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Medizin

Studie beobachtet mehr Schlaganfälle bei trocken-warmem Wetter

Dienstag, 19. November 2019

/ BillionPhotos.com, stock.adobbe.com

Augsburg – Das Schlaganfallrisiko steigt einer Augsburger Studie zufolge bei trocken-warmen Wetterlagen an. Dies gilt allerdings nur für ischämische Schlaganfälle. Hämor­rhagische Schlaganfälle treten eher auf, wenn trocken-kalte Luftmassen vorherrschen, wie die in Cerebrovascular Diseases erschienene Studie zeigt (doi: 10.1159/000501843)

Viele Neurologen, die regelmäßig Schlaganfallpatienten betreuen, beobachten schon lange: An manchen Tagen im Jahresverlauf häuft sich das Auftreten bestimmter Schlag­anfälle. „Wir hatten die Vermutung, dass das auch mit Wettereinflüssen zu tun haben könnte“, sagt der Neurologe Michael Ertl vom Universitätsklinikum Augsburg.

In einem interdisziplinären Team untersuchten Ertl und der Klimaforscher Christoph Beck vom Lehrstuhl für Physische Geographie der Universität Augsburg knapp 18.000 Schlag­an­fallpatienten, die über 10 Jahre am Universitätsklinikum Augsburg behandelt worden waren.

Für jeden Schlaganfall ermittelten sie, welches Wetter am Tag des Ereignisses bezie­hungs­weise den 5 Tagen davor geherrscht hatte. Diese Beobachtungen ergaben diffe­ren­zierte Assoziationen mit der Häufigkeit verschiedener ischämischer sowie hämorrha­gi­scher Schlaganfälle.

Luftfeuchtigkeit und Temperatur sind von Bedeutung

Das Risiko für ischämische Schlaganfälle, denen eine Makroangiopathie zugrunde lag (MAS), stieg bei trocken-warmen Luftmassen an – unabhängig von Alter und Geschlecht, aber nur bei Patienten mit vorbestehenden Schlaganfall-Risikofaktoren. Das Risiko für hä­­morrha­gische Schlaganfälle nahm dagegen unter diesen Wetterbedingