NewsVermischtes„Operation Aderlass“: Anklagen in der Blutbeutelaffäre bis Jahresende
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

„Operation Aderlass“: Anklagen in der Blutbeutelaffäre bis Jahresende

Donnerstag, 31. Oktober 2019

/dpa

Bonn – Die Doping-Ermittlungen der „Operation Aderlass“ stehen vor dem Abschluss. „Wir sind auf der Zielgeraden“, sagte heute Kai Gräber, Leiter der Münchner Schwerpunktstaatsanwaltschaft Doping, bei einem Medienworkshop in Bonn. Er gehe davon aus, dass gegen den mutmaßlichen Drahtzieher Mark S. aus Erfurt und „andere Beteiligte“ des grenzübergreifenden Blutdoping-Netzwerks bis Ende des Jahres Anklage erhoben werden könne.

Die Münchner Behörde hatte in Kooperation mit ihren Kollegen in Österreich das große Geschäft mit Eigenblutdoping durch Ermittlungen und eine Razzia bei der Nordischen Ski-WM im Februar in Seefeld auffliegen lassen. In dessen Zuge führte die Spur auch nach Erfurt.

Anzeige

In Österreich ist bereits der ehemalige Skilangläufer Max Hauke wegen schweren Sportbetrugs zu einer fünfmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der 27-Jährige war während der „Operation Aderlass“ auf frischer Tat bei der Rückführung von Blut ertappt worden. Dass im Nachbarland schon erste Strafen verhängt wurden, ist für Gräber folgerichtig: „Es ist einfacher, einzelne Athleten zu bestrafen, als die Hintermänner zur Anzeige zu bringen.“

Dass es in Deutschland weitere Doping-Strukturen geben könnte, will Oberstaatsanwalt Gräber nicht ausschließen. „Es ist zwar Spekulation, aber dass es in Deutschland keine weiteren Netzwerke gibt, wäre blauäugig.“ Bedauerlich findet er, dass der Anteil der Fälle bei der Schwerpunktstaatsanwaltschaft München aus dem Leistungssport nur rund fünf Prozent ausmacht. Die überwiegende Mehrheit betreffe den Bodybuilder- und Breitensportbereich. „Es gibt keine Hinweise aus der Szene, es gibt eine Mauer des Schweigens“, sagte Gräber.

Die Nationale Anti-Doping-Agentur hatte bereits 2016 das anonyme Hinweisgebersystem „Sprich's an“ eingerichtet – mit bislang ausbaufähiger Resonanz. Seit Bestehen sind 10.000 Hinweise registriert worden. „Darunter waren 170 konkrete Hinweise, die zu über 2.000 Doping-Zielkontrollen bei Athleten geführt haben“, berichtete NADA-Vorstand Lars Mortsiefer. „Im Schnitt sind dadurch elf Prozent positive Fälle aufgedeckt worden. Das ist ungefähr zehn Mal mehr als bei normalen Tests.“ 2017 brachten weltweit bei den Dopingtests in den olympischen Sportarten nur 0,77 Prozent aller Tests positive Ergebnisse.

Die NADA bringt zudem pro Jahr rund 20 Doping-Verstöße bei den Schwerpunktstaatsanwaltschaften zur Anzeige. „Die Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden und das Anti-Doping-Gesetz sind ein Erfolg“, sagte die NADA-Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann. Besonders die „Operation Aderlass“ sei in diesem Zusammenhang „fast mustergültig“ gewesen. © dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

8. November 2019
Berlin – Bis Ende Oktober sind 930 Anträge auf Entschädigung nach dem zweiten Doping-Opfer-Hilfegesetz (DOHG) in Höhe von 10.500 Euro bewilligt worden. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeine
930 Anträge für Doping-Opfer des DDR-Sports bewilligt
5. August 2019
Innsbruck – Im Zuge der internationalen Dopingermittlungen rings um die „Operation Aderlass“ hat es eine Hausdurchsuchung bei einem weiteren deutschen Arzt gegeben. Wie die Staatsanwaltschaft
Dopingermittlungen gegen zweiten deutschen Arzt
10. Juli 2019
Düsseldorf – Nach der großangelegten Doping-Razzia auf drei Kontinenten hat sich der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Klaus Reinhardt, für ein Zertifikat für Fitness-Studios ausgesprochen.
BÄK-Präsident regt Zertifikat für Fitness-Studios im Kampf gegen Doping an
9. Juli 2019
Den Haag – Bei der größten internationalen Anti-Doping-Razzia haben Polizeifahnder auch in Deutschland zugeschlagen. 463 Verfahren sind eingeleitet worden, Festnahmen hat es nach Angaben des
Mehr als 230 Festnahmen bei Anti-Doping-Razzia
25. Juni 2019
München – Erstmals ist eine Leistungssteigerung durch eine in Spinat enthaltene Substanz in Verbindung mit Training nachgewiesen worden. Unterstützt von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) ist dafür
Doping mit Spinat – Ecdysteron fördert Kraftzuwachs in Studie
26. April 2019
Monte Carlo – Die unabhängige Integritätseinheit des Leichtathletik-Weltverbandes wird im Kampf gegen Doping ihre Steroidprofil-Strategie ausweiten. Dies teilte die AIU gestern mit. Ermutigt wird die
Anti-Doping-Einheit der IAAF setzt auf neue Testosteron-Messungen
17. April 2019
Hamburg – Eine Mehrheit von 58 Prozent der Deutschen befürwortet einer Umfrage zufolge Dopingkontrollen bei Freizeitsportlern in Fitnessstudios. Männer sind zu 60 Prozent, Frauen zu 56 Prozent dafür,
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER