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Onkologische Patienten brauchen Transparenz und einen Lotsen

Donnerstag, 14. November 2019

/Rido, stock.adobe.com

Berlin – Onkologische Patienten suchen häufig über Jahre viele verschiedene Ärzte und Kran­­kenhäuser auf. Doch da es im deutschen Gesundheitswesen keine durchgehende und transparente Dokumentation der erfolgten Behandlungen gebe, fehlten den weiterbehan­delnden Ärzten oft wichtige Verlaufsinformationen. Das kritisierte Johannes Bruns, Gene­ral­sekretär der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), gestern bei einer Brennpunkt-Veran­staltung der DKG in Berlin.

Sabine Richard, Geschäftsführerin des Geschäftsbereiches Versorgung beim AOK Bundes­verband in Berlin, betonte, dass die Hürden, auf die Patienten als „Grenzgänger“ zwischen den Sektoren stießen, durch die Organisation des Gesundheitssystems bedingt seien.

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Der fehlende Informationsfluss zwischen den Beteiligten im Behandlungsverlauf verhin­dere eine abgestimmte Behandlung und die Unterstützung der Patienten. Auch Jens-Peter Zacharias vom Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe, Bonn, betonte, dass es Patienten im deutschen Gesundheitswesen an „Führung“ mangele.

Deshalb „wünschen wir uns Lotsen über alle Versorgungsstufen hinweg, nicht nur behan­dlungsspezifische Speziallotsenprogramme“, sagte Richard. Wer diese Lotsenfunktion im Gesundheitswesen übernehmen sollte, darüber herrschte allerdings keine Einigkeit im Plenum.

Ideen für den Lotsen

Während der Patientenvertreter Zacharias dies durchaus dem Hausarzt zutraut, sieht Su­sanne Armbruster, die bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die Abteilung flexible Versorgungsformen und Patientenorientierung leitet, an dieser Stelle eher den Belegarzt. Er sei – wie die Patienten selbst – ebenfalls ein „Grenzgänger“ zwischen den Sektoren und könnte die Patienten durch die Versorgung führen.

DKG-Generalsekretär Bruns sieht die Aufgaben eines solchen Lotsen aber nicht nur in der medizinischen Betreuung. „Wir brauchen Leute, die auch bei der Rückkehr in den Beruf helfen oder wenn ältere Patienten zuhause alleine nicht mehr zurechtkommen.“ Deshalb müsse es eine Weiterbildung für Lotsen geben, die anschließend auch für ihre Tätigkeit bezahlt werden müssten – und dies könne dann natürlich auch der Hausarzt wahrneh­men.

Die gesetzliche Grundlage für die Einführung solcher Lotsen gebe es bereits, so Bruns. Er bezieht sich dabei auf die Möglichkeit dreiseitiger Verträge im § 115 Sozialgesetzbuch V (SGB V). Erforderlich wäre Bruns zufolge, ein Modellprojekt aufzulegen, in denen das Kon­zept eines solchen umfassenden Lotsen erprobt werde.

Digitale Hilfsmittel könnten eine lotsenähnliche Funktion übernehmen. Speziell bei der neuen Generation von Patienten, die mit entsprechenden Technologien aufgewachsen seien, ergänzte Guido Tuschen, Geschäftsführer der alanta health service GmbH. Ob Lot­sen-App, elektronische Patientenakte oder Arztinformationssystem, bislang mangelt es an digitalen Optionen. „Es muss doch möglich sein, eine elektronische Basis [für mehr Trans­parenz] zu schaffen“, kritisierte Tuschen.

Die Sektorengrenze sei eine „Dauerbaustelle“, sagte Armbruster. „Seit 20 Jahren reden wir über Versorgungskonzepte, die diese Grenze überwinden sollen.“ Gelungen sei das bisher nicht.

Tuschen ist sich allerdings sicher, dass die Frage „ambulant oder stationär“ bald keine Rolle mehr spielen wird. Der demografische Wandel und die Tatsache, dass onkologische Patienten immer länger leben, werde den Druck auf die Gesundheitsversorgung so stark erhöhen, dass die Sektoren gezwungen sein werden, zusammenzuarbeiten.

Dies zeigt sich heute in unterversorgten ländlichen Regionen Deutschlands, so Armbrus­ter. Dort könne man teils schon neue Ideen und Strukturen beobachten, um die noch vor­han­denen Ressourcen miteinander und nicht gegeneinander aufzustellen. © nec/aerzteblatt.de

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