Medizin
Ovarialkarzinom: Zytoreduktive Chirurgie kann Leben nach Rezidiv nicht verlängern
Freitag, 15. November 2019
Houston – Eine chirurgische Zytoreduktion, die ein fester Bestandteil in der Primärtherapie des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms ist, hat sich in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2019; 381: 1929-1939) bei Patienten mit einem Tumorrezidiv als eher nachteilig erwiesen.
Das Ovarialkarzinom wird meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt, wenn der Tumor sich bereits in der Bauchhöhle ausgebreitet hat. Die primäre Behandlung besteht dann in der Entfernung aller sichtbaren Tumornester („Debulking“). Die Operation kann den Tumor zwar nicht komplett beseitigen, die Zytoreduktion verbessert jedoch die Wirksamkeit der anschließenden Taxan- oder platinbasierten Chemotherapie.
Bei mehr als 80 % der Patientinnen kommt es später dennoch zu einem Rezidiv. Die US-amerikanische Gynecologic Oncology Group hat in der Studie GOG 0213 untersucht, ob es in dieser Situation sinnvoll ist, erneut eine Zytoreduktion durchzuführen.
An Behandlungszentren in den USA, Japan und Südkorea wurden zwischen Dezember 2007 und Juni 2017 insgesamt 485 Patientinnen auf eine sekundäre chirurgische Zytoreduktion mit anschließender Platin-basierter Chemotherapie oder auf eine alleinige Chemotherapie randomisiert.
Bei zwei Drittel der Patientinnen gelang es, die Tumormassen komplett zu entfernen. Diese Patientinnen lebten nach der Operation noch 56,0 Monate. Die Patientinnen, bei denen die Zytoreduktion nicht komplett war, starben dagegen bereits nach 37,8 Monaten. Robert Coleman vom MD Anderson Cancer Center in Houston ermittelt eine Hazard Ratio von 0,61, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,40 bis 0,93 signifikant war.
zum Thema
- Abstract der Studie im New England Journal of Medicine
- Pressemitteilung des MD Anderson Cancer Center
- Registrierung der Studie
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aerzteblatt.de
Die Patientinnen könnten demnach einen Vorteil von der Operation gehabt haben. Dies war allerdings nicht der Fall. Denn die Patientinnen in der Kontrollgruppe, bei denen auf eine Zweitoperation verzichtet worden war, lebten im Durchschnitt noch 64,7 Monate (Hazard Ratio 1,03; 0,74 bis 1,46).
Hinzu kommt, dass ein Erfolg der Zytoreduktion vor der Operation kaum vorhergesagt werden kann. In der Gesamtgruppe aller operierten Patientinnen betrug die mittlere Überlebenszeit 50,6 Monate gegenüber 64,7 Monate bei den nicht operierten Patientinnen. Die Hazard Ratio auf einen Tod im Vergleich zur Gruppe der nicht operierten Patienten betrug 1,29 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,97 bis 1,72. Die Chance, dass ein Vorteil der Zweitoperation übersehen wurde, ist mithin sehr gering.
Der Nachteil der Operation bestand in einer signifikanten Abnahme der Lebensqualität und der körperlichen Funktion sowie in einer Zunahme der chirurgischen Symptome in den ersten Wochen nach der Operation. Angesichts dieser Studienergebnisse müsse der Sinn einer zweiten Zytoreduktion bei Patientinnen im Rezidiv ihres Ovarialkarzinoms in Frage gestellt werden, meint Coleman. © rme/aerzteblatt.de
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