NewsMedizinForscher implantieren künstliche Nieren bei Schweinen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Forscher implantieren künstliche Nieren bei Schweinen

Freitag, 8. November 2019

/shutswis, stock.adobe.com

San Francisco – US-Forscher haben den Prototypen einer künstlichen Niere bei Schweinen implantiert. Während des 3-tägigen Probebetriebs ist es laut ihrem Bericht auf der Tagung KidneyWeek 2019 der American Society of Nephrology zu keinen Komplikationen gekom­men. Erste klinische Studien sind in Planung.

Die menschliche Niere enthält etwa eine Million Nephronen. Sie bestehen zum einen aus feinen Sieben (Glomeruli), die täglich 180 Liter eines weitgehend eiweißfreien Filtrats bilden. Dieser Primärharn wird anschließend in einem Kanalsystem (Nierentubuli) zum größten Teil wieder ins Blut zurückresorbiert - mit der Ausnahme der harnpflichtigen Substanzen, die teilweise zusätzlich von den Nierentubuli in den Sekundärharn abgegeben werden.

Anzeige

Forscher der Universität von Kalifornien in San Francisco versuchen seit mehr als einem Jahrzehnt, diesen komplexen Stoffaustausch in einer künstlichen Niere zu realisieren, die nicht größer als ein Kartenspiel ist. Das Ziel ist, die künstliche Niere im Becken zu implantieren. Dort soll sie einerseits mit den großen Blutgefäßen verbunden werden, die das Blut mehrmals täglich durch das Implantat spülen. Am Ausgang soll die künstliche Niere an einem Ureter angeschlossen werden, der den Harn in die Nieren leitet.

Der Prototyp, den ein Team um William Fissell jetzt erstmals bei Schweinen implantiert hat, besteht aus 2 Komponenten. Die Funktion der Glomeruli übernimmt eine Siliziummembran mit präzise geformten Poren in einer Größe von etwa 10 Nanometern. Der Primärharn wird dann in einen Bioreaktor geleitet, der die Nierentubuli enthält, die den Sekundärharn bilden. Sie sollen dabei den Flüssigkeitshaushalt regulieren. Dazu gehört das Aufrecht­er­halten eines angemessenen Flüssigkeitsvolumens und Blutdrucks, das Einstellen des Salzgehalts und das Produzieren von essentiellen Hormonen wie Erythropoetin.

Die Bioingenieure standen zum einen vor der Aufgabe, die Poren der Membran vor Ablagerungen zu schützen, die den künstlichen Filter verstopfen würden. Zum anderen musste verhindert werden, dass das Immunsystem des Patienten Kontakt zu den Zellkul­turen erhält. Denn ein wichtiges Ziel der implantierbaren künstlichen Niere ist es, die Patienten von der Einnahme von Immunsuppressiva zu befreien, die sie heute nach einer Nierentransplantation lebenslang einnehmen müssen, was mit gesundheitlichen Nachteilen verbunden ist. Einige der Immunsuppressiva, etwa Ciclosporin A, schaden auf Dauer auch den Nieren.

Ob diese Ziele erreicht werden, ist noch nicht abzusehen. Die Forscher haben jetzt in einem Tiermodell die Überlebenschancen der Zellkulturen untersucht. Dazu wurden die künst­lichen Nieren im Halsbereich von Schweinen implantiert mit einer Blutzufuhr über die Art. carotis und einen Abfluss über die Vena jugularis.

Wie Fissell berichtet, haben mehr als 90 % der Nierenzellen die Implantation überlebt und auf der Membran hätten sich keine Blutthromben gebildet. Die Forscher sind deshalb optimistisch, dass die Implantate über längere Zeit ihren Zweck erfüllen könnten. Laut der Pressemitteilung wollen sie der Food and Drug Administration (FDA) erste klinische Tests beantragen. Ob die Behörde in diesem frühen Stadium eine Erlaubnis erteilt, bleibt abzuwarten. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

8. Oktober 2019
Kapstadt – Die Nieren von HIV-Spendern können offenbar gefahrlos an HIV-infizierte Empfänger transplantiert werden. Eine Kohortenstudie im New England Journal of Medicine (2019; 381: 1387-1389) kommt
Nierentransplantation unter HIV-Infizierten langfristig erfolgreich
29. August 2019
Philadelphia – In den Vereinigten Staaten wurden zwischen 2004 und 2014 fast 28.000 Nieren verstorbener Spender entsorgt. Französische Transplantationszentren hätten hingegen mehr als 60 % (etwa
Französische Transplantationszentren nutzen eher Nieren von älteren Spendern als die USA
29. März 2019
Baltimore – Ärzte in den USA haben die Spenderniere einer HIV-infizierten Frau in einen Empfänger mit HIV verpflanzt. Beide Patienten seien wohlauf, teilte die Johns-Hopkins-Universitätsklinik in
Frau mit HIV spendet Niere an HIV-infizierten Patienten
6. Februar 2019
Shimotsuke – Japanische Wissenschaftler wollen menschliche Nieren in Feten einer anderen Spezies züchten. Das Verfahren, das sie als Blastozysten-Komplementierung bezeichnen, ist laut einer
Blastozysten-Komplementierung: Nieren in Tieren herstellen
7. März 2018
Baltimore – Eine Behandlung mit direkt antiviralen Medikamenten (DAA) kann die Empfänger von Organen infizierter Spender vor einer Hepatitis C schützen. Dies zeigen die Ergebnisse einer Pilotstudie in
Erfolgreiche Nierentransplantation mit Hepatitis C infizierter Organspende
1. November 2017
Dresden – Die roboterassistierte Nierentransplantation könnte der bisherigen offenen Methode in vielerlei Hinsicht überlegen sein. Darauf deuten erste Ergebnisse zum postoperativen Verlauf, Follow-up,
Roboterassistierte Nierentransplantation mit weniger Komplikationen und Rejektionen als offene Methode
4. August 2017
Los Angeles – Ein vor einigen Jahren entdecktes bakterielles Enzym, das innerhalb weniger Stunden nach der Infusion praktisch alle Antikörper zerlegt, könnte die Nierentransplantation bei Patienten
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER