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Medizin

E-Zigaretten: Hinweise auf Vitamin-E-Acetat als Auslöser verdichten sich

Montag, 11. November 2019

/Chris Hertzschuch, stock.adobe.com

Atlanta – Die Ursache der akuten Lungenschäden, an denen in den USA bislang 2.051 Konsumenten von E-Zigaretten erkrankt sind, davon 40 mit Todesfolge, ist weiter unklar. Laut einer Studie in Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR; 2019; doi: 10.15585/mmwr.mm6845e2) kann in der Bronchiallavage jedoch stets Tocopherolacetat (Vitamin-E-Acetat) nachgewiesen werden.

Es sind mittlerweile 8 Monate vergangen, seitdem erstmals überwiegend junge männliche Personen (Durchschnittsalter 24 Jahre; 70 % männlich) wegen schwerer Lungenerkran­kungen hospitalisiert wurden, die nach dem Dampfen („Vaping“) von E-Zigaretten aufgetreten waren. Bei mehr als der Hälfte der Patienten kam es zu einer raschen Verschlechterung der Lungenfunktion, die häufig eine intensivmedizinische Behandlung, eventuell mit maschineller Beatmung notwendig machte. Die meisten Patienten wurden zunächst ohne Erfolg mit Antibiotika behandelt.

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Es folgte eine Steroidbehandlung, die meist zu einer Verbesserung der Lungenfunktion führte, wie US-Mediziner dieser Tage in Lancet Respiratory Medicine (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)32679-0) berichten. Die jüngeren Patienten konnten bald entlassen werden, für einige ältere Patienten (Durchschnittsalter 49 Jahre) kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Die Suche nach der Ursache der EVALI (für „e-cigarette, or vaping, product use associated lung injury“), für die es derzeit weder einen Test noch eine ICD-10-Nummer gibt, hält an. Das wichtigste Untersuchungsmaterial stammt aus Bronchiallavagen. Dabei wird während einer Bronchoskopie Kochsalzlösung in Abschnitte der Atemwege geleitet und sofort wieder abgesaugt. Die in der Flüssigkeit enthaltenen Substanzen und Zellen können Ausschluss über die Erkrankung geben.

Bei allen 29 Patienten, über die Benjamin Blount vom National Center for Environmental Health berichtet, einer Abteilung der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta, wurde in der untersuchten Lavageflüssigkeit Tocopherolacetat gefunden. Das Vitamin E-Derivat wird als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben und in Kosmetika ver­wendet. Es gilt bei oraler Aufnahme und bei der Anwendung auf der Haut als unbedenk­lich, da Tocopherolacetat nach der langsamen Resorption in Vitamin E verwandelt wird. Die Toxizität bei inhalativer Anwendung ist dagegen weitgehend unbekannt.

Tocopherolacetat ist kein Bestandteil kommerzieller Liquids. In den USA wird es jedoch häufig als Verdickungsmittel für Tetrahydrocannabinol (THC) benutzt. Die Verwendung der Cannabis-Droge mit E-Zigaretten erfreut sich in den USA offenbar einiger Beliebtheit. Bei 23 der 28 Bronchiallavagen wurde denn neben Tocopherolacetat auch THC in der Bron­chial­lavage gefunden, in 16 von 26 Proben auch Nikotin.

Tocopherolacetat ist für die CDC der wahrscheinlichste Auslöser. Nikotin lässt sich aus­schließen, da die Erkrankung sonst auch bei Rauchern hätte beobachtet werden müssen. Auch für die inhalative Anwendung von THC, die seit langem verbreitet ist, wurden bisher keine schweren akuten Lungenschädigungen beschrieben.

Der Nachweis von Tocopherolacetat in der Bronchiallavage allein ist jedoch kein Beweis. Im nächsten Schritt müsste versucht werden, die Erkrankungen im Tiermodell nachzustellen. Dort ließe sich dann auch die Pathogenese näher untersuchen. Die bisherigen Befunde am Menschen lassen vermuten, dass sich die öligen Substanzen auf dem Lungenepithel ablagern und Phagozyten in ihrer Reinigungsfunktion überfordert sind. Dafür sprechen auch die Ergebnisse von Lungenbiopsien, in denen lipidhaltige Makrophagen (Schaumzellen) gefunden wurden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #798870
Bluebrain
am Montag, 18. November 2019, 17:42

Re: Chemische Pneumonitis und lipoide Pneumonie

| Unverständlich bleibt, warum inhalierte Öle aus Vitamin-E-Azetat nicht von vorne herein suspekt waren.
Wenn Sie damit die CDC meinen: die haben wohl erst nach einem Inhaltsstoff suchen müssen, der in allen Liquids der betroffenen enthalten ist.
Und die Anwender werden schlichtweg nichts davon gewusst haben, dass dieses Öl als Verdickungsmittel im THC Liquid verwendet wurde.

Wenn man illegale Substanzen von Straßenhändlern inhaliert, dann ist man gelinde gesagt selbst Schuld, wenn etwas passiert.
Der eigentlich "Skandal" ist jedoch die Panikmache in den Massenmedien die immer wieder von der "tödlichen E-Zigarette" schreibt, was sogar zahlreiche Umsteiger wieder zurück zur herkömmlichen Zigarette hat greifen lassen.

Da könnte man genausogut vor herkömmlichen Teelöffeln warnen, nur weil Heroinabhängige dabei schon gestorben sind, als sie sich die Droge von einem solchen Löffel aufgezogen haben.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 11. November 2019, 22:59

Chemische Pneumonitis und lipoide Pneumonie

Der Ausdruck Lungenverletzung („lung-injury“) ist irreführend: Denn es handelt sich um eine chemische und damit nicht verletzungs-traumatische Einwirkung, die in „Clinical presentation, treatment, and short-term outcomes of lung injury associated with e-cigarettes or vaping: a prospective observational cohort study“ https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(19)32679-0/fulltext von Denitza P Blagev et al. beschrieben wird.

Das US-Center of Disease Control CDC konstatierte zuletzt, ein aus Vitamin E gewonnenes Öl (Vitamin-E-Azetat) könnte eine mögliche Ursache für Todesfälle nach dem Gebrauch von E-Zigaretten und Marihuana-Vaping in den USA sein. „Es handelt sich um das erste Mal, dass wir eine mögliche besorgniserregende Chemikalie in Proben von Patienten mit diesen Lungenkrankheiten entdeckt haben“, so die CDC. Bei einer Untersuchung der Lungenflüssigkeit von 29 erkrankten Patienten aus 10 Bundesstaaten wurde das Öl in allen Proben gefunden. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Vitamin-E-Oel-soll-Ursache-fuer-Todesfaelle-sein-403449.html

Aus https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/lungenkrankheiten/pneumonie/aspirationspneumonitis-und-pneumonie
„Viele Substanzen wirken direkt toxisch auf die Lunge oder lösen bei Aspiration eine Entzündungsreaktion aus… zu den weiteren Substanzen gehören Erdölprodukte (insbesondere die von geringer Viskosität, wie Vaseline) und ölige Laxanzien (wie Mineral-, Rizinus- und Paraffinöl), die allesamt eine lipoide Pneumonie auslösen können. Aspiration von Benzin und Kerosin führt ebenfalls zu einer chemischen Pneumonitis …Die Aspiration von Öl oder Vaseline verursacht eine exogene lipoide Pneumonie, die histologisch durch eine chronische granulomatöse Entzündung mit Fibrose gekennzeichnet ist.“

Unverständlich bleibt, warum inhalierte Öle aus Vitamin-E-Azetat nicht von vorne herein suspekt waren.

Mf+kG, Dr.med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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