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Medizin

Statine erhöhen in Studie Risiko auf Haut- und Weichteilinfektionen

Mittwoch, 6. November 2019

Grüne und weiße Tabletten. /Grycaj, stock.adobe.com
/Grycaj, stock.adobe.com

Perth – Einige Monate nach dem Beginn einer Statinbehandlung kam es in einer Kohortenstudie zu einer vermehrten Verordnung von Antibiotika, die typischerweise zur Behandlung von Haut- und Weichteilinfektionen eingesetzt werden. Die „Sequence symmetry analysis“ im British Journal of Clinical Pharmacology (2019; doi: 10.1111/bcp.14077) deutet darauf hin, dass Statine das Infektionsrisiko erhöhen.

Die „Sequence symmetry analysis“ ist ein relativ neues Instrument zum Nachweis von Arzneimittelnebenwirkungen. Die Untersuchung geht von der Annahme aus, dass Nebenwirkungen von Medikamenten (etwa eine Diarrhö) häufig die Verordnung neuer Medikamente auslösen, die zur Behandlung der Nebenwirkungen (etwa Antidiarrhoika) benötigt werden. Diese Analyse eignet sich insbesondere für Nebenwirkungen, die nicht sofort nach Behandlungsbeginn auftreten und deshalb in den Zulassungsstudien nicht erkannt werden.

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Humphrey Ko von der Curtin University in Perth und Mitarbeiter haben mit einer „Sequence symmetry analysis“ den Einfluss von Statinen auf das Risiko von Hautinfektionen untersucht. Zum einen konnten die Forscher erwarten, dass das Risiko abnimmt, da Statinen eine antiinfektiöse Wirkung nachgesagt wird. Sie sollen beispielsweise vor Lungenentzündungen mit S. aureus schützen. Auf der anderen Seite könnte das Infektionsrisiko steigen, da Statine bekanntlich das Risiko auf einen Typ-2-Diabetes erhöhen. Ko hat deshalb nicht nur die Verordnung der Antibiotika Dicloxacillin und Flucloxacillin untersucht, die häufig gegen S. aureus eingesetzt werden, sondern auch die Verordnung von Antidiabetika.

Die Untersuchung führten die Forscher an mehr als 228.000 Veteranen durch, die in Australien über eine staatliche Kran­ken­ver­siche­rung versorgt werden. Wie erwartet, kam es einige Monate nach dem Beginn der Statinbehandlung zu einem Anstieg der Verordnungen von Diabetesmedikamenten. Das Risiko, genauer die adjustierte Sequence Ratio (ASS), war um 19 % erhöht. Noch deutlicher stieg die Zahl der Verordnungen von Dicloxacillin und Flucloxacillin. Die Forscher ermittelten eine ASS von 1,40 (95-%-Konfidenzintervall 1,29 bis 1,52), also einen Anstieg um 40 %.

Dies könnte natürlich eine erste Folge von vermehrten Diabeteserkrankungen sein. Ko kann jedoch nachweisen, dass die Antibiotikaverordnungen auch bei Veteranen anstiegen, die keine Diabetesmedikamente erhalten hatten. Dies spricht dafür, das Statine das Infektionsrisiko unabhängig von der Diabetesdiagnose erhöhen. Die ASS betrug nach 91 Tagen 1,39 (1,27 bis 1,53). Da die beiden Antibiotika häufig bei Haut- und Weichteilinfektionen eingesetzt werden, geht Ko davon aus, dass Statine vor allem das Risiko dieser Infektionen erhöhen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #748179
Glückspilz
am Donnerstag, 7. November 2019, 08:48

Nebenwirkungen von Statinen

Wenn die Einnahme der Statine durch die Nebenwirkungen die Lebensqualität so negativ beeinflusst, ist die Forschung doch aufgerufen sich über andere Möglichkeiten zur Verhinderung von Ablagerungen in den Arterien verstärkt zu bemühen. Meist sind Menschen in einem Alter betroffen, wo abnehmen sehr schwierig geworden ist oder gar nicht mehr möglich ist. Durch den unvermeidlichen Muskelabbau sinkt auch der Grundumsatz. Die Kettenreaktion ist dadurch nicht aufzuhalten.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 7. November 2019, 00:11

„Sequence symmetry analysis“ irreführend!

Die Basis-Hypothese der Autoren: "Zum einen konnten die Forscher erwarten, dass das Risiko abnimmt, da Statinen eine antiinfektiöse Wirkung nachgesagt wird. Sie sollen beispielsweise vor Lungenentzündungen mit S. aureus schützen", ist nachweislich Unfug. Vgl. dazu: "E87 Eine Neuverordnung von Statinen zur Prävention einer ambulant erworbenen Pneumonie wird nicht empfohlen. Starke Empfehlung, Evidenz B." Aus Ewig S et al.: Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie und Prävention – Update 2016… Pneumologie 2016; 70: 151–200.

Aber auch sonst steht die „Sequence symmetry analysis“, im British Journal of Clinical Pharmacology (2019; doi: 10.1111/bcp.14077) veröffentlicht, auf tönernen Füßen.

Denn wer präventiv besonders auf seine kardiovaskuläre Gesundheit achtet, beobachtet viel eher Hautentzündungen oder detektiert einen Typ-2-Diabetes.

Da eine prospektive, kontrollierte, randomisierte und verblindete Vergleichsgruppe fehlt, sind willkürliche Fehlinterpretationen bei der „Sequence symmetry analysis“ vorherbestimmt.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #786228
hanstreffer
am Mittwoch, 6. November 2019, 23:14

Neuere Forschung zeigt Finger weg von Statinen

Dies bedeutet, dass die bisherigen Forschungsergebnisse desolat schlecht sind, weil sie alles das nicht berücksichtigt haben, was jetzt sinnvollerweise und in einer großen Kohorte festgestellt wurde - bravo!
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Mittwoch, 6. November 2019, 20:04

Die Krankheitsbranche könnte

sich solche Nebenwirkungen-Zores zumindest bei den Statinen ersparen, wenn sie der Tatsache ins Auge zu sehen bereit sein würde, dass es sich bei dem Prozess, den es zu hemmen gilt, um einen Reparaturprozess handelt, der nicht stattfinden würde, wenn die Menschen auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin C achten würden.
LNS

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