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Medizin

US-Pädiater empfehlen Adipositas-Chirurgie für Kinder und Jugendliche

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Übergewichtiges Kind beim Essen. /dpa
/dpa

Chicago – Angesichts einer dramatischen Zunahme der schweren Adipositas bei Kindern und Jugendlichen und fehlender Alternativen spricht sich die American Academy of Pediatrics (AAP) in einem „Policy Statement“ in Pediatrics (2019; 144: e20193223) grundsätzlich für bariatrische Operationen aus, die sich einem „Technical Report“ (2019; 144: e20193224) zufolge als sicher und effektiv erwiesen hätten.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit einer schweren Adipositas hat sich in den USA im letzten Jahrzehnt verdoppelt. Nach aktuellen Zahlen der National Health and Nutrition Examination Survey haben 9,7 % der 12- bis 15-Jährigen und 14 % der 16- bis 19-Jährigen einen Body-Mass-Index (BMI) von über 35 oder sie liegen mit dem Gewicht mindestens 120 % über der 95. Perzentile ihrer Altersgruppe.

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Die AAP spricht von einer „Epidemie innerhalb einer Epidemie“ der Fettleibigkeit in den USA, von der etwa 4,5 Millionen Kinder und Jugendliche betroffen sind. Die schwere Adipositas hat die gleichen Folgen wie im Erwachsenenalter, nämlich Hypertonie, Dyslipidämie, obstruktive Schlafapnoe, polyzystisches Ovarialsyndrom, Typ-2-Diabetes, Fettlebererkrankungen, Knochen- und Gelenkfunktionsstörungen, Depressionen, soziale Isolation und eine verschlechterte Lebensqualität.

Alle Erfahrungen zeigen, dass es Betroffenen mit Diäten und Verhaltenstherapien nicht gelingt, das Gewicht zu normalisieren. Mehr noch: Kinder mit den höchsten BMI-Werten (zum Beispiel 50 oder höher) erreichen auch mit chirurgischen Eingriffen seltener den Zustand der Nicht-Fettleibigkeit (zum Beispiel BMI 30).

Roux-en-Y-Magenbypass auch bei Kindern der Goldstandard

Aus diesem Grund sollten Ärzte nach Ansicht der AAP nicht zu lange mit der Operation warten. Die AAP schlägt die gleichen Operationen wie für Erwachsene vor. Goldstandard sei nach wie vor ein Roux-en-Y-Magenbypass, der die Resorptionsstrecke im Darm verkürzt. Eine häufige Alternative ist die vertikale Sleeve-Gastrektomie, die den Magen um 80 % auf einen länglichen Schlauch verkleinert und damit die Aufnahme einer größeren Nahrungsmenge verhindert.

In den Hintergrund geraten ist das laparoskopisch verstellbare Magenband, das als einziger reversibler Eingriff für Kinder und Jugendliche eigentlich am besten geeignet wäre. Laut AAP fehlen aber Langzeitergebnisse. Außerdem gebe es Berichte über eine erneute Gewichtszunahme und hohe Explantationsraten bei Erwachsenen, die die Begeisterung für dieses Verfahren gedämpft hätten.

Eine rechtzeitige Operation erzielt laut AAP bei Kindern und Jugendlichen eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von etwa 27 % nach 3 Jahren, in denen sich die meisten von Komorbiditäten wie Typ-2-Diabetes mellitus (95 %), Hypertonie (74 %) und Dyslipidämie (66 %) erholen würden. Chirurgische Komplikationen seien selten, schreibt die AAP, wobei die Mehrzahl in den Studien als geringfügig (15 %) eingestuft würden und in der frühen postoperativen Phase auftreten würden, etwa eine postoperative Übelkeit und Dehydration.

Mögliche Komplikationen und häufiger Mikronährstoffmängel

In der prospektiven Teen-LABS-Studie, auf die sich die AAP in ihrer Empfehlungen in erster Linie bezieht, kam es bei 8 % der Patienten in den ersten 30 Tagen nach der Operation zu Komplikationen. Darüber hinaus wurde bei 2,7 % der Patienten vor der Entlassung aus dem Krankenhaus eine Revision notwendig.

Mikronährstoffmängel traten sowohl nach Roux-en-Y-Magenbypass (Eisen 66 %, Vitamin B12 8 % und Folsäure 6 %) als auch nach Sleeve-Gastrektomie (Eisen 32 % und Folsäure 10 %) häufig auf. Die jugendlichen Patienten werden deshalb lebenslang auf eine medizinische Betreuung angewiesen sein. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #769631
Naturfreund
am Mittwoch, 20. November 2019, 08:55

Paradox

hört mal rein, dann wißt Ihr, wie die Mächtigen ticken:

https://www.youtube.com/watch?v=L-g1vIK3KaM
Avatar #771698
maree
am Dienstag, 19. November 2019, 23:24

Körperverletzung

Dieser Artikel erschreckt mich als Ernährungsberaterin und Fitnesstrainerin. Was ist das für eine Medizin? Wir schneiden gesunde Organe aus gesunden Körpern heraus?! Das ist Körperverletzung. Körperverletzung ist aber auch der Lebensstil, den Eltern aber auch der Rest der Gesellschaft Kindern vorlebt und vermittelt. Die fehlenden Möglichkeiten sich in der Schule zu bewegen, Kochen zu lernen und gesund zu essen. Niemand fühlt sich für die Kinder wirklich verantwortlich. Das Schul-und Arbeitssystem muss modifiziert werden und menschengerechter gemacht werden. Aber nein, wir schnu
Ibbeln einfach mal den Kindern den Magen weg! Gehts noch? Der Magen ist nicht die Ursache des Problems. Es ist das Gehirn, das unser Essverhalten steuert (Quelle: "Das egoistische Gehirn"Achim Peters). Die Selbstverantwortung der Patienten zu stärken, ihnen professionelle Unterstützung anzubieten, den Auslöser der Problematik zu behandeln und Möglichkeiten aufzuzeigen. Das ist auch die Aufgabe der Mediziner. Sicher gibt es Patienten bei denen es Sinn macht zu operieren, doch Kinder gehören meiner Meinung nach nicht dazu.
LNS

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