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Medizin

Hohe Krankheitslast durch nosokomiale Infektionen

Freitag, 15. November 2019

/bilderstoeckchen, stock.adobe.com

Berlin – In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa eine halbe Million Menschen in Kran­kenhäusern an schweren Infektionen. Durch die fünf häufigsten nosokomialen Infektio­nen gehen pro Jahr eine Viertel Million gesunder Lebensjahre (DALY) verloren. Die Zahl der jährlichen Todesfälle liegt laut einer Studie in Eurosurveillance (2019; 24: 1900135) bei etwa 16.000.

Die neuen Schätzungen beruhen auf einer Punktprävalenzstudie (PPS), die das Nationale Referenzzentrum für die Surveillance nosokomialer Infektionen an der Berliner Charité 2011/2012 in einer repräsentativen Stichprobe von 46 Akutkliniken durchgeführt hat. Zur Bestätigung wurden zusätzlich willkürliche Stichproben an 132 Kliniken ausgewertet.

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In beiden Studien wurde die Zahl der 5 häufigsten nosokomialen Infektionen ermittelt, die für etwa 80 % aller Klinikinfektionen verantwortlich sind: Dies sind Clostridioides difficile-Infektionen (CDI), Pneumonien (HAP), primäre Blutbahninfektionen (BSI), Harn­wegs­in­fek­tionen (UTI) und chirurgische Infektionen (SSI). Die Inzidenzen wurden dann auf die Bevöl­kerung hochgerechnet.

Neben der Zahl der Todesfälle wurde erstmals für Deutschland auch die Krankheitslast in sogenannten Disability-Adjusted Life-Years (DALY) berechnet. Es handelt sich um die Summe der durch Krankheit und Tod verlorenen Lebensjahre.

Harnwegsinfektionen am häufigsten

Die häufigste nosokomiale Infektion waren Harnwegsinfektionen, an denen laut der PPS schätzungsweise 214.150 Personen erkrankten und die für 3.664 Todesfälle und 66.701 DALY verantwortlich waren. Es folgten HAP mit 106.586 Erkrankungen, 3.968 Todesfällen und 69.508 DALY und SSI mit 93.222 Erkrankungen, 2.328 Todesfällen und 28.842 DALY.

Etwas seltener waren CDI mit 36.002 Erkrankungen, 1.917 Todesfällen und 20.890 DALY. An einer BSI erkrankten 26.976 Personen, von denen 3.905 starben und 58.350 gesunde Lebensjahre (DALY) verloren gingen.

Es handelt sich um Schätzungen, die mit einem gewissen Unsicherheitsfaktor verbunden sind, wie an der Weite der 95-%-Konfidenzintervalle (in Klammern) zu erkennen ist. In der Summe kommen Benedikt Zacher vom Robert-Koch-Institut in Berlin und Mitarbeiter auf 478.222 nosokomiale Infektionen (421.350 bis 537.787), die zu 16.245 Todesfällen (10.863 bis 22.756) führten und 248.920 DALYs (178.693 bis 336.239) zur Folge hatten.

Interessant ist, dass der Anteil der Patienten, die während eines Kranken­haus­auf­enthaltes eine Infektion erleiden, in Deutschland mit rund 3,6 % niedriger ist als im EU-Durch­schnitt (5,5 %). Da aber in Deutschland bezogen auf die Einwohner mehr Menschen im Kranken­haus behandelt werden, liegt die Zahl der Infektionen und Todesfälle sowie der Krankheits­last über dem europäischen Schnitt.

So erkranken in Deutschland jährlich 500 bis 650 Patienten pro 100.000 Einwohner an einer nosokomialen Infektion, im EU-Durchschnitt sind es 450 bis 500 Erkrankte auf 100.000 Einwohner.

Die Reduzierung vermeidbarer Kranken­haus­auf­enthalte könnte deshalb nach Einschät­zung von Zacher neben einer verbesserten Hygiene einen wichtigen Beitrag zur Verringe­rung der nosokomialen Infektionen in Deutschland leisten. © rme/aerzteblatt.de

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