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Vermischtes

Geringerer Operations- und Schmerzmittelbedarf durch Orthesen und Bandagen

Freitag, 8. November 2019

/witte-mediendesign©, stock.adobe.com

Berlin – Nach der Nutzung von Orthesen und Bandagen haben 21 Prozent der Patienten auf eine Operation verzichtet. 22 Prozent nahmen keine Schmerzmittel mehr ein. Zu diesem Ergebnis kam eine vorgestern vorgestellte Umfrage vom Institut für Demoskopie Allensbach.

Befragt wurden 1.295 Anwender von Kompressionsstrümpfen, orthopädischen Einlagen sowie Bandagen und Orthesen im Auftrag von Eurocom, der Herstellervereinigung für Kompressionstherapie und orthopädische Hilfsmittel.

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Von 463 Patienten, die eine funktionelle Therapie mithilfe von Bandagen oder Orthesen erhalten hatten, berichtete jeder Fünfte, auf eine Operation verzichtet zu haben. Weitere zwölf Prozent konnten eine Operation nach eigener Einschätzung hinauszögern.

Strategien um Operationen zu vermeiden, seien gut und richtig, sagte Wolf Petersen, Chef­arzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Martin-Luther-Krankenhauses Berlin, anlässlich der Vorstellung der Umfrage bei einer Eurocom-Veranstaltung.

Vorrang für konservative Therapien

Konservative Therapien gewännen an Bedeutung, doch würden diese Behandlungsalter­nativen seiner Meinung nach in der medizinischen Ausbildung zu kurz kommen. Petersen erklärte dies damit, dass die Lehrenden auch diejenigen wären, die an den Operationen verdienten.

Gernot Kiefer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenver­bands, pflich­tete ihm bei. Konservative Therapien seien stets auszunutzen, bevor operiert werde, er­klärte er.

Die Umfrage brachte weitere Argumente für konservative Therapien: Die Hälfte der Be­fragten, die vorher Schmerzmittel eingenommen hatten, gab an, nach der Verordnung von Bandagen oder Orthesen weniger auf Schmerzmedikamente angewiesen zu sein. Knapp ein Viertel konnte demnach ganz darauf verzichten.

Insgesamt bekundete die große Mehrheit der Befragten (79 Prozent) in der Umfrage auch eine gesteigerte Lebensqualität durch die Anwendung der untersuchten Hilfsmittel, hauptsächlich durch Schmerzreduktion und mehr Mobilität im Alltag.

Besonders Nutzer von Bandagen und Orthesen gewannen, allein durch fachgerechte ärzt­liche Beratung über Nutzen und Bedienung, deutlich an Zufriedenheit. Diese wuchs von 59 Prozent auf 86 Prozent zufriedener Anwender, wie die Umfrage weiter zeigte.

Kiefer betonte mit Blick auf die mögliche Schmerzmittelreduktion, dass die Finanzierung von Hilfsmitteln und Medikamenten nicht in Konkurrenz stünden. Jedoch würden die Kosten für die Kassen immer an der medizinischen Notwendigkeit orientiert werden.

Eurocom-Geschäftsführerin Oda Hagemeier drängte generell auf mehr Transparenz beim Zulassungsverfahren zum Hilfsmittelverzeichnis. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) müsse sich dafür einsetzen. Thomas Gebhart, Staatssekretär im BMG, lehnte dies ab. Das Problem lasse sich einfacher und schneller im Dialog zwischen Herstellern und Kassen lösen. Kiefer signalisierte Kooperation: „Was sich in Eigenregie lösen lässt, damit müssen wir nicht den Gesetzgeber belasten.“ © jff/aerzteblatt.de

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