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Politik

World Health Summit: „Der Klimawandel betrifft alles und jeden“

Montag, 28. Oktober 2019

Berlin – Vor den dramatischen Folgen des Klimawandels für die Gesundheit und die Le­bensräume haben heute in Berlin Ärzte und Naturschützer gewarnt. „Der Klimawandel betrifft alles und jeden“, sagte Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim World Wildlife Fund (WWF) im Rahmen des World Health Summit vor Journalisten. Vom Anstieg des Mee­res­spiegels infolge der Erderwärmung seien weltweit eine Milliarde Menschen betroffen. Dicht besiedelte Regionen wie Indien oder Afrika litten unter fortschreitender Wüstenbil­dung. „So betreffen in den reichen Ländern verursachte Probleme schließlich die Ärmsten“, kritisierte Heinrich den andauernden CO2-Ausstoß.

Er beklagte zudem einen „historischen Verlust“ an Ökosystemen wie den Regenwald im Amazonasgebiet. Diese Ökosysteme hätten noch immer das Potenzial, menschengemachtes Kohlendioxid zu binden. Doch die Entwaldungsraten hätten sich in Brasilien unter der Regierung von Staatspräsident Jair Bolsonaro allein in diesem Jahr vervielfacht. „Wir machen uns die Biosphäre zum Feind“, warnte Heinrich.

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Die Erderwärmung habe auch für die Biodiversität verheerende Folgen. Erhitze sich die Erde um zwei Grad, seien bis zu 25 Prozent der Arten bedroht. Bei einem Temperaturanstieg von vier Grad könne es zu einem Massenaussterben kommen, erklärte der Naturschützer. Um hier gegenzusteuern, müsse eine Energie- und Mobilitätswende umgesetzt und in nachhal­tige Landwirtschaft investiert werden. Heinrich warnte jedoch trotz aller Schreckens­sze­narien vor einer „Kaskade schlechter Nachrichten“, die die Menschen nur frustriere und abstumpfen lasse. Veränderungen müssten sozialverträglich und angemessen gestaltet und die Diskussion darüber mit Augenmaß und Empathie geführt werden.

Sabine Gabrysch, Professorin für Klimawandel und Gesundheit an der Charité – Universitäts­medizin Berlin, beklagte, dass Deutschland bei den Themen globale und planetare Gesund­heit „erst spät aufgewacht ist“. Auch Gabrysch kritisierte den Landverbrauch durch intensive Landwirtschaft zum Schaden des Klimas. Sie betonte zugleich die gesundheitsfördernden Aspekte, wenn weniger Fleisch und mehr Gemüse produziert würden. „Die Deutschen essen im Durchschnitt doppelt so viel Fleisch, wie es für eine gesunde Ernährung angemessen wäre“, sagte die Ärztin. Sie regte an, dass Krankenhäuser mit gutem Beispiel vorangehen und mehr auf gesundes Essen achten.

Für eine bessere Verankerung der planetaren Gesundheit im Medizinstudium sprach sich Sylvia Hartmann aus. Die Medizinstudierende ist Vorstandsmitglied der Deutschen Allianz für Klimawandel und Gesundheit (KLUG). „Gesunde Menschen gibt es nur auf einem gesun­den Planeten“, sagte sie. Sie regte an, dass sich die im Gesundheitswesen Tätigen mehr politisch engagieren sollten, denn die Folgen des Klimawandels auf die Gesundheit seien dramatisch.

Dafür, auch den Klima-Fußabdruck des Gesundheitswesens in den Fokus zu rücken, plädierte der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen. Nach Angaben der inter­nationalen Nichtregierungsorganisation „Health Care Without Harm“ ist der Gesundheits­sektor für rund 4,4 Prozent der Emissionen weltweit verantwortlich und damit für mehr Treibhausgase als der Flugverkehr oder die Schifffahrt. Von Hirschhausen kritisierte zugleich, dass private Spender nur einen Bruchteil dessen in die Klimarettung investierten, was in andere Bereiche fließe. „Dabei ist das zurzeit die größte Bedrohung“, so der Arzt. „Wir retten nicht den Planeten, sondern uns.“ © HK/aerzteblatt.de

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