NewsMedizinSport könnte nach Brustkrebsdiagnose Überlebenschancen verbessern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Sport könnte nach Brustkrebsdiagnose Überlebenschancen verbessern

Dienstag, 12. November 2019

/ Yakov, adobe.stock.com

Heidelberg – Frauen, die nach einer Brustkrebsdiagnose ihre körperliche Aktivität deutlich steigerten, hatten in einer prospektiven Kohortenstudie ein niedrigeres Risiko, an den Folgen der Erkrankung zu sterben. Dies geht aus den in Breast Cancer Research (2019; doi: 10.1186/s13058-019-1206-0) veröffentlichten Ergebnissen der deutschen MARIE-Studie hervor.

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass körperlich aktive Frauen ein geringeres Brustkrebsrisiko haben als inaktive Frauen. Dies gilt insbesondere für postmenopausale Frauen, da in dieser Lebensphase die körperliche Aktivität häufig nachlässt. Bisher wenig untersucht ist die Frage, ob eine Steigerung der körperlichen Aktivität nach einer Brustkrebsdiagnose die Prognose der Frauen verbessern kann. Audrey Jung vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg und Mitarbeiter haben hierzu die Daten der MARIE-Studie ausgewertet.

An der Studie hatten 3.813 Frauen teilgenommen, die nach der Menopause im Alter von 50 bis 74 Jahren an Brustkrebs erkrankt waren. Zu Beginn der Studie zwischen 2002 und 2005 waren alle Patientinnen nach ihrer sportlichen Aktivität in der Zeit vor der Diagnose gefragt worden. Bei einer Nachuntersuchung im Jahr 2009 wurde das Aktivitätsniveau erneut erhoben. Die abschließende Auswertung umfasste 2.042 Frauen.

Erfasst wurde Freizeitsport wie Schwimmen, Aerobic und Nordic Walking. Für jede Aktivität berechneten die Wissenschaftler die sogenannten metabolischen Äquivalente (MET) als Maß für den zusätzlichen Energieverbrauch. Der World Cancer Research Fund empfiehlt allen Patientinnen 7,5 MET-Stunden pro Woche, was in etwa 150 Minuten mäßiger bis intensiver körperlicher Anstrengung entspricht.

Während einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 6,0 Jahren starben 206 Frauen, davon 115 am Brustkrebs. Die 348 Frauen (17,0 %), die aus einer früheren Inaktivität heraus ihre körperliche Aktivität auf 7,5 MET-Stunden/Woche oder mehr steigern konnten, hatten ein um 50 % vermindertes Sterberisiko. Die von Jung ermittelte Hazard Ratio von 0,50 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,31 bis 0,82 signifikant. Auch die Brustkrebs-spezi­fische Mortalität (Hazard Ratio 0,54; 0,30 bis 1,00) und die Häufigkeit des Überlebens ohne Rezidiv (Hazard Ratio 0,58; 0,40 bis 0,84) waren signifikant niedriger, wenn die Frauen die Bewegungsziele erreicht hatten.

Für die 372 Patientinnen (18,2 %), die bereits vor der Erkrankung körperlich ausreichend aktiv waren und dies nach der Diagnose auch blieben, war ebenfalls eine Tendenz zu einer Senkung der Sterblichkeit erkennbar, die jedoch in allen 3 Endpunkten das Signifikanz­niveau verfehlte. Dies traf auch auf die 285 Patientinnen (14,0 %) zu, die nach der Diagnose weniger aktiv waren als vorher. Die übrigen 1.037 Patientinnen (50,8 %), also jede zweite, erfüllten vor und nach der Diagnose nicht die Empfehlungen des World Cancer Research Fund zur körperlichen Aktivität.

Eine genauere Zeit-abhängige Analyse bestätigte die Ergebnisse. Den größten Nutzen erzielen danach Frauen, die vor ihrer Erkrankung am wenigsten körperlich aktiv waren. Wenn diese nach der Diagnose ihre Aktivität auf mindestens 7,5 MET-Stunden/Woche steigerten, war das Sterberisiko sogar um mehr als die Hälfte niedriger (Hazard Ratio 0,43; 0,26 bis 0,72) als bei Frauen, die weiterhin inaktiv blieben.

Eine Brustkrebsdiagnose könnte deshalb für bewegungsarme Frauen eine Motivation für die Aufnahme einer sportlichen Aktivität sein. Die epidemiologische Studie kann den Nutzen jedoch nicht zweifelsfrei belegen. Es bleibt möglich, dass ein schwererer Verlauf der Erkrankung die Frauen von körperlichen Aktivitäten abgehalten hat. Dann läge eine reverse Kausalität vor. Um eine Wirksamkeit zu beweisen, wäre eine randomisierte Studie erforderlich, in der ein Teil der Frauen einem intensiven Sportprogramm zugelost würde. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

11. Juni 2020
Berlin – Nur neun Prozent der von angeborenen Herzfehlern betroffenen Kinder und Jugendlichen treiben täglich eine Stunde Sport. Bei den Herzkindern mit schweren angeborenen Herzfehlern sind es nur
Kompetenznetz: Ärzte beraten herzkranke Kinder „übervorsichtig“
10. Juni 2020
Alberta – Moderates aerobes Training kann bei älteren Erwachsenen bereits nach 6 Monaten die Hirnleistung verbessern. Das berichten Wissenschaftler um Marc Poulin von der Cumming School of Medicine an
Neue Belege für den Nutzen körperlicher Aktivität auf die Hirnleistung
5. Juni 2020
Alexandria – Die zielgerichtete Therapie mit Tucatinib zusätzlich zu Trastuzumab und Capecitabin verlängert deutlich das Überleben von Frauen mit einem metastasierten HER2-positiven Brustkrebs, die
Tucatinib verbessert Prognose des HER2-positiven Mammakarzinom auch bei Hirnmetastasen
5. Juni 2020
Alexandria – Auch mit längerer Beobachtungszeit belegt die MINDACT-Studie, dass es bei einigen Patienten mit Brustkrebs sicher möglich ist, nach dem MammaPrint-Testergebnis auf die Chemotherapie zu
Brustkrebs: Wann nach genetischem Testergebnis auf die Chemotherapie verzichtet werden kann
3. Juni 2020
Köln – Patientinnen nach der Menopause mit Hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs können von einer initiale endokrinen Therapie mit Ribociclib
Brustkrebspatientinnen könnten von Ribociclib profitieren – aber deutliche Nebenwirkungen
30. Mai 2020
Alexandria – Die Entfernung des intakten Primärtumors nach der Chemotherapie verbessert die Prognose von Frauen mit einem neu diagnostizierten metastasierten Brustkrebs nicht. Das zeigen die
Metastasierter Brustkrebs: Soll der Primärtumor nach der Chemo raus?
30. Mai 2020
Alexandria – Eine Erstlinientherapie mit Pembrolizumab zusätzlich zur Chemotherapie senkt das Risiko für Progress oder Tod beim metastasierten tripelnegativen Mammakarzinom (TNBC) mit PD-L1-Expression
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER