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Medizin

US-Mediziner warnen vor Schäden für Herz und Kreislauf durch E-Zigaretten

Donnerstag, 7. November 2019

E-Zigarette/ dpa
/dpa

Columbus/Ohio – E-Zigaretten enthalten mit Nikotin, Feinstaub, Metallen und Aromastoffen zahlreiche Substanzen, die Herz und Blutgefäße schädigen und auf Dauer das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen könnten. Zu dieser Einschätzung gelangt eine Übersicht in Cardiovascular Research (2019; doi: 10.1093/cvr/cvz256).

Die Beliebtheit von E-Zigaretten hat in den letzten 10 Jahren vor allem bei Teenagern und jungen Erwachsenen deutlich zugenommen. Nach Angaben der Welt­gesund­heits­organi­sation ist die Zahl der „Vaping“-Konsumenten von rund 7 Millionen im Jahr 2011 auf 41 Millionen im Jahr 2018 gestiegen. Bis 2021 könnten es weltweit mehr als 55 Millionen sein. In den USA, Großbritannien und Frankreich, den 3 größten Märkten, erzielen die Hersteller mittlerweile Umsätze von geschätzt 19,3 Milliarden US-Dollar pro Jahr, nach rund 7 Milliarden US-Dollar vor 5 Jahren. In den USA greift bereits jeder 5. Jugendliche zu E-Zigaretten (National Youth Tobacco Survey 2011 bis 2018).

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Die Hersteller bemühen sich, ihre Produkte als sicher zu vermarkten, obwohl diese niemals in größeren Studien auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit hin untersucht wurden. Vor allem die langfristigen Folgen lassen sich derzeit kaum abschätzen.

Tierexperimente, klinische Tests und erste epidemiologische Studien deuten jedoch darauf hin, dass E-Zigaretten nicht nur die Gesundheit der Lungen belasten. Auch Herz und Kreislauf werden vermutlich in Mitleidenschaft gezogen. Denn das in den E-Zigaretten enthaltene Nikotin erhöht Blutdruck und Herzfrequenz. Zu den möglichen Folgen gehören laut Loren Wold von der Ohio State University in Columbus Herzrhythmusstörungen, ein Umbau des Herzmuskels („remodeling“) und eine veränderte Hämodynamik des Herz-Kreislauf-Systems.

Feinstaub und Metalle können nach Einschätzung des Zellbiologen die Funktion der Endothelien stören, die Gefäßverkalkung fördern und die Gerinnbarkeit des Blutes verändern. Auch dies stört die Hämodynamik des Herz-Kreislauf-Systems. Die verschiedenen Aromastoffe stehen in Verdacht, Entzündungen und oxidativen Stress zu fördern, was ebenfalls Herz und Gefäße schädigen kann.

Die Argumente der Hersteller, sie würden in ihren Produkten nur Aromastoffe verwenden, die als Zusatzstoffe in Lebensmitteln zugelassen sind, hält Wold nicht für stichhaltig. Man könne nicht davon ausgehen, dass Substanzen, die sich bei oraler Einnahme als unbedenklich erwiesen haben, bei einer Inhalation ebenfalls unschädlich sind.

Wold verweist auf zahlreiche Laborstudien, in denen sich Aerosole von E-Zigaretten als zytotoxisch erwiesen haben. Zu den beobachteten Effekten gehören die Bildung von Sauerstoffradikalen, DNA-Schäden und ein induzierter Zelltod. In klinischen Experimenten wurde beispielsweise eine Störung der Endothelfunktion nachgewiesen, die auf Dauer die Entwicklung einer Atherosklerose fördern könnte.

Nikotin erzielt in E-Zigaretten die gleichen Wirkungen wie in Tabakzigaretten. Dazu gehört ein kurzfristiger Anstieg von Herzfrequenz, Blutdruck und Pulswellengeschwindigkeit. Langfristig könnte sich die Stimulation des sympathischen Nervensystems als schädlich erweisen. Zu deren Folge gehört laut Wold ein bindegewebiger Umbau (Fibrosierung) des Gewebes. Im Herz könnte dies die Entwicklung von Herzrhythmusstörungen fördern. Für den Experten gibt es keinen Grund anzunehmen, dass das Nikotin aus E-Zigaretten weniger schädlich ist.

