NewsPolitikLänder winken Reform der Psychotherapeuten­ausbildung durch
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Länder winken Reform der Psychotherapeuten­ausbildung durch

Freitag, 8. November 2019

/llhedgehogll, stock.adbe.com

Berlin – Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung, das Gesetz für eine Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung endgültig beschlossen, das am 26. September im Bundes­tag verabschiedet wurde. Damit können Universitäten und gleichgestellte Hochschulen ab dem Wintersemester 2020 einen eigenen Studiengang Psychotherapie anbieten.

Er soll sich in ein dreijähriges Bachelor- und ein zweijähriges Masterstudium gliedern, das mit einer bundeseinheitlichen staatlichen Prüfung endet. Das Studium soll praktisch und theoretisch so qualifizieren, dass danach eine Approbation erworben werden kann, die bundeseinheitliche Studieninhalte und -strukturen sicherstellen soll.

Anzeige

Daran anschließend werden Psychotherapeuten wie andere Heilberufe ihre Weiterbildung absolvieren, in der sie sich für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen oder Er­wachsenen und in einem Psychotherapieverfahren spezialisieren. Danach können sie sich ins Arztregister eintragen lassen und sich um eine Zulassung für die Versorgung im Rah­men der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) bewerben.

„Nach 15 Jahren Debatte ist es vollbracht. Psychotherapeuten erhalten künftig die Appro­bation nach einem Studium, das wesentlich nach den Vorstellungen der Profession ge­staltet wurde“, betonte Dietrich Munz, Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK). Die Reform komme vor allem psychisch kranken Menschen zugute, die weiter da­rauf vertrauen können, eine erstklassige, wissenschaftlich fundierte psychotherapeuti­sche Versorgung zu erhalten, unabhängig davon, ob sie ambulant oder stationär Hilfe benötigten.

„Auf diesen Tag haben wir lange gewartet – das Gesetz ist ein Meilenstein für uns“, sagte auch Barbara Lubisch, Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung. Ab morgen gehe die Arbeit an der Weiter­bildungs­ordnung und den anderen neuen Rege­lun­gen weiter. „Aber heute freuen wir uns erst einmal und danken allen, die das Gesetz auf den Weg gebracht und unterstützt haben“, betonte Lubisch.

Über die Reform wurde zuletzt heftig gestritten. Während die Psychotherapeuten diese begrüßten, äußerten sich Ärzteverbände und Bundes­ärzte­kammer (BÄK) kritisch. Sie hatten „dringende Nach­besse­rungen“ an dem Gesetz gefordert.

Der Gesetzgeber habe sich nicht auf eine Lösung der ei­gentli­chen Probleme in der bis­he­r­igen Ausbildung Psychologischer Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichen­psychotherapeuten konzentriert. Stattdessen führe das Gesetz zu weitreichenden und für die Versorgungs­sicherheit der betroffenen Patienten proble­matischen Änderungen, hieß es.

Neben den Regelungen zur Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung sind in dem Gesetz versor­gungs­relevante Regelungen im Sozialgesetzbuch V enthalten, die nicht zur Ausbildungs­reform gehören, sondern eine Reform der psychotherapeutischen Versorgung bedeuten.

Dazu zählen insbesondere Zuschläge für Kurzzeittherapie, die Einführung von Maßnah­men der Qualitätssicherung und nachfolgend vorgesehene Abschaffung des Antrags- und Gutachterverfahrens sowie der Auftrag an den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA), eine neue Richtlinie zur berufsgruppenübergreifenden Versorgung für schwer psychisch Kranke mit komplexem Behandlungsbedarf zu entwickeln. © PB/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

23. November 2020
Berlin – Die psychotherapeutische Behandlung in einer Gruppe ist ein wichtiges Angebot für psychisch kranke Menschen, das zu wenig genutzt wird. Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) will deshalb ein
Neue Regelungen zur Förderung der Gruppenpsychotherapie beschlossen
19. November 2020
Berlin – Psychisch schwer erkrankte Kinder und Jugendliche in Deutschland benötigen laut Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) eine intensivere ambulante Versorgung als bislang. Mindestens 100.000
Psychotherapeuten wollen spezielle Komplexversorgung auch für psychisch kranke Kinder
16. November 2020
Berlin – Die Behandlung im unmittelbaren Kontakt bleibe der Goldstandard in der Psychotherapie. Sei aber eine Videobehandlung notwendig, wie beispielsweise aufgrund der Coronapandemie, so müsse
Psychotherapeutentag stellt Forderungen zur Videobehandlung und digitalen Gesundheitsanwendungen auf
16. November 2020
Berlin – Qualitätssicherung (QS) im ambulanten Bereich müsse einen spürbaren Nutzen für die Versorgung der Patienten mit vertretbarem bürokratischen Aufwand für die psychotherapeutischen Praxen haben,
Psychotherapeuten fordern Mitwirkung an Entwicklung von Qualitätssicherungsverfahren
9. November 2020
Berlin – Die Zahl der Hilfesuchenden in den Praxen von Psychiatern und Nervenärzten ist in den vergangenen Monaten wegen der andauernden Coronapandemie sprunghaft angestiegen. Besonders schwer treffe
Psychiater und Nervenärzte wollen bessere Vergütung des ärztlichen Gesprächs
3. November 2020
Berlin – Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz fordern, dass auch psychisch kranke Menschen, die einem Psychotherapeuten noch nicht bekannt
Psychotherapeuten fordern Telefonsprechstunde auch für Neuerkrankte
27. Oktober 2020
Helsinki – Vertrauliche Notizen aus Psychotherapiesitzungen von zehntausenden Patienten sind in Finnland von Hackern gestohlen und teils veröffentlicht worden. Innenministerin Maria Ohisalo nannte die
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER