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Medizin

Umstellung auf umweltfreundliche Asthma-Inhalatoren könnte CO2-Emissionen und Kosten senken

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Dosierinhalator/Orawan, stock.adobe.com
Für alle 2017 in England verordneten Dosieraerosole errechnen Forscher einen CO2-Fußabdruck von 635 Kilotonnen CO2. /Orawan, stock.adobe.com

London – Die Dosieraerosole, die Patienten mit Asthma und anderen Atemwegs­erkrankungen regelmäßig anwenden, enthalten Treibhausgase. Ein Wechsel auf Pulverinhalatoren könnte nach Berechnungen in BMJ Open (2019; doi: 10.1136/bmjopen-2018-028763) den CO2-Fußabdruck deutlich vermindern und gleichzeitig Kosten einsparen.

Dosieraerosole enthalten ein Gas, das als Treibmittel den Wirkstoff zerstäubt und in die Mundhöhle katapultiert. Beim nächsten Einatmen gelangen die Medikamente dann in die Atemwege. Bei den Pulverinhalatoren „saugen“ die Patienten die Wirkstoffe ohne Unterstützung eines Treibmittels mit einem raschen Atemzug direkt in die Lungen. Die Wirkung für die Patienten ist die gleiche, die Auswirkungen auf die Umwelt sind jedoch anders.

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Die heute in den Dosieraerosolen enthaltenen Tetrafluorethane HFA134a und HFA227ea greifen zwar nicht die Ozonschicht an wie ihre Vorläufer, die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW). Sie sind aber starke Treibhausgase. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass die in England verschriebenen Dosieraerosole mit 3,9 % am CO2-Fußabdruck des National Health Service (NHS) beteiligt sind.

Ein Grund ist die hohe Beliebtheit der Dosieraerosole in England. 70 % der Patienten nutzen sie gegenüber nur 10 % in Schweden. Der Pulmologe Alexander Wilkinson aus Stevenage (nördlich von London) hat zusammen mit Umweltforschern der Universitäten Oxford und Cambridge ausgerechnet, welche Folgen eine Veränderung der Nutzungsgewohnheiten für die Umwelt hätte. Außerdem wurden die finanziellen Auswirkungen für den NHS kalkuliert.

Schädliches HFA227ea sorgt für deutlich größeren CO2-Fußabdruck

Zunächst unterscheiden sich die Dosieraerosole in ihrem CO2-Fußabdruck. Das Bedarfsmedikament (Reliever) Ventolin erzeugt pro Inhalator ein Äquivalent von 25 kg CO2. Bei Salmalol, das das weniger schädliche HFA134a enthält, waren es weniger als 10 kg CO2. Unter den Dauermedikamenten (Controller) erzeugt Flutiform mit 36 kg CO2 pro Kartusche einen deutlich größeren Fußabdruck als Fostair mit unter 20 kg CO2. Der Grund ist die Verwendung des schädlicheren HFA227ea.

Für alle 2017 in England verordneten Dosieraerosole errechnet Wilkinson einen CO2-Fußabdruck von 635 Kilotonnen CO2. Jede Reduktion um 10 % könnte 58 Kilotonnen CO2 einsparen, schreibt der Mediziner. Das entspräche in etwa 180.000 Hin- und Rückfahrten mit dem Auto von London nach Edinburgh. Wenn der Anteil der Dosieraerosole in England auf 10 % wie in Schweden gesenkt würde, könnten sogar 519 Kilotonnen CO2 eingespart werden.

Pulverinhalator statt Dosieraerosol

Der Wechsel könnte für das NHS nicht nur kostenneutral bewerkstelligt werden. Wenn für jedes Dosieraerosol der jeweils günstigste Pulverinhalator verwendet würde, wären sogar Einsparungen von 8,2 Mio. britischer Pfund möglich. Die meisten potenziellen Einsparungen würden dabei durch billigere Pulverinhalatoren mit den Controllern erzielt. © rme/aerzteblatt.de

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