NewsPolitikÄnderungen an Modellvorhaben zum Impfen in Apotheken geplant
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Änderungen an Modellvorhaben zum Impfen in Apotheken geplant

Montag, 11. November 2019

/miss_mafalda, stock.adobe.com

Berlin – Durch einen verpflichtenden Masern-Impf­schutz für Kinder in Gemeinschafts­ein­richtungen will die Bundesregierung die anstecken­de Virusinfektion bekämpfen. Ände­run­gen könnte es noch beim Modellvorhaben geben, das Impfungen in Apotheken vor­sieht.

Ein zwischen den Fraktionen der CDU/CSU und SPD abge­stimmter Änderungsantrag zum Entwurf des Masernschutzgesetzes sieht zwar weiter einen optionalen niedrig­schwelli­gen Zugang zu Impfungen im Rahmen von Modell­vorhaben vor. Die Grippeschutzim­pfung in Apotheken soll dem Änderungsantrag zufolge allerdings auf Erwachsene be­schränkt bleiben.

Anzeige

Grund sei, dass es sich bei Kindern und Jugendlichen mit einer Indi­ka­tion für die Grippe­schutzimpfung nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkom­mis­sion meist um chro­nisch kranke Kinder und Jugendliche handelt, die von Kinder- oder Hausärzten betreut und auch geimpft werden, hieß es. Darüber hinaus sollten nur volljährige Personen in Apotheken geimpft werden, die selbst in die Impfung einwilligen können.

Voraussetzung für die Durchführung von Grippeschutzimpfungen in Apotheken soll zu­dem eine vorherige Schulung der Apotheker durch Ärzte sein. Die Schulungen sollen sicher­stellen, dass die Apotheker die Durchführung von Grippeschutz­impfungen be­herr­schen. Auch geeignete Räumlichkeiten in der Apotheke werden vorge­schrieben. Die Lauf­zeit der Modellvorhaben, die auch von der FDP-Fraktion gefordert werden, wird mit fünf Jahren angesetzt.

Bei den Modellvorhaben sollen Grippe­schutz­impfungen in Apotheken ausgewählter Regi­onen ermög­licht werden. Nach einem neuen geplanten Paragrafen (§ 132i), der in Artikel 2 des Ge­setzes eingefügt werden könnte, sollen die Krankenkassen oder deren Landes­verbände mit Apotheken auf Lan­desebene entsprechende Vorhaben vereinbaren können.

Das Ma­sernschutzgesetz aus dem Haus von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU), das am kommenden Donnerstag im Bundestag beraten und beschlossen werden soll, soll zum 1. März 2020 in Kraft treten. Kern ist, dass für Kinder vor der Aufnahme in Kitas, Schulen und Kindertagespflege-Einrichtungen der Nachweis erbracht werden muss, dass die Kinder wirksam gegen Masern geimpft sind.

Auch Ärzte sowie weiteres medizinisches Personal und Mitarbeiter in Gemeinschaftsein­richtungen müssen bis Ende Juli 2021 einen vollständigen Impfschutz nachweisen. Gegen Eltern, die ihre in Gemeinschaftsein­rich­tun­gen betreuten Kinder nicht impfen lassen so­wie nicht geimpfte Mitarbeiter in Ge­sund­heits- und Gemeinschaftseinrichtungen kann künftig ein Bußgeld in Höhe von bis zu 2.500 Euro verhängt werden.

Die deutsche Ärzteschaft steht den Maßnahmen grundsätzlich positiv gegenüber. Ein voll­ständiger Impfstatus sei „Teil und Voraussetzung einer professionellen Berufsauf­fassung und Ausdruck des dem Tätigkeitsfeld angemessenen Verantwortungsbe­wusst­seins“, heißt es in einem Beschluss des 122. Deutschen Ärztetages in Münster, der im Mai das geplante Masernschutzgesetz begrüßte.

Die Abgeordneten befürworteten auch, dass Fachärzte bei Impfungen künftig nicht an ihre Gebietsgrenzen gebunden sein sollen. Impfungen durch Apotheker lehnten sie je­doch ab. Auch Ende Oktober bei der Anhörung zum Masernschutzgesetz im Gesundheits­ausschuss im Bundestag hatten Bundes­ärzte­kammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung sowie mehrere Berufsverbände bekräftigt, dass das Impfen in ärztlicher Hand bleiben sollte. Die Kassen­ärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe verfasste dazu extra ein eigenes Positionspapier.

Ebenfalls abschließend beraten werden sollen am kommenden Donnerstag der Antrag der FDP „Impfquoten wirksam erhöhen – Infektionskrankheiten ausrotten“ sowie der An­trag der Grünen „Masern und andere Infektionskrankheiten jetzt eliminieren – Solidarität und Vernunft fördern, Impfquoten nachhaltig steigern“.

