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Ärzteschaft

Bald keine Ärzte und Krankenhausbetten mehr für Diabetespatienten

Dienstag, 5. November 2019

picture alliance / BSIP

Berlin – Deutschland droht eine dramatische Verschlechterung der Versorgung von Men­schen mit Diabetes mellitus im Krankenhaus. Davor warnte die Deutsche Diabetes Gesell­schaft heute im Vorfeld ihrer diesjährigen Herbsttagung.

Hauptgrund für den drohenden Mangel an Fachmedizinern und Krankenhausbetten für Diabetespatienten sei das vor 20 Jahren eingeführte Fallpauschalensystem (DRG), wel­ches die Diabetologie als Fach der „sprechenden Medizin“ ungenügend abbilde, wie Mo­nika Kellerer, Präsidentin der DDG, kritisierte.

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Die Zahl der Krankenhausbetten im Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie habe sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten fast halbiert. Darüber hinaus hätten nur noch acht der 36 staatlichen medizinischen Fakultäten eigenständige klinische Lehrstühle für Diabetologie, berichtete die Chefärztin des Zentrums für Innere Medizin 1 am Marienhos­pital Stuttgart.

Angesichts einer Zahl von derzeit sieben Millionen an Diabetes mellitus erkrankten Men­schen in Deutschland, die laut Expertenschätzungen in den kommenden zwei Jahrzehn­ten auf zwölf Millionen ansteigen könnte, „wird mir bange, wenn sich gesundheitspo­li­tisch nichts ändern sollte“, so Kellerer.

Bedingt und beschleunigt wird der Abwärtstrend in der stationären diabetologischen Ver­sorgung der DDG zufolge durch das DRG-Abrechnungssystem. „Vom DRG-System profitie­ren vor allem die prozedurenreichen Fächer, zu denen die Diabetologie nicht gehört“, sag­te Kellerer. Hier müsse eine Nachjustierung stattfinden, damit die Diabetologie wieder kostendeckend arbeiten können.

Heutzutage seien Krankenhausmanager – dem hohen ökonomischen Druck geschuldet – eher geneigt, die Diabetologie zugunsten anderer, einträglicherer Abteilungen zurückzu­stufen. So habe ich seit Einführung des DRG-Systems vor 20 Jahren die Zahl an Kranken­haus­betten in den Schwerpunkten Gastroenterologie, Kardiologie und Hämatologie/On­ko­logie teils um das Zwei- bis Dreifache erhöht.

„Die vielen multimorbid erkrankten älteren Menschen mit Diabetes, für die weniger Akti­o­nismus und mehr Zeit für den Genesungsprozess gefragt ist, bleiben dabei nicht selten auf der Strecke“, warnte Kellerer.

Universitätskliniken gehen die Diabetologen aus

Die geringe klinische Präsenz der Diabetologie droht allerdings auch, erhebliche negative Auswirkungen auf die medizinische Ausbildung zu haben. „Die Universitäten sind die Ga­ranten für den klinischen und wissenschaftlichen Nachwuchs von morgen. Doch Diabeto­logen sind an den Universitätskliniken kaum noch zu finden“, so die DDG-Präsidentin.

Derzeit seien die Weichen vollkommen falsch gestellt, ergänzte Kellerer und appellierte an die Politik, dafür zu sorgen, dass die „sprechende Medizin“ im DRG-System ange­messen abgebildet werde.

Darüber hinaus müsste an jeder medizinischen Fakultät ein klinischer Lehrstuhl für Endo­krinologie und Diabetologie vorhanden sein. Akutkrankenhäuser sollten eigene Fachab­tei­lun­gen zur Patientenbehandlung unterhalten oder zumindest entsprechende Fach­ressourcen vorhalten. © nec/aerzteblatt.de

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