NewsMedizinPPI: Genvariante deutet auf höheres Infektionsrisiko für Kleinkinder hin
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

PPI: Genvariante deutet auf höheres Infektionsrisiko für Kleinkinder hin

Freitag, 8. November 2019

/Helder Almeida, stock.adobe.com

Nashville – Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) werden in der Leber über das Isoenzym CYP2C19 inaktiviert. Eine genetisch bedingte verminderte Aktivität des Enzyms, die zu erhöhten Plasmaspiegeln des Säureblockers führt, war in einer Biorepository-Studie in Pediatrics (2019; 144: e20190857) mit einem erhöhten Infektionsrisiko bei Kindern in den ersten 3 Lebensjahren verbunden.

Protonenpumpen-Inhibitoren können die Salzsäureproduktion im Magen vollständig blockieren. Dies kann die Symptome einer Refluxösophagitis lindern. Es verhindert aber auch, dass Krankheitserreger in der Nahrung während der Magenpassage abgetötet werden. Ob dies tatsächlich zu einer Zunahme von Infektionen führt, ist umstritten.

Anzeige

Die Analyse der Gene für das Isoenzym CYP2C19 deutet jetzt darauf hin, dass zumindest Kleinkinder gefährdet sein könnten. Ein Team um Sara van Driest von der Vanderbilt University in Nashville konnte das CYP2C19-Gen von 670 Kindern im Alter von unter 3 Jahren genotypisieren, die mit PPI behandelt worden waren. 267 Kinder wurden als schnelle oder ultraschnelle Metabolisierer eingestuft.

Der Abgleich mit den Krankenakten ergab, dass diese Kinder zu 30 % seltener an Infek­tio­nen der Atemwege oder des Magen-Darm-Trakts erkrankt waren als die 220 Kinder, bei denen PPI von dem Isoenzym CYP2C19 normal metabolisiert wurden.

Die Odds Ratio von 0,70 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,50 bis 0,97 signi­fikant. Für die 183 langsamen Metabolisierer, bei denen die höchsten Wirkstoffspiegel zu erwarten sind, wurde kein weiterer Anstieg des Infektionsrisikos gefunden.

Gentests können ein nützliches Instrument für die Dosierung von Medikamenten sein, schreibt van Driest. Sie hofft, dass die Ergebnisse der Studie Pädiater zu mehr Umsicht bei der Verordnung von PPI in den ersten Lebensjahren veranlasst. In Deutschland sind PPI ab dem Alter von einem Jahr zugelassen. Die Indikation ist die Behandlung von Sodbrennen bei einem gastroösophagealen Reflux. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. November 2019
Amsterdam – Wenige Wochen vor dem neuen Brexit-Datum hat die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA ihre Übersiedlung von London nach Amsterdam weitgehend abgeschlossen. Das eigens dafür errichtete
Arzneimittel-Agentur der EU im neuen Sitz in Amsterdam
14. November 2019
Bristol – Schreiattacken sind bei Säuglingen in den ersten Lebensmonaten häufig. Die Ursachen dieser „Dreimonatskoliken“ sind nicht bekannt und eine evidenzbasierte Therapie gibt es nicht. Unter den
Pädiatrie: Was hilft bei „Dreimonatskoliken“?
14. November 2019
Liverpool – Einen neuen Überblick über den Stand des Wissens zur Add-On-Therapie von Epilepsien mit dem Medikament Topiramat hat die Cochrane Epilepsy Group herausgegeben (doi
Neuer Cochrane-Report zu Topiramat bei Epilepsie
13. November 2019
Bonn – In Deutschland hat es bisher noch keinen schwerwiegenden Zwischenfall in einer klinischen Prüfung von Arzneimitteln gegeben. Darauf hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
Keine schwerwiegenden Zwischenfälle bei Arzneimitteltests in Deutschland
13. November 2019
Bremen – Das Schmerzmittel Diclofenac, das aufgrund seiner hohen Selektivität zum COX-2-Enzym das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht, wird trotz einer Warnung in einem Rote-Hand-Brief
Diclofenac: Häufige Verordnungen an Risikopatienten halten trotz Warnung an
13. November 2019
Halle (Saale) – In Deutschland sind 60 Prozent der Bevölkerung übergewichtig, ein Viertel ist bereits adipös. Das geht aus einem heute veröffentlichten Diskussionspapier der Nationalen Akademie der
Genetische Veranlagung nicht allein Schuld an Adipositas
11. November 2019
London/Ontario – Das Muskelrelaxans Baclofen, das im Gehirn die Rezeptoren des Neurotransmitters GABA stimuliert, kann eine Enzephalopathie auslösen. Das Risiko war in einer bevölkerungsbasierten
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER