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Medizin

Für gebrechliche Patienten gibt es keine sicheren Operationen

Freitag, 15. November 2019

/dpa

Pittsburgh – Stressarme Operationen wie die Reparatur eines Leistenbruchs und selbst sehr stressarme Eingriffe wie eine Blasenspiegelung können für gebrechliche Menschen zu einem tödlichen Risiko werden. Dies zeigt eine Kohortenstudie in JAMA Surgery (2019; doi: 10.1001/jamasurg.2019.4620).

Im höheren Alter kommt es zu einer zunehmenden Verschlechterung von körperlicher Leistungsfähigkeit, Mobilität, Ernährungszustand und kognitiven Fähigkeiten, die als Gebrechlichkeit („Frailty“) bezeichnet wird.

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Der Mangel an körperlichen Reserven führt dazu, dass akute Stressereignisse Gesundheit und Leben akut gefährden können. Zu diesen Stressoren zählen auch chirurgische Ein­griffe. Gebrechliche Menschen haben nach Operationen ein erhöhtes Sterberisiko. Der Tod könnte häufig vermieden werden, wenn auf elektive Eingriffe im hohen Alter verzich­tet würde.

Ein Team um Daniel Hall von der Universität Pittsburgh hat anhand der Daten von 432.828 Patienten der US-Veteranenbehörde untersucht, wie die Gebrechlichkeit das Ster­berisiko nach häufigen Operationen beeinflusst. Die „Frailty“ wurde mit dem Risk Analysis Index (RAI) gemessen, den die Forscher in einer früheren Publikation in JAMA Surgery (2017; 152: 175-182) vorgestellt hatten.

Der RAI bewertet neben Alter, Geschlecht und Komorbidität die Unabhängigkeit, die kog­nitiven Fähigkeiten und die Tätigkeiten im Alltagsleben mit bis zu 100 Punkten, wobei ein hoher Punktwert eine hohe Gebrechlichkeit anzeigt.

Für die aktuelle Untersuchung haben die Forscher den körperlichen Stress bewertet, der mit einer Operation verbunden ist. Dies geschah durch Befragung von Experten, die sich in einem Delphi-Prozess auf einen „Operative Stress Score“ (OSS) mit 5 Kategorien einig­ten. Zur untersten Kategorie OSS 1 gehört beispielsweise eine Zystoskopie, also eine Bla­sen­spiegelung, eventuell mit einer kleinen chirurgischen Intervention.

Für gesunde jüngere Menschen ist dies ein völlig ungefährlicher Eingriff. Menschen mit einer mittelgradigen Frailty (RAI 30 bis 39) kann die Operation jedoch überfordern. Die Sterblichkeit lag bei 1,55 % und damit über der Grenze von 1 %, ab der nicht mehr von einer harmlosen Operation gesprochen werden kann. Von den Patienten mit einem RAI-Score von 40 oder höher starben sogar 10,34 % der Patienten innerhalb eines Monats.

Eine Hernien-Operation oder einen anderen Eingriff der Stufe OSS 2 überlebten 1,85 Pa­tienten mit einem RAI von 30 bis 39 nicht. Bei einem RAI von 40 oder höher betrug die 30-Tages-Mortalität sogar 10,12 %. Auch eine Gallen-Operation (OSS 3) ist für gebrech­li­che Menschen ungleich gefährlicher als für junge, gesunde Patienten. Hall ermittelt eine 30-Tages-Sterblichkeit von 5,13 % bei einem RAI 30 bis 39 und von 18,74 % bei einem RAI von 40 oder höher.

Es handelte sich in der Kohorte um häufige elektive Operationen. Dass sie auch bei ge­brechlichen Menschen durchgeführt wurden, ist für Hall ein Zeichen dafür, dass sich viele Chirurgen der Risiken für ihre Patienten nicht bewusst sind. © rme/aerzteblatt.de

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