Senioren kann eine neue
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER