NewsMedizinSüßgetränke: Verkaufsverbot am Arbeitsplatz senkt Körpergewicht und bessert Insulinwirkung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Süßgetränke: Verkaufsverbot am Arbeitsplatz senkt Körpergewicht und bessert Insulinwirkung

Dienstag, 29. Oktober 2019

monticellllo - stock.adobe.com
San Francisco – Ein Verkaufsverbot an einer Universität in Kalifornien hat den Konsum von Süßgetränken um fast die Hälfte gesenkt und den Angestellten zu einer schlankeren Taille und einem besseren Glukosestoffwechsel verholfen. Die Wirkung konnte laut der Publika­tion in JAMA Internal Medicine (2019; doi: 10.1001/jamainternmed.2019.4434) durch eine Kurzintervention, wie sie bei Alkoholproblemen eingesetzt wird, noch verstärkt werden.

Süßgetränke werden zunehmend als arbeitsmedizinisches Problem betrachtet. In angel­sächsischen Ländern wird der Verkauf am Arbeitsplatz mancherorts eingeschränkt. Den Anfang machten akademische Krankenhäuser wie die Cleveland Clinic oder die medizi­nischen Fakultäten der Universität von Michigan oder der Baylor Universität. Mittlerweile haben sich mehr als 500 US-Krankenhäuser der Healthier Hospital Initiative angeschlossen.

In England werden seit dem letzten Jahr an allen Kliniken des staatlichen Gesundheits­dienstes keine Süßgetränke mehr angeboten. An der Universität von San Francisco wurde im November 2015 ein Verkaufsverbot eingeführt. Ein Team um Elissa Epel vom „Aging, Metabolism, and Emotions Center“ der Universität hat die Auswirkungen in einer Studie untersucht. Zwei Monate vor Beginn des Verkaufsverbots wurden 2.556 Angestellte nach ihren Vorlieben für Süßgetränke befragt. Von den Teilnehmern mit dem höchsten Konsum konnten 214 für eine randomisierte Studie gewonnen werden.

Anzeige

Die Hälfte der Teilnehmer erhielt eine 15-minütige Beratung, in der sie über die Risiken der Süßgetränke aufgeklärt und zu einem Verzicht motiviert wurden. Vorbild waren die Kurz­inter­ventionen, die Ärzte bei Alkoholkranken durchführen. Die andere Hälfte wurde nicht zum Verzicht auf Süßgetränke motiviert.

Das Verkaufsverbot zeigte auch ohne Kurzintervention Wirkung. In der Gesamtgruppe aller 214 Teilnehmer verminderte sich der Konsum an Süßgetränken innerhalb von 6 Monaten von 1.050 auf 540 ml pro Tag auf fast die Hälfte. Dieser Effekt war auch nach 12 Monaten noch erkennbar.

In der Gruppe mit Kurzintervention lag der Rückgang sogar bei 762 ml. In der Gruppe ohne Kurzintervention wurden nur 246 ml pro Tag weniger konsumiert. Die größten Auswir­kungen gab es bei den adipösen Teilnehmern. Diese tranken nach der Kurzintervention 840 ml weniger Süßgetränke am Arbeitsplatz. In der Kontrollgruppe waren es 300 ml am Tag weniger.

Interessanterweise hatte der Verzicht auf die Süßgetränke keine Auswirkungen auf den Body-Mass-Index. Die Teilnehmer scheinen die Kalorien auf andere Weise zu sich genom­men zu haben. Offenbar waren es jedoch „gesündere“ Kalorien. Denn der Bauchumfang der Teilnehmer hatte um 2,1 cm und der Saggitaldurchmesser („Bauchdicke“) um 0,4 cm abge­nommen. Dies spricht für einen Rückgang des viszeralen Fettgewebes, das für den Stoff­wechsel als nachteilig eingestuft wird. Tatsächlich war eine Verbesserung der Insulinem­pfindlichkeit (HOMA-IR) nachweisbar, wobei Teilnehmer mit hohem Body-Mass-Index am meisten profitierten.

Epel zieht ein positives Fazit. Verkaufsverbote am Arbeitsplatz können ihrer Ansicht nach einen Beitrag zur Gesundheit leisten. Auch die fehlende Auswirkung auf den Body-Mass-Index trüben nach Ansicht der Forscherin den Erfolg nicht. Ohne das Verkaufsverbot wäre es vermutlich zu einer Zunahme gekommen. Die meisten Menschen nähmen im Verlauf des Erwerbslebens kontinuierlich an Gewicht zu. Beweisen kann Epel dies mangels Vergleichs­gruppe allerdings nicht. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

6. Dezember 2019
La Jolla – Die Beschränkung der Nahrungsaufnahme auf 10 Stunden am Tag hat in einer offenen Pilotstudie in Cell Metabolism (2019; doi: 10.1016/j.cmet.2019.11.004) Patienten mit Metabolischem Syndrom
Intervallfasten verbessert Stoffwechsel bei Metabolischem Syndrom
4. Dezember 2019
Washington – Vor einer mit Spannung erwarteten Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA zu einem strengen Abtreibungsgesetz in Louisiana haben sich mehr als 360 Juristinnen Medienberichten
Schwangerschaftsabbrüche: US-Juristinnen wenden sich an Obersten Gerichtshof
3. Dezember 2019
Chicago – Kurz vor Thanksgiving hat die protestantische „Trinity United Church of Christ“ in Chicago fast 6.000 Familien im Cook County ihre Schulden erlassen. Pfarrer Otis Moss beziffert den Betrag
Initiative tilgt Medizinschulden armer Amerikaner
28. November 2019
Durham – Ein 6-monatiges Sportprogramm und eine gesunde DASH-Ernährung haben bei bewegungsarmen älteren Männern und Frauen in einer randomisierten klinischen Studie die kognitiven Fähigkeiten deutlich
Diät und Sport verbesserten in Studie kognitive Fähigkeiten um 8 Lebensjahre
27. November 2019
Richmond – Seit 2014 sinkt in den USA erstmals in Friedenszeiten die Lebenserwartung der Bevölkerung. Die Ursachen dieser „Retrogression“ reichen nach einer umfassenden Analyse im amerikanischen
USA: „Retrogression“ der Mortalität begann schon in den 1990er-Jahren
27. November 2019
London – Zwei Wochen vor der Parlamentswahl in Großbritannien hat die oppositionelle Labour-Partei ihre Vorwürfe bekräftigt, die konservative Regierung von Premierminister Boris Johnson plane im
Labour wirft Regierung von Johnson „Verkauf“ des Gesundheitssystems vor
27. November 2019
New York – Pharmaunternehmen, die Schmerzmittel produzieren, könnte in den USA nach einem Zeitungsbericht weiterer großer rechtlicher Ärger drohen. Die Justizbehörden prüfen im Rahmen einer
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER