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Ärzteschaft

Versorgungsprobleme auf dem Land: Die Politik ist gefordert

Dienstag, 12. November 2019

Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV, links) und Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). /Georg Lopata

Berlin – Kleine Krankenhäuser auf dem Land werden unrentabel und müssen schließen. Niedergelassene Haus- und Fachärzte gehen in den Ruhestand und finden keinen Nach­folger. Für diese sich abzeichnenden Probleme für die medizinische Versorgung insbeson­dere in strukturschwachen Regionen müssen die Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik abgestimmte Lösungen finden.

Darin waren sich Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesver­einigung (KBV), und Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), einig. Die beiden diskutierten heute Mittag in Berlin in einem moderierten Streitgespräch über die Zukunft der medizinischen Versorgung auf dem Land.

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Als undifferenziert bezeichnete Gaß Forderungen, die Zahl der Krankenhäuser in Deutsch­land drastisch zu verringern, um Überkapazitäten abzubauen. Man sei sich bei der DKG darüber bewusst, dass gewachsene Strukturen hinterfragt werden müssten. Der Ver­band habe deshalb im Frühjahr ein Eckpunktepapier für einen geordne­ten Strukturwan­del vorgelegt, an dem sich die Krankenhäuser aktiv beteiligen wollten.

„Wir kämpfen nicht um jedes Bett und jeden Standort“, sagte Gaß. Wenn man Strukturen ändern wolle, brauche man aber ein politisches Bekenntnis zu einem gemeinsamen Ziel. „Das gibt es nicht. Und das ist unser Vorwurf“, meinte der DKG-Präsident. In vielen Fällen stehe die Politik Lösungen im Wege, auf die sich die Betroffenen vor Ort – Krankenhaus­träger und Kassenärztliche Vereinigungen – bereits geeinigt hätten, um unrentable Kran­kenhäuser zu schließen oder anderweitig zu nutzen.

Ärztemangel erfordert neue Aufgabenverteilung

Einerseits werde der Strukturwandel vor Ort politisch verhindert und andererseits auf Bundesebene durch verschärfte Rahmenbedingungen vorangetrieben. Dazu zählte Gaß insbesondere die unzureichende Investitionsförderung der Krankenhäuser durch die Län­der, aber auch Pflegepersonaluntergrenzen, „die jeden Notfall ignorieren“. Das dränge Krankenhäuser aus dem Markt.

„Wir brauchen Veränderung“, sagte der DKG-Präsident. Sicher könne auch ein Teil der Leistungen, die zurzeit im Krankenhaus erbracht würden, in den Praxen niedergelassener Ärzte durchgeführt werden. Dazu müsse sich aber auch im ambulanten Bereich einiges verändern.

Angesichts des sich abzeichnenden Hausärztemangels müsse man überlegen, ob nicht andere Gesundheitsberufe einen Teil der hausärztlichen Aufgaben übernehmen könnten und die klassische Hausarztpraxis in ein Versorgungszentrum gemeinsam mit anderen medizinischen Fachberufen umgewandelt werde.

Auch KBV-Vorstand Gassen räumte ein, dass man den Strukturwandel mit Rücksicht auf gewachsene Strukturen betreiben müsse. „Man kann das nicht im Federstreich ändern“, sagte er mit Blick auf die Forderungen nach großflächigen Krankenhausschließungen.

Aber man müsse bestimmte Aspekte der stationären Versorgung auf den Prüfstand stellen: So müssten beispielsweise Maximalversorger gebündelt und die Notfallversor­gung von einer Vielzahl unstrukturierter Standorte auf eine geringere Zahl besser abge­stimmter Standorte umgestaltet werden.

Auch Gassen kritisierte die Bundesländer, die sich zum einen gegen die Schließung von Krankenhausstandorten aussprächen, sich zum anderen aber weigerten, der Verpflichtung nachzukommen, die Investitionskosten zu tragen: „Das finde ich befremdlich.“

Krankenhäuser in Gesundheitszentren umwandeln

Doch der KBV-Vorstand sprach sich auch klar für eine Verringerung der Zahl der Kranken­häuser aus. „Wir brauchen keine 2.000 Kliniken, von denen sich viele in einem Zustand ge­ordneter Insolvenz befinden“, sagte er. Viele kleine Krankenhäuser der Grundversor­gung hätten gar nicht die benötigten Facharztentitäten. Urologen, Dermatologen, HNO- oder Augenärzte finde man dort nicht.

Gassen warb deshalb für neue Konzepte. Dazu zähle beispielsweise die Umwandlung kleiner, unrentabler Krankenhäuser in ambulante Gesundheitszentren, in denen Patienten in Ausnahmefällen auch über Nacht betreut werden könnten. Die KBV hatte das Konzept dieser sogenannten Intersektoralen Gesundheitszentren bereits vor einem Jahr vorge­stellt. Auf diese Weise könnten Standorte erhalten bleiben, ohne die alten Ineffizienzen fortzuführen. Dazu sagte DKG-Präsident Gaß, er befürworte partnerschaftliche Lösungen. Man benötige aber keine neue Versorgungsebene. © HK/aerzteblatt.de

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Avatar #88767
fjmvw
am Mittwoch, 13. November 2019, 17:00

Viele kleine Krankenhäuser im Insolvenzverfahren?

Dann bereinigt der Markt über die Preise das Angebot. Aus ökonomischer Sicht eine gute Strategie.

Allerdings birgt sie die Gefahr, dass auf Grund zu geringer DRG-Erlöse irgendwann auch Krankenhäuser unter die Räder kommen, die man braucht. Wird man solche Krankenhäuser dann mit Steuermitteln künstlich am Leben halten, obwohl es der Markt nicht hergibt? Oder wird man, nachdem die "überflüssigen kleineren" Krankenhäuser geschlossen wurden, die Preise auf ein angemessenes Niveau heben?
LNS

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