NewsMedizinMeta-Analyse: Mind-Body-Verfahren lindern Schmerzen und vermeiden vielleicht sogar Opioide
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Meta-Analyse: Mind-Body-Verfahren lindern Schmerzen und vermeiden vielleicht sogar Opioide

Mittwoch, 6. November 2019

/Photographee.eu, stock.adobe.com

Salt Lake City – Meditation/Achtsamkeit, Hypnose, Entspannungsübungen, Suggestion, imaginative Psychotherapie und kognitive Verhaltenstherapie können eine Behandlung von akuten und chronischen Schmerzen unterstützen und ein wenig zur Vermeidung von Opioidverordnungen beitragen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Meta-Analyse in JAMA Internal Medicine (2019; doi: 10.1001/jamainternmed.2019.4917).

Die Opioidkrise hat Ärzten und Patienten in den USA vor Augen geführt, dass es für die Behandlung von starken Schmerzen keine einfache Lösung gibt. Die leichtfertigen Ver­ord­­nungen von Opioiden wird nach aktuellen Schätzungen in JAMA Network Open (2019; 2: e187621) in den USA vermutlich bis 2025 zu 700.000 Todesfällen führen.

Anzeige

Angesichts dieser Zahlen ist auch bei Schulmedizinern die Bereitschaft gewachsen, kom­plementären Mind-Body-Verfahren eine Chance zu geben. Das Angebot ist breit gefächert und die Wirksamkeit auffällig gut durch randomisierte Studien untersucht.

Eric Garland, Leiter des Centers on Mindfulness and Integrative Health Intervention Deve­lop­­ment an der Universität von Utah in Salt Lake City, konnte für seine systematische Übersicht und Meta-Analyse auf 60 Publikationen mit 6.404 Teilnehmern zurückgreifen.

Darunter waren fünf Studien zu Meditation und Achtsamkeitsübungen, 25 Studien zur Hypnose und 14 Studien zu verschiedenen Entspannungsübungen. 7 Studien haben die Effektivität einer imaginativen Psychotherapie, 6 Studien die Wirkung einer therapeuti­schen Suggestionen und 7 die Wirkung einer kognitiven Verhaltenstherapie untersucht.

Garland hat für die verschiedenen Mind-Body-Verfahren berechnet, wie gut sie die Schmerz­behandlung unterstützen und ob sie den Einsatz von Opioiden vermindern können. Für die Schmerzbehandlung ermittelt er einen Cohen d-Wert von 0,51, der mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,26 bis 0,76 signifikant war. Der Cohen d-Wert ist ein Maß für die Effektstärke. Ein Wert von 1,0 entspricht dem Unterschied von einer Stan­dard­abweichung (über die Ergebnisse aus Studien mit verschiedenen Endpunkten mitein­ander verglichen werden können). Ein Wert von 0,51 entspricht einer mittleren Effekt­stärke.

Die größten Effektstärken wurden für Meditation (Cohen d 0,70), Hypnose (Cohen d 0,54), Suggestion (Cohen d 0,68) und kognitive Verhaltenstherapien (Cohen d 0,43) gefunden.

Für die Reduktion der Opioiddosis ermittelte Garland einen Cohen d-Wert von 0,26 (0,08 bis 0,44). Auch hier ist die Effektstärke signifikant, aber im Ausmaß eher schwach einzu­stufen. Die verschiedenen Mind-Body-Verfahren sind demnach als komplementäre Be­handlungen in der Lage, Schmerzen zu lindern. Die Nachfrage der Patienten nach Opioi­den wird sich jedoch nur wenig vermindern lassen.

Zur Bekämpfung der Opioid-Krise dürften die Mind-Body-Verfahren kaum in der Lage sein, zumal die Patienten die Opioide schon nach kurzer Zeit nicht mehr zur Behandlung der Schmerzen einnehmen, sondern zur Vermeidung von Entzugssymptomen (was für die Patienten schwer zu unterscheiden ist, da die Entzugssymptome häufig als Schmerz wahrgenommen werden).

Die Mind-Body-Verfahren könnten jedoch helfen, weitere Abhängigkeiten zu vermeiden. Dafür spricht eine gute Wirksamkeit bei akuten Schmerzen, die im Rahmen von medizini­schen Behandlungen auftreten. Hier wurden in den Studien vor allem Hypnose, Entspan­nungsübungen, Suggestion und imaginative Techniken eingesetzt. Meditation und Acht­samkeit scheinen dagegen bei chronischen Schmerzen eher wirksam zu sein. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

13. November 2019
Berlin – In Deutschland existieren 24 Drogenkonsumräume in 15 Städten. Auf die Frage, ob das Angebot ausreicht, gibt es seitens der Bundesregierung keine Bewertung. Das geht aus einer Antwort auf eine
Bundesregierung will Einrichtungshürden für Drogenkonsumräume nicht beseitigen
8. November 2019
Frankfurt/Main – Juristen, Mediziner und Sozialwissenschaftler kämpfen für eine Entkriminalisierung von Drogen. Bei einer Tagung in Frankfurt bekräftigten die Mitglieder des sogenannten Schildower
Konkrete Vorschläge für Entkriminalisierung von Drogen
5. November 2019
Berlin – Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), hat sich für ein umfassendes Tabakaußenwerbeverbot ausgesprochen. Dies müsse alle herkömmlichen Zigaretten sowie E-Zigaretten
Drogenbeauftragte für Werbeverbot von E-Zigaretten und flächendeckende Substitutionsbehandlung
1. November 2019
Stuttgart – Das Trinken von Alkohol bei der Arbeit ist offenbar weit verbreitet. Das signalisiert eine Umfrage des Instituts Forsa im Auftrag der DEKRA. Danach kennt jeder Dritte Kollegen, die während
Alkoholkonsum bei der Arbeit laut Umfrage weit verbreitet
30. Oktober 2019
Washington – Wegen der wachsenden Zahl der Opfer von Opioid-Überdosen ist die Lebenserwartung in den USA erstmals seit den 1990er-Jahren gesunken. Wie die US-Gesundheitsbehörde CDC am Mittwoch
Opioid-Krise senkt erstmals seit 1993 die Lebenserwartung in den USA
28. Oktober 2019
Berlin – Psychosoziale Therapien stellen eine zentrale Säule in der Behandlung schwer psychisch erkrankter Menschen dar. „Neben der ärztlich-psychotherapeutischen Behandlung tragen sie ganz wesentlich
Psychiater weisen auf aktualisierte S3-Leitlinie für psychosoziale Therapien hin
25. Oktober 2019
Berlin – Die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg in Berlin, Monika Herrmann (Bündnis90/Die Grünen), will gezielter gegen Drogenkonsum im öffentlichen Raum vorgehen. Im Sommer 2020 soll
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER