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Breitneutra­lisierende Antikörper sind gegen alle Influenzaviren wirksam

Montag, 28. Oktober 2019

Influenzavirus /Juan Gärtner, stock.adobe.com
Influenzavirus /Juan Gärtner, stock.adobe.com

La Jolla/Kalifornien – US-Forscher haben aus dem Blut eines Grippe-Patienten 3 Antikörper isoliert, die die Neuraminidase aller Influenzaviren neutralisieren. Eine Behandlung mit den Antikörpern verhinderte laut einem Bericht in Science (2019; 366: 499-504) bei Mäusen einen tödlichen Verlauf der Erkrankung. Die Forscher sehen in den Antikörpern einen Schlüssel für die Entwicklung eines universellen Impfstoffs.

Die jährlichen Grippe-Impfungen erzeugen in erster Linie eine Immunantwort gegen das Protein Hämagglutinin auf der Oberfläche der Influenza-Viren. Die Aminosäuresequenz des Hämagglutinins verändert sich jedoch ständig, weshalb die durch die Impfung erzeugten Antikörper schon bald ins Leere greifen. Für jede Saison müssen neue Impfstoffe erzeugt werden, deren Schutzwirkung nicht vorhersehbar ist.

Auf der Oberfläche der Influenza-Viren gibt es jedoch noch ein weiteres Protein, das sich als Angriffspunkt für Antikörper anbietet. Es ist das Enzym Neuraminidase, dessen Blockade durch Wirkstoffe wie Oseltamivir die Ausbreitung der Viren im Körper verhindern kann. Die Neuraminidase-Hemmer wirken allerdings nur in den ersten Stunden der Infektion.

Die 3 Antikörper, die ein Team um Ian Wilson von der Forschungseinrichtung Scripps Research in La Jolla/Kalifornien beschreibt, könnten jedoch noch im späteren Verlauf der Erkrankung eingesetzt werden.

Die Antikörper waren 2017 bei einem Patienten entdeckt worden, der wegen einer schweren Influenza behandelt wurde. Ein Team um Ali Ellebedy von der Washington University School of Medicine in St. Louis hatte die Antikörperantwort von Grippe-Patienten untersucht. Der Patient fiel auf, weil sein Blut nicht nur Antikörper gegen Hämagglutinin, sondern auch gegen die Neuraminidase enthielt.

Antikörper neutralisierten nicht nur Viren der aktuellen Saison

Nähere Untersuchungen, die Florian Krammer von der Icahn School of Medicine in New York an 3 Antikörpern durchführte, zeigten, dass die Antikörper nicht nur die Viren der aktuellen Grippesaison neutralisierten. Wenigstens einer der 3 Antikörper blockierte die Neuraminidase von allen bekannten Grippeviren, die Menschen und andere Lebewesen infizieren.

Dies veranlasste die Forscher, die Antikörper genauer zu untersuchen. Dabei stellte sich heraus, dass sie an einem Teil der Neuraminidase binden, der bei allen Grippeviren gleich ist. Jede Veränderung an dieser Stelle hätte einen Funktionsverlust des Enzyms zur Folge, was die weitere Ausbreitung der Viren im Körper verhindern würde.

Damit könnten die Antikörper gegen alle Grippeviren eingesetzt werden. Erste tier­experimentelle Studien bestätigen dies. Krammer behandelte Tiere, die zuvor mit für sie tödlichen Influenzaviren infiziert worden waren. Obwohl die Tiere erst 72 Stunden nach der Infektion behandelt wurden, überlebten sie. Dies überraschte die Forscher, weil die Behandlung mit Oseltamivir und anderen Neuraminidasehemmern in der Regel in den ersten 24 Stunden nach Beginn der Erkrankung erfolgen muss, um eine Wirkung zu erzielen. Das therapeutische Fenster der Antikörper könnte deshalb größer sein als bei den Neuraminidasehemmern.

Die Forscher könnten damit ein neues Grippemedikament gefunden haben. Vor einer Einführung wären jedoch noch weitere präklinische und klinische Tests erforderlich. Darüber hinaus könnten die Antikörper die Entwicklung neuer Influenzaimpfstoffe vorantreiben. Ein Impfstoff, der die gleichen breitneutralisierenden Antikörper erzeugen würde, wie bei dem Patienten aus St. Louis, könnte eine dauerhafte Immunität erzielen. Dann wären eventuell keine jährlichen Grippeimpfungen mehr notwendig. Ob die Entwicklung eines solchen universellen Impfstoffs gelingt, lässt sich allerdings nicht vorhersagen. © rme/aerzteblatt.de

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