Rezepte von Aromastoffen häufig geheim

Auch Glycerin und Propylenglykol, die die Dampfbildung erleichtern, sind potenziell schädlich. Aus ihnen entstehen beim Erhitzen Aldehyde (unter anderem auch das krebserregende Formaldehyd), die die Endothelien schädigen und die Neigung zu Thrombosen erhöhen könnten. Eine Beurteilung der Aromastoffe sei häufig nicht möglich, da die Hersteller ihre „Rezepte“ aus Konkurrenzgründen geheim halten.

Auch der in den E-Zigaretten enthaltene Feinstaub könnte das Herz schädigen. Für Feinstaub in der Luft konnte dies belegt werden. Auch wenn die bisher vorliegenden Daten noch nicht ausreichend seien, so legen sie laut Wold doch nahe, dass das Gleiche für E-Zigaretten zutreffen könnte.

In den meisten Untersuchungen wurden die akuten Effekte von E-Zigaretten untersucht. Über die chronischen Wirkungen ist weniger bekannt. Und epidemiologische Untersuchungen zu den langfristigen Auswirkungen können wegen der kurzen Dauer der Vermarktung noch nicht durchgeführt werden.

Häufiger Myokardinfarkte

Eine der wenigen Studie wurde im letzten Jahr im American Journal of Preventive Medicine (2018; 55: 455-461) veröffentlicht. Eine Analyse der National Health Interview Surveys von 2014 und 2016, in denen die US-Statistikbehörde den Gesundheitszustand der Bevölkerung untersucht, ergab, dass tägliche Anwender von E-Zigaretten häufiger an einem Myokardinfarkt erkrankt waren (Odds Ratio 1,79, 95-%-Konfidenzintervall 1,20 bis 2,66). Für Zigarettenraucher war das Risiko noch höher (Odds Ratio 2,72; 2,29 bis 3,24).

Der Konsum von E-Zigaretten mag weniger gefährlich sein als Tabakrauchen, eine völlig ungefährliche Alternative ist er nach Einschätzung von Wold jedoch sicher nicht. Der Forscher rät zu großer Vorsicht und Zurückhaltung, solange das gesundheitliche Risikoprofil nicht besser bekannt sei.

Insbesondere Schwangeren wird zur Vorsicht geraten. Grund sind Ergebnisse einer Studie an trächtigen Ratten, bei denen die Inhalation von Nikotin zu Durchblutungsstörungen in den Arterien geführt hat, die den Uterus mit Blut versorgen. Für das Tabakrauchen sind die Folgen aus epidemiologischen Studien gut belegt: Sie bestehen in einem erhöhten Risiko auf Frühgeburt, Mangelgeburt, fetale Wachstumsstörungen und einen plötzlichen Kindstod (SIDS). Die Experimente an den Ratten lassen vermuten, dass Nikotin-haltige E-Zigaretten ähnliche Auswirkungen haben. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #715180
DrSchnitzler
am Samstag, 16. November 2019, 14:51

... Wahrheit und Klarheit: E-Zigaretten VERBESSERN die Endothelfunktion von Rauchern

In einer aktuellen Studie (1) wurde im Gegensatz zu den oben gemachten Aussagen die Endothelfunktion von Rauchern binnen eines Monats nach dem Umstieg signifikant verbessert.

Auch der Blutdruck wurde zum Teil signifikant verbessert, die Ergebnisse zum Puls waren jedenfalls bei langjährigen (nunmehr Ex-) Rauchern signifikant NIEDRIGER. Nikotin in E-Zigaretten hatte insgesamt KEINEN NEGATIVEN kardiovaskulären Einfluss, wie die Autoren ausdrücklich hervorheben.

Hätte, Könnte, Wäre: alles spekulativ. Auch der Bericht über eine "Hypersensitivitaets-Pneumonitis" (2), also eine allergische Reaktion (auf was auch immer: "Roß und Reiter" wurden NICHT GENANNT!), hilft hier nicht weiter: kein verantwortungsbewusster Mensch hat jemals behauptet, E-Zigaretten seien VÖLLIG risikolos. Risiken bestehen aber bei ALLEN Genussmitteln, angefangen bei Schokolade (lt. UBA ist "falsche Ernährung" inzwischen die "vermeidbare Todesursache Nummer 1", bei beiden Geschlechtern noch VOR dem Rauchen!), bis hin zum Alkohol.

