NewsÄrzteschaftBald keine Ärzte und Krankenhausbetten mehr für Diabetespatienten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Bald keine Ärzte und Krankenhausbetten mehr für Diabetespatienten

Dienstag, 5. November 2019

picture alliance / BSIP

Berlin – Deutschland droht eine dramatische Verschlechterung der Versorgung von Men­schen mit Diabetes mellitus im Krankenhaus. Davor warnte die Deutsche Diabetes Gesell­schaft heute im Vorfeld ihrer diesjährigen Herbsttagung.

Hauptgrund für den drohenden Mangel an Fachmedizinern und Krankenhausbetten für Diabetespatienten sei das vor 20 Jahren eingeführte Fallpauschalensystem (DRG), wel­ches die Diabetologie als Fach der „sprechenden Medizin“ ungenügend abbilde, wie Mo­nika Kellerer, Präsidentin der DDG, kritisierte.

Anzeige

Die Zahl der Krankenhausbetten im Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie habe sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten fast halbiert. Darüber hinaus hätten nur noch acht der 36 staatlichen medizinischen Fakultäten eigenständige klinische Lehrstühle für Diabetologie, berichtete die Chefärztin des Zentrums für Innere Medizin 1 am Marienhos­pital Stuttgart.

Angesichts einer Zahl von derzeit sieben Millionen an Diabetes mellitus erkrankten Men­schen in Deutschland, die laut Expertenschätzungen in den kommenden zwei Jahrzehn­ten auf zwölf Millionen ansteigen könnte, „wird mir bange, wenn sich gesundheitspo­li­tisch nichts ändern sollte“, so Kellerer.

Bedingt und beschleunigt wird der Abwärtstrend in der stationären diabetologischen Ver­sorgung der DDG zufolge durch das DRG-Abrechnungssystem. „Vom DRG-System profitie­ren vor allem die prozedurenreichen Fächer, zu denen die Diabetologie nicht gehört“, sag­te Kellerer. Hier müsse eine Nachjustierung stattfinden, damit die Diabetologie wieder kostendeckend arbeiten können.

Heutzutage seien Krankenhausmanager – dem hohen ökonomischen Druck geschuldet – eher geneigt, die Diabetologie zugunsten anderer, einträglicherer Abteilungen zurückzu­stufen. So habe ich seit Einführung des DRG-Systems vor 20 Jahren die Zahl an Kranken­haus­betten in den Schwerpunkten Gastroenterologie, Kardiologie und Hämatologie/On­ko­logie teils um das Zwei- bis Dreifache erhöht.

„Die vielen multimorbid erkrankten älteren Menschen mit Diabetes, für die weniger Akti­o­nismus und mehr Zeit für den Genesungsprozess gefragt ist, bleiben dabei nicht selten auf der Strecke“, warnte Kellerer.

Universitätskliniken gehen die Diabetologen aus

Die geringe klinische Präsenz der Diabetologie droht allerdings auch, erhebliche negative Auswirkungen auf die medizinische Ausbildung zu haben. „Die Universitäten sind die Ga­ranten für den klinischen und wissenschaftlichen Nachwuchs von morgen. Doch Diabeto­logen sind an den Universitätskliniken kaum noch zu finden“, so die DDG-Präsidentin.

Derzeit seien die Weichen vollkommen falsch gestellt, ergänzte Kellerer und appellierte an die Politik, dafür zu sorgen, dass die „sprechende Medizin“ im DRG-System ange­messen abgebildet werde.

Darüber hinaus müsste an jeder medizinischen Fakultät ein klinischer Lehrstuhl für Endo­krinologie und Diabetologie vorhanden sein. Akutkrankenhäuser sollten eigene Fachab­tei­lun­gen zur Patientenbehandlung unterhalten oder zumindest entsprechende Fach­ressourcen vorhalten. © nec/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. Januar 2020
Köln – Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat sich für Grenzwerte beim Zuckeranteil in Kinderlebensmitteln ausgesprochen. Diese müssen dem Verband zufolge fester Bestandteil einer
Kinderärzte pochen auf Begrenzung des Zuckeranteils in Lebensmitteln
16. Januar 2020
Schwerin – Mecklenburg-Vorpommern will auch Abiturienten mit schlechteren Noten ein Medizinstudium ermöglichen – sofern sie danach zehn Jahre als Hausärzte auf dem Land arbeiten. Der
Landarztquote in Mecklenburg-Vorpommern nimmt nächste Hürde
15. Januar 2020
Hannover – Im Streit um die Einführung einer Landarztquote in Niedersachsen ist Wissenschaftsminister Björn Thümler von seinem klaren Nein abgerückt. „Wir müssen ein Paket daraus machen, und dann will
Wissenschaftsminister schließt Landarztquote in Niedersachsen nicht mehr aus
15. Januar 2020
Toronto – Die Verordnung von SGLT2-Hemmern, die in mehreren Therapiestudien neben der Glukose- auch die Harnsäurekonzentration im Blut gesenkt haben, könnte nach der Analyse von Versichertendaten in
SGLT2-Hemmer könnten Diabetiker vor Gicht schützen
14. Januar 2020
Saarbrücken – Mit einer Landarztquote will die saarländische Landesregierung dem drohenden Ärztemangel in ländlichen Regionen begegnen. Ein entsprechender Gesetzentwurf solle am 12. Februar erstmals
Ministerrat stellt Weichen für Landarztquote im Saarland
14. Januar 2020
Rehovot – Mithilfe von Daten aus elektronischen Gesundheitsakten hat ein Forscherteam aus Israel ein Screening zur Früherkennung von Schwangerschaftsdiabetes (GDM) entwickelt. Diese könnte dazu
Schwangerschaftsdiabetes mit Patientendaten vorhersagen
13. Januar 2020
Hannover – Im Streit um die Einführung einer Landarztquote in Niedersachsen arbeiten das Wissenschafts- und das Ge­sund­heits­mi­nis­terium an einem Weg für eine verbesserte Hausarztversorgung in
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER