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Politik

Telemonitoring kann Mortalität bei Herzinsuffizienz senken

Dienstag, 29. Oktober 2019

/Monkey Business, stock.adobe.com

Köln – Patienten mit einer fortgeschrittenen Herzinsuffizienz können von einer telemedizi­nschen Betreuung profitieren: Gegenüber einer Betreuung ohne Telemonitoring treten bei einem Telemonitoring mit definierten Mindestanforderungen weniger kardiovaskuläre Todesfälle auf. Das berichtet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheits­wesen (IQWiG) in einem sogenannten Rapid Report im Auftrag des Gemeinsamen Bundes­ausschusses (G-BA).

Bei einer chronischen Herzinsuffizienz wird eine engmaschige Kontrolle des Gesundheits­status empfohlen. Bei einem „Telemonitoring mit definierten Mindestanforderungen“ – wie vom IQWiG untersucht – werden die Daten wie Herzfrequenz und -rhythmus, Gewicht und Blutdruck nicht nur vom Arzt, sondern zusätzlich vom Telemonitoring-Zentrum analysiert.

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Neben einer automatischen Erhebung und Übermittlung der Daten durch ein implantiertes Gerät gibt es auch eine Monitoring-Strategie, bei der die Betroffenen selbst nach einer entsprechenden Schulung mindestens einmal am Tag Messungen vornehmen und zusätzlich ihren Gesundheitszustand einschätzen. Übertragen werden die Daten beispielsweise mittels eines Tablets. Für diese beiden Strategien hat das IQWiG jeweils zwei randomisierte kon­trollierte Studien gefunden und ausgewertet.

Bei der Betrachtung aller vier Studien zeigte sich insgesamt für den Endpunkt Gesamtmor­ta­lität kein statistisch signifikanter Vorteil des Telemonitorings. Betrachtet man aber nur die beiden Studien, bei denen die Betroffenen die Messungen mindestens einmal täglich selbst vornahmen, ergab sich ein anderes Bild: Patienten ohne depressive Symptomatik hatten hier einen statistisch signifikanten Überlebensvorteil. Für diese Gruppe sieht das Institut einen Hinweis auf einen Nutzen im Endpunkt Gesamtmortalität. Bei Betroffenen mit Depressionssymptomen zeigte sich ein solcher Vorteil dagegen nicht.

Kardiovaskuläre Todesfälle – etwa zwei Drittel aller Todesfälle in den Studien – traten unter einem Telemonitoring insgesamt seltener auf als in den Kontrollgruppen, unabhängig von der Monitoring-Strategie. Das IQWiG sieht daher einen Anhaltspunkt für einen Nutzen für das Telemonitoring.

Auch Wissenschaftler der Charité - Universitätsmedizin Berlin waren im Rahmen der sogenannte Fontane-Studie bereits im vergangenen Jahr zu der Einschätzung gelangt, dass eine telemedizinische Mitbetreuung von Patienten mit Herzschwäche mit täglichen Messungen zu weniger Kranken­haus­auf­enthalten und zu einer längeren Lebensdauer im Vergleich zur herkömmlichen Behandlung führt. © hil/aerzteblatt.de

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Dr. Hartwig Raeder
am Mittwoch, 30. Oktober 2019, 05:20

Erwachsene Patientin mit einem Babyherz

Meiner 31-jährigen Patientin mit schwerer Herzinsuffizienz im Stadium IV nach NYHA würde Telemonitoring nicht helfen. Als Säugling erfolgte eine Herztransplantation. Alle Parameter sind unauffällig. Nur das Herzzeitvolumen ist drastisch reduziert. Das HZV muss gemessen werden. Das geht aber nicht per Telemonitoring. Auch die Kardiologen messen das HZV fahrlässig nicht. Das HZV ist der einzige objektive Parameter zur Bestimmung der Schwere einer jeden Herzinsuffizienz. Das gilt für alle Menschen und Säugetiere.
LNS

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