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Politik

500.000 Menschen erkranken jährlich neu an Diabetes

Dienstag, 12. November 2019

/dpa

Berlin – Das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, wird weithin unterschätzt. Fast 80 Prozent der Befragten, die laut eines Testergebnisses ein erhöhtes Risiko für eine Typ-2-Diabeteserkrankung aufweisen, schätzen ihr Erkrankungsrisiko selbst als gering ein. Das ergab ein bundesweiter Befragungssurvey des Robert-Koch-Instituts (RKI) und der Bun­deszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

„Die Gefahr, an Diabetes zu erkranken, wird viel zu häufig unterschätzt. Das kann schwer­wie­gende Folgen haben. Deshalb ist es wichtig, dass Diabetes früh erkannt und rechtzei­tig behandelt wird“, sagte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) anlässlich des Welt-Diabetes-Tages am 14. November.

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Das RKI hat in dazu jetzt den ersten Bericht der Nationalen-Diabetes-Surveillance („Dia­betesüberwachung“) vorgelegt. In Deutschland sind danach rund sieben Millionen Men­schen an Diabetes erkrankt, die meisten am Typ 2. Jedes Jahr erkranken mehr als 500.000 Erwachsene neu.

Insgesamt sind laut dem Bericht 9,2 Prozent der 18- bis 79-Jährigen zuckerkrank. Der An­teil der diagnostizierten Diabeteserkrankungen stieg von 1998 bis 2010 von 5 Prozent auf 7,2 Prozent. Der Anteil an unerkanntem Diabetes sank im gleichen Zeitraum von 3,4 Prozent auf 2 Prozent, was laut dem RKI unter anderem an der verbesserten Früher­kennung liegt.

Problem: Männer

Besonders problematisch sind offenbar die Männer. Der Bevölkerungsanteil der Männer mit unerkanntem Diabetes liegt laut dem Bericht bei 2,9 Prozent, derjenige der Frauen bei lediglich 1,2 Prozent, was in der Summe die Zahl von 2 Prozent ausmacht.

„Die Prävalenz des bekannten Diabetes als auch die des unerkannten Diabetes ist nach wie vor bei beiden Geschlechtern in der unteren Bildungsgruppe deutlich höher als in der mittleren oder oberen Bildungsgruppe“, schreiben die Autoren des Berichtes.

„Diabetes gehört in Deutschland und in vielen anderen Ländern zu den wichtigsten nicht übertragbaren Krankheiten und damit zu den großen Public-Health-Herausforderungen. Hier müssen wir gemeinschaftlich handeln“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler.

Der Diabetesbericht stellt Ergebnisse für vier Handlungsfelder vor: Risiken reduzieren, Früherkennung und Behandlung verbessern, Komplikationen reduzieren sowie Krank­heits­last und Krankheitskosten senken. Den Aufbau der Nationalen-Diabetes-Surveillance fördert das Bundesministerium für Gesundheit seit Ende 2015. Die Surveillance führt we­sentliche Informationen zum Diabetesgeschehen aus verfügbaren Datenquellen zu­sammen und bereitet sie auf.

Mehr Fälle von Gestationsdia­betes

Der Bericht dokumentiert einen Rückgang von Risikofaktoren wie Rauchen und Bewe­gungsmangel. Zudem gibt es weniger Folgeerkrankungen eines Diabetes wie Erblindun­gen und Amputationen. Einen Anstieg registrieren die Experten hingegen bei Schwanger­schaftsdiabetes.

Insgesamt wurde im Jahr 2017 bei 44.907 Frauen mit stationärer Ent­bindung Gestations­dia­betes festgestellt, das war ein Anteil von 5,9 Prozent. Seit 2002 stieg dieser Anteil kontinuierlich. Diese Blutzuckerstörung bildet sich bei den meisten Frauen nach der Ent­bindung zurück, erhöht aber das Risiko für Geburtskomplikationen für Mutter und Kind sowie das Risiko der Frauen, später an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Ursache für den Anstieg von Schwangerschaftsdiabetes ist demnach das steigende Durch­­schnittsalter der Mütter bei der Geburt und die Zunahme von starkem Übergewicht, was ebenfalls ein Risikofaktor ist. Zudem ist das Screening auf Schwangerschaftsdiabetes inzwischen Kassenleistung.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) mahnt anlässlich des Welttags, Patienten über 50 Jahre sollten bei einer stationären Aufnahme routinemäßig auf Diabetes ge­screent werden. „Kommen sie ins Krankenhaus, werden meist nur die Beschwerden behandelt, die unmittelbar Grund für die Einlieferung waren. Als Nebendiagnose wird Diabetes je­doch häufig nicht berücksichtigt – im Falle eines unbekannten Diabetes sogar über­sehen“, hieß es aus der Fachgesellschaft.

Für diese Patienten könnten beispielsweise eine Kortisontherapie, ein Infekt oder eine Operation schwerwiegende Folgen haben: Der Blutzucker könne entgleisen und der Pa­tient schlimmstenfalls ins diabetische Koma fallen. „Auch können dem Klinikpersonal et­waige Zusammenhänge zwischen der Erkrankung, die den Kranken­haus­auf­enthalt be­grün­det, und einem bestehenden Diabetes entgehen“, so die DGG.

Auf die Vorteile der Versorgung von Diabetikern im Rahmen von strukturierten Behand­lungsprogrammen (Disease Management Programme, DMP) wies heute die Kassenärzt­li­che Vereinigung (KV) Niedersachsen hin. „Wer an Diabetes erkrankt, bekommt nicht nur Medikamente oder Insulinspritzen verordnet, sondern muss auch seinen Alltag ändern. Deshalb ist es wichtig, Diabetiker durch qualifizierte Schulun­gen und Betreuung bei der Umsetzung zu unterstützen. Die DMP bieten hierfür den geeigneten Rahmen“, sagte Jörg Berling, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV.

Einen Selbsttest, um das eigene Krankheitsrisiko besser einzuschätzen und Diabetes besser vorzubeugen, bietet die BZgA mit Kooperationspartnern an. „Ein wichtiger Schritt zur Vorbeugung ist es, sich über das eigene Krankheitsrisiko bewusst zu werden und den Online-Test durchzuführen. Dabei werden Fragen nach Ernährungs- und Bewegungs­ge­wohnheiten, Familienanamnese und Taillenumfang gestellt“, sagte BZgA-Lei­terin Heidrun Thaiss.

Das Technologieunternehmen Withings hat anlässlich des Welt-Diabetestages anony­mi­siert erhobene Nutzerdaten von Fitnessuhren und anderen vernetzten Gesundheitspro­duk­ten ausgewertet. Der Fokus des Unternehmens lag dabei auf den Risikofaktoren Über­gewicht und körperliche Inaktivität. Das Ergebnis: Im Durchschnitt weisen 44 Prozent der deutschen Nutzer eine oder beide Risikofaktoren auf. © hil/aerzteblatt.de

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