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Sanierungsstau bei Hochschulmedizin in NRW

Montag, 28. Oktober 2019

/dpa
Düsseldorf – Der Wissenschaftsrat hat die Hochschulmedizin in Nordrhein-Westfalen unter die Lupe genommen und ihr einen Investitions- und Sanierungsstau attestiert. Das 2021 auslaufende Modernisierungsprogramm des Landes in Höhe von 2,4 Milliarden Euro habe diesen Stau noch nicht beseitigt, so der Rat, der die Universitätsmedizin im Auftrag der Landesregierung untersucht hatte.

Außerdem seien mehrere Unikliniken wirtschaftlich gefährdet. Wie hoch der noch verblie­bene Finanzbedarf ist, bezifferte der Rat nicht.

NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) räumte ein, wegen der vielen Gebäude aus den 1970er Jahren gebe es einen „Riesen-Sanierungsbedarf“. Dies sei eine große Herausforderung. Einige Standorte, etwa in Siegen, Düsseldorf und Bochum, sah der Wissenschaftsrat nach seiner Bestandsaufnahme kritisch.

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Das Projekt „Medizin neu denken“ mit einem zweigeteilten Studium in Siegen und Bonn überzeugte den Wissenschaftsrat nicht. Es gebe gravierende Planungsdefizite. Angesichts von lediglich 25 Studierenden sei der Aufwand nicht vertretbar. Es sei besser, das Modell „nicht weiterzuverfolgen“. „Die Kritik ist deutlich“, räumte Pfeiffer-Poensgen ein. Man werde sie sehr ernst nehmen.

In der Krise ist laut der Untersuchung die Universitätsmedizin in Düsseldorf. Die Uniklinik sei in einer schwierigen, wirtschaftlich bedrohlichen Situation. Zahlreiche Wechsel in der Führung hätten ein Strategiedefizit hinterlassen, so der Wissenschaftsrat. Mit dem neuen Vorstand sei man aber auf einem „guten Weg“.

Das „Bochumer Modell“ mit acht Trägern und zwölf Kliniken sieht der Rat ebenfalls kritisch. Die Zahl der zum Teil weit entfernten Kliniken sollte reduziert werden. Im Bereich der Digi­talisierung gebe es großen Nachholbedarf.

Der Plan einer neuen medizinischen Fakultät in Bielefeld sei zwar grundsätzlich gut, der für das Wintersemester 2021/22 geplante Start sollte aber unbedingt verschoben werden, empfahl der Rat.

Viel Lob hatten die Prüfer für die Hochschulmedizin in Aachen übrig. Auch Bonn sei stark, die Lehre aber noch zu wenig innovativ. In Köln wurde die exzellente Forschung und Lehre gelobt, zugleich aber ein Investitionsbedarf gesehen. In Münster gebe es eine international sichtbare Forschung, aber zugleich auch ein defizitäres und sanierungsbedürftiges Uni-Klinikum.

Die Unimedizin in Duisburg und Essen sei trotz schwieriger Rahmenbedingungen „dyna­misch und aufstrebend“. Das Uni-Klinikum sei allerdings ebenfalls wirtschaftlich gefährdet. Der Wissenschaftsrat in Köln gilt als wichtigstes wissenschaftspolitisches Beratungsgre­mium in Deutschland. Er berät Bund und Länder in Fragen des Hochschulsystems und der staatlichen Förderung von Forschungseinrichtungen. © dpa/aerzteblatt.de

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