Die FDP-Fraktion spricht sich ferner für einen digitalen Impfausweis aus, mit dessen Hilfe jeder Bürger seinen Impfstatus jederzeit abrufen kann. Die Grünen fordern unter ande­rem, dass die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (gematik) dazu verpflichtet werden sollte, den digitalen Impfpass bis 2021 als Teil der elek­troni­schen Patientenakte (ePA) einzuführen.

© ER/aerzteblatt.de
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 13. November 2019, 10:56

Apotheken ohne "manpower"

Apotheken haben keine "manpower" zum Impfen! Es fehlt an Heilkundeerlaubnis, Qualifikation, Logistik, Räumlichkeiten (oder wollen Sie bei laufendem Offizin-Betrieb coram publico geimpft werden?), Patientendokumentation, Ausstattung und Hintergrundwissen.

Im Gegensatz zu Apotheken liegt bei unseren Patientinnen und Patienten in haus- und familienärztlichen Vertragsarzt-Praxen eine vollständige, EDV-gestützte medizinische Dokumentation für alle Eventualitäten (Nebenwirkungen, Interaktionen, Risiken, Kontraindikationen) vor. Im Zusammenhang mit Impf-Präventionsleistungen können weitere Gesundheits- und Krankheitsfragen angesprochen und gelöst werden.

Eine Steigerung der Impfraten ist beim politisch perfide geplanten Verdrängungs- und Konkurrenz-Wettbewerb zwischen Arzt und Apotheker auszuschließen: Je mehr Apotheken impfen, desto geringer ist die Anzahl der Grippe-Impfungen in den Arztpraxen.

Wenn der Gesetzgeber plant, auch eine (in Deutschland gar nicht lieferbare) Masernimpfung als abgeschwächte Lebendimpfung in Apotheken zuzulassen, sind haftungsrechtliche Folgen unabsehbar, wenn etwas schief geht.

Der Gesetzgeber muss endlich aufhören, unsere Heilkundeerlaubnis weiter zu relativieren!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #760232
penangexpag
am Dienstag, 12. November 2019, 12:01

Impfen in Apotheken

ziz. ("Voraussetzung für die Durchführung von Grippeschutzimpfungen in Apotheken soll zu­dem eine vorherige Schulung der Apotheker durch Ärzte sein") :
Dann sollten die Ärzte diesen Schwachsinn einfach dadurch blockieren, daß sie solche Schulungen verweigern. Ist natürlich Solidarotät gefragt. Das könnte ein Problrm werden.
LNS

Nachrichten zum Thema

3. Juli 2020
Genf – Im weltweiten Kampf gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 werden inzwischen 17 Impfstoffkandidaten an Menschen getestet. Am weitesten fortgeschritten ist ein Impfstoff, den die Universität Oxford
SARS-COV-2: Erster Impfstoff in Phase-III-Studie
2. Juli 2020
Berlin – Impfen sollte auch in Zukunft eine primär ärztliche Leistung bleiben. Das betonte Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, gestern in Berlin. Er
Apotheker sehen Impfen als primär ärztliche Leistung
2. Juli 2020
Wien – Eine wiederholte Impfung gegen das Protein Alpha-Synuclein, dessen Ablagerungen im Gehirn an der Pathogenese des Morbus Parkinson beteiligt sein sollen, hat bei Patienten im Frühstadium der
Morbus Parkinson: Impfung soll Alpha-Synuclein aus dem Gehirn beseitigen
2. Juli 2020
Mainz – Auf der Suche nach einem Impfstoff gegen SARS-CoV-2 sind das Biopharma-Unternehmen Biontech und der US-Konzern Pfizer einen Schritt vorangekommen. Bei Tests in den USA hätten Probanden
Biontech nennt Ergebnisse zu Impfstoffkandidat „ermutigend“
30. Juni 2020
Berlin – Deutschland ist weit von der in der Europäischen Union (EU) angestrebten Influenza-Impfquote von 75 Prozent bei chronisch kranken Personen entfernt. Besondere Impflücken gibt es bei Patienten
Influenza: Große Impflücken bei chronisch kranken Patienten
29. Juni 2020
New York – Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus und mehr als 100 weitere namhafte Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Kunst setzen sich für die kostenlose Verteilung von Impfstoffen
Coronakrise: Nobelpreisträger startet Aufruf für freien Impfstoff
29. Juni 2020
Mainz – Biontech bekommt unter anderem durch eine Investition von Singapurs Staatsfonds Temasek frisches Geld. Insgesamt bringe eine Privatplatzierung von Aktien bei Temasek und anderen Investoren 250
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER