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Ausland

Forscher erklären „Klima-Notfall“

Dienstag, 5. November 2019

/Roman Milert, stock.adobe.com

Berlin/Washington – Mehr als 11.000 Wissenschaftler haben vor einem weltweiten „Kli­ma-Notfall“ gewarnt. Knapp vier Wochen vor dem UN-Klimagipfel erklärten die Forscher aus 153 Ländern im Fachjournal BioScience, ohne grundlegendes Umsteuern sei „unsäg­li­ches menschliches Leid“ nicht mehr zu verhindern. „Aus den vorliegenden Daten wird klar, dass ein Klima-Notfall auf uns zukommt.“

Gestern Abend war bekannt geworden, dass die USA – wie von Trump angekündigt – bei den Vereinten Nationen offiziell ihre Kündigung für das Pariser Abkommen eingereicht haben. Von Brüssel über Berlin bis Moskau gab es Kritik an dem Schritt. „Der Rest der Welt steht zusammen beim Klimaschutz“, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Allerdings zeigt eine neue Untersuchung auf, dass auch der Rest der Welt größten­teils beim Einsparen von Treibhausgasen nicht das liefert, was Klimawissenschaftler für notwendig halten.

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Fast drei Viertel der 184 Zusagen zum Einsparen von Treibhausgasen, die Länder im Rah­men des Pariser Abkommens eingereicht haben, sind demnach nicht ehrgeizig genug. Ge­messen am Ziel, den Ausstoß bis 2030 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren, seien nur die 28 EU-Staaten gemeinsam und sieben weitere Länder auf Kurs, heißt es in der heute vorgestellten Auswertung von fünf Autoren, von denen vier auch schon für den Weltklimarat IPCC gearbeitet haben.

Im Pariser Abkommen haben sich fast alle Staaten der Welt das Ziel gesetzt, die Erder­hit­zung auf deutlich unter zwei Grad und möglichst 1,5 Grad zu begrenzen, um katastro­pha­le Folgen wie Hitzewellen und Dürren, extreme Regenfälle und den Anstieg der Meeres­spie­gel zu begrenzen. Ginge es weiter wie bisher, läge der Anstieg Ende dieses Jahrhun­derts wohl bei gut drei Grad.

Der vergangene Monat war nach Angaben des EU-Klimawandeldienstes Copernicus der global wärmste Oktober seit Beginn der Aufzeichnungen dort 1981. Der Oktober sei da­mit der fünfte Monat in Folge, der bisherige Rekordtemperaturen übertraf oder nahe an diese herankam, hieß es heute.

Es ist schon lang klar, dass die Klimaschutzpläne in der Summe nicht ausreichen. Alle fünf Jahre sollen sie dem Pariser Abkommen zufolge deshalb nachgeschärft werden. 2020 ist es soweit, dann sollen neue Pläne auf dem Tisch liegen.

Besonders im Fokus der Autoren des neuen Berichts zu den nationalen Zusagen stehen vier Nationen, die zusammen mehr als die Hälfte der weltweiten Treibhausgase aussto­ßen: China, Indien, die USA und Russland. China und Indien haben bisher nur zugesagt, die Emissionen langsamer wachsen zu lassen als ihre Wirtschaft. Russland hat noch kei­nen Plan eingereicht – und die USA verabschieden sich aus dem Abkommen. Allerdings tritt die Kündigung erst nach einem Jahr in Kraft.

US-Präsident Donald Trump hatte diesen Schritt bereits im Juni 2017 angekündigt. Das Pariser Klimaabkommen trat vor genau drei Jahren in Kraft – so lange musste der Pakt wirksam sein, bevor ein Staat austreten durfte. Sein Land werde auch weiter mit Partnern zusammenarbeiten, „um die Widerstandskraft gegenüber den Auswirkungen des Klima­wan­dels zu stärken“, erklärte Außenminister Mike Pompeo.

Trump hatte das Abkommen als zu kostspielig und den Vereinigten Staaten gegenüber unfair kritisiert. In den USA beginnt gerade der Präsidentschaftswahlkampf. Führende Demokraten kritisierten den Schritt scharf. Trump begehe damit Verrat an der Zukunft aller Kinder, erklärte die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi.

Deutschlands Umweltministerin Schulze betonte, auch in den USA gebe es unterhalb der nationalstaatlichen Ebene eine „ungebrochene Dynamik für den Klimaschutz“. Im Bündnis „We are still in“ – also „Wir sind noch drin“ – haben sich zehn Bundesstaaten, 287 Städte und Regionen sowie Unternehmen und andere zusammengeschlossen. Man werde auch bei der UN-Klimakonferenz vom 2. bis 15. Dezember in Madrid vor Ort sein und Gesprä­che mit Regierungen führen, teilte das Bündnis mit. © dpa/aerzteblatt.de

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