Fakt ist: E-Zigaretten sind auch langfristig (3,5 Jahre) und sogar für Nichtraucher SICHER (3). Daran ändert schon gar nichts die anfangs völlig irreführende Berichterstattung US-amerikanischer Institutionen über die "vaping illness" (EVALI), die unbestreitbar (Vitamin-E-Acetat!) durch "gepanschte" E-JOINTS (Drogenszene!) verursacht wurde bzw. wird.

Anscheinend agieren einzelne eingefleischte Tabakgegner frei nach dem Motto "nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer": nur der VÖLLIGE Verzicht auf JEGLICHE Genussmittel sei "allein glückseligmachend".

Bemerkenswert, dass man oft im gleichen Atemzug Produkte der Pharmaindustrie anpreist (zB Nicorette Spray; Anhang), die eine dem "Dampfen" VÖLLIG IDENTISCHE Zusammensetzung aufweisen. Na wenn das denn SO gefährlich sein soll ?!? Haben die Behörden das etwa in einer Art "Zustand geistiger Umnachtung" zugelassen?

_____________
Der Unterzeichner stellt ausdrücklich klar, dass a) kein Interessenkonflikt besteht, und b) auch für ihn der Schutz menschlichen Lebens unverhandelbar ist.

MfkG Dr. A. Schnitzler, FAfIM, Lüneburg

Referenzen (Zugriff 16.11.2019)
(1) http://www.onlinejacc.org/content/accj/early/2019/11/12/j.jacc.2019.09.067.full.pdf
Zit. bei Prof. Bernd Mayer: https://www.facebook.com/Belidampft
(2) https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/107375/E-Zigaretten-koennen-lebensgefaehrliche-Hypersensitivitaets-Pneumonitis-verursachen
(3) https://www.nature.com/articles/s41598-017-14043-2

ANHANG (Nicorette Spray; https://www.medpex.de/sonstiges-raucherentwoehnung/nicorette-spray-p13343227)
Was ist im Arzneimittel enthalten?
Die angegebenen Mengen sind bezogen auf 0.07 Milliliter = 1 Sprühstoß.
Wirkstoff Nicotin 1mg
Hilfsstoff Acesulfam, Kaliumsalz +
Hilfsstoff Ethanol +
Hilfsstoff Glycerol +
Hilfsstoff Levomenthol +
Hilfsstoff Natrium hydrogencarbonat +
Hilfsstoff Poloxamer +
Hilfsstoff Propylenglycol +
Hilfsstoff Salzsäure 10% +
Hilfsstoff Sucralose +
Hilfsstoff Trometamol +
Hilfsstoff Wasser, gereinigt +
Hilfsstoff Frische Aroma +
Hilfsstoff Krauseminz Aroma +
Avatar #715180
DrSchnitzler
am Freitag, 8. November 2019, 01:15

... WAHRHEIT und KLARHEIT !

Dass man sich nicht SCHÄMT, einen derartigen SCHUND auch noch wiederzugeben.

Beispiel:
»Eine Analyse der National Health Interview Surveys von 2014 und 2016, (...) ergab, dass tägliche Anwender von E-Zigaretten häufiger an einem Myokardinfarkt erkrankt waren (...).« (s.o.)

WAHR ist hingegen, dass diese Herzinfarkte dem Beginn des "Vapens" um ZEHN JAHRE VORANGINGEN!

Siehe:
https://www.ajpmonline.org/article/S0749-3797(18)32437-1/
bzw.:
https://tobaccoanalysis.blogspot.com/2019/07/claim-that-vaping-causes-heart-attacks.html

Des Weiteren, ausführliche Gegendarstellung:
https://www.clivebates.com/vaping-risk-compared-to-smoking-challenging-false-dangerous-claim-by-stanton-glantz/
(zit. in https://www.facebook.com/Belidampft)

Und:
http://www.ecigarette-research.org/research/index.php/whats-new/2019/275-witch

_____________
Der Unterzeichner stellt ausdrücklich klar, dass a) kein Interessenkonflikt besteht, und b) auch für ihn der Schutz menschlichen Lebens unverhandelbar ist.

MfkG Dr. A. Schnitzler, FAfIM, Lüneburg
LNS

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