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Medizin

US-Internisten plädieren für individuelles Darmkrebsscreening

Mittwoch, 6. November 2019

/dpa

Philadelphia – Obwohl die Koloskopie die vermutlich effektivste Darmkrebsfrüher­kennung ist, empfiehlt das American College of Physicians regelmäßige Stuhltests oder die Kombination aus Sigmoidoskopie und Stuhltests in den Annals of Internal Medicine (2019; doi: 10.7326/M19-0642) als gleichwertige Alternative. Als Begründung wird die weit verbreitete Scheu der Patienten vor einer Darmspiegelung genannt.

An Leitlinien zur Darm­krebs­früh­erken­nung besteht in Nordamerika kein Mangel. In den letzten 4 Jahren haben das American College of Radiology, die Canadian Task Force on Preventive Health Care und die U.S. Preventive Services Task Force Empfehlungen abge­geben – ebenso die American Cancer Society und eine U.S. Multi-Society Task Force on Colorectal Cancer.

Das American College of Physicians, der größte Internistenverband des Landes, hat des­halb auf eine eigene wissenschaftliche Auswertung der Daten verzichtet und sich ge­wisser­maßen auf eine Meta-Analyse der bereits bestehenden Leitlinien beschränkt.

Es gibt deshalb kaum Unterschiede. Zum Screening wird allen Erwachsenen im Alter von 50 bis 75 Jahren geraten, bei denen das Darmkrebsrisiko nicht durch eine familiäre Häu­fung oder aus anderen Gründen erhöht ist (in diesen Fällen ist ein intensiveres Screening erforderlich).

Die US-Internisten geben keineswegs der Koloskopie (in einem Zehnjahresintervall) den Vorzug, obwohl diese in den Studien die höchste Nachweisrate von verdächtigen Adeno­men hat. Aus medizinischer Sicht ist es die effektivste Darm­krebs­früh­erken­nung.

Die klinische Erfahrung und Umfragen zeigen jedoch, dass die meisten Patienten Tests bevorzugen, die nicht invasiv sind, keine Darmvorbereitung erfordern und keine Schmer­zen verursachen. Die ersten beiden Bedingungen sind bei der Koloskopie nicht erfüllt, die dritte eigentlich schon. Eine Darmspiegelung ist an sich schmerzfrei. Für die meisten ist sie jedoch so unangenehm, dass sie eine Sedation bevorzugen.

Als Alternative schlagen die US-Internisten eine flexible Sigmoidoskopie vor. Da die „klei­ne“ Darmspiegelung nur einen kurzen Abschnitt des Dickdarms überblickt, wird zusätz­lich zu einem immunchemischen Nachweis von Hämoglobin im Stuhl (FIT) geraten. Die­ser Test sollte alle 2 Jahre wiederholt werden.

Patienten, die auch hierzu nicht bereit sind, können sich auch alle 2 Jahre auf einen Stuhl­test beschränken, entweder mit dem FIT oder auch mit einem hochsensitiven Gua­jak-Test. Auffällig ist, dass zum Stuhltest auch bei alleiniger Durchführung nur in einem 2-Jahresabstand geraten wird.

Das American College of Physicians begründet dies damit, dass ein klarer Zusatznutzen der jährlichen Untersuchung in randomisierten Studien nicht gezeigt werden konnte. Vielleicht ist es aber auch ein Zugeständnis an die Patienten. Die Schwelle für eine Teil­nahme an der Darmkrebsvorsorge soll so gering wie möglich sein.

Nicht empfohlen werden die neuen genetischen Stuhltests, die die DNA im Stuhl auf Mu­tationen untersuchen, zu denen es typischerweise in Darmkrebszellen kommt. Dass sie einen klinischen Zusatznutzen bringen, konnte nach Ansicht der Leitlinien-Autoren nicht in randomisierten Studien gezeigt werden. Der gleiche Einwand wird auch gegen die CT-Koloskopie erhoben. © rme/aerzteblatt.de

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