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Berlin bietet Obdachlosen mehr als 1.000 Schlafplätze ab dem November

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Christian von Wissmann, ehrenamtlicher Regionalarzt der Johanniter Berlin, sitzt ein Tag vor dem Start der Kältehilfe in der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin-Kreuzberg im Arztzimmer. Ab dem 1. November finden in der früheren Schule dann jede Nacht insgesamt 100 obdachlose Menschen Schutz vor Kälte und Gewalt. /picture alliance
Christian von Wissmann, ehrenamtlicher Regionalarzt der Johanniter Berlin, sitzt ein Tag vor dem Start der Kältehilfe in der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin-Kreuzberg im Arztzimmer. Ab dem 1. November finden in der früheren Schule dann jede Nacht insgesamt 100 obdachlose Menschen Schutz vor Kälte und Gewalt. /picture alliance

Berlin – Rund vier Wochen nach dem Start der diesjährigen Kältehilfesaison für Obdachlose wächst das Angebot mit dem Start in den November deutlich an. Die Zahl der verfügbaren Übernachtungsplätze im Warmen bekomme ab Freitag einen Schub auf 1.018, sagte heute Regina Kneiding, Sprecherin der Senatsverwaltung für Soziales. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt der letzten Oktoberwoche (430). Bis zum Jahresende ist ein weiterer Aufwuchs auf 1.200 Schlafplätze geplant.

Nach Schätzungen leben in Berlin mehrere Tausend Menschen auf der Straße. Die Zahl der Menschen ohne eigene Wohnung, die bei Verwandten, Freunden, in Übergangsunterkünften oder Wohnheimen leben, wird auf etwa 50.000 geschätzt. Wohlfahrtsverbände und Hilfsorganisationen stellen mit der Kältehilfe jeden Winter Angebote auf die Beine, damit möglichst niemand auf den Straßen erfriert. Dazu gehören Notübernachtungen, Nachtcafés und mehrere Kleinbusse, die etwa mit Decken und Tee ausrücken und Menschen auf Wunsch auch in Unterkünfte bringen.

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Zu den Angeboten für Notübernachtungen, die am Freitag in die Saison starten, zählt unter anderem die zentral gelegene und mit 100 Plätzen versehene Einrichtung in der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg, wie die Johanniter ankündigten. Für den Betrieb würden noch ehrenamtliche Helfer gesucht, sagte Regionalvorstand Björn Teuteberg.

Obdachlose Menschen bekommen dort ein warmes Abendessen, es gibt Duschen und Betten in Mehrbettzimmern. Manche andere Unterkünfte sind mit lediglich Isomatten und Decken spartanischer. Geöffnet ist ab Freitag täglich ab 19 Uhr. Rund ein Drittel der Plätze ist Frauen vorbehalten. Die Erfahrung aus dem Vorjahr bestätige aber, dass obdachlose Frauen große gemischte Unterkünfte oft scheuen, hieß es.

Die Johanniter boten die Unterkunft Obdachlosen erstmals im vergangenen Winter an und zählten etwa 9.000 Übernachtungen. Viele der Gäste kämen regelmäßig. Ein Teil gehe tagsüber einer Arbeit nach, etwa als Hilfsarbeiter auf dem Bau oder in Putzkolonnen.

Sicherheitspersonal kontrolliert Drogen- und Waffenbesitz

Abends beim Einlass ist Sicherheitspersonal dabei, die Menschen werden auf Waffen wie Messer kontrolliert. Die ehemalige Schule nahe dem Görlitzer Park war früher öfter in den Schlagzeilen, weil sie 2012 von Flüchtlingen und Obdachlosen besetzt worden war. Nach der Räumung im Januar 2018 wurde das Gebäude als Flüchtlingsunterkunft betrieben. Die erste Saison als Notübernachtung sei ruhig verlaufen, sagte die ehrenamtliche Projektleiterin Marie Schneider.

Generell gebe es aber eine hohe Suchtproblematik bei den Gästen. Symbole an den Zimmertüren machen klar: hier keine Spritzen, kein Alkohol, kein Cannabis. Wer beim Einchecken etwas bei sich hat, muss es in Kisten im Erdgeschoss zurücklassen. Generell dürfe auf dem Gelände nicht konsumiert werden, betont Schneider.

Eine Herausforderung ist auch die medizinische Versorgung: Eigene Versichertenkarten hätten die Menschen nur in seltenen Fällen, hieß es. Manchmal würden sie mit frischen Wunden aus dem Krankenhaus entlassen. Für Dinge wie Verbandswechsel oder auch Grippe-Impfungen ist bei den Johannitern mehrmals pro Woche abends ein Arzt im Haus.

„Wir versuchen, die Menschen mit einfachen Maßnahmen so gut wie möglich zu versorgen“, sagte Regionalarzt Christian von Wissmann. Er ist seit 2015 in Rente – für die Einrichtung ist er aber rund um die Uhr in Rufbereitschaft und schaut sich den Zustand von Wunden notfalls per Handy-Nachricht an, wie er sagt.

Keine Übernachtungsmöglichkeit in U-Bahnhöfen

U-Bahnhöfe werden diesen Winter in Berlin – anders als bisher – nicht eigens als Übernachtungsplätze für Obdachlose offen gehalten. Stattdessen soll es für die Menschen, die die Angebote der Kältehilfe nicht nutzen wollen oder können, eine niedrigschwellige Anlaufstelle in Kreuzberg geben. Geplant ist eine Wärmehalle, wie die Berliner Zeitung berichtete. Öffnen soll sie demnach am 15. November, in der Gitschiner Straße.

Neben dem Alkoholverbot können auch psychische Erkrankungen ein Grund sein, warum Menschen die Kältehilfe nicht nutzen. „Unsere Kältebahnhöfe waren immer nur ein Notnagel, denn ein Bahnhof ist kein Ort für ein menschenwürdiges Übernachten“, so die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Sigrid Nikutta. © dpa/aerzteblatt.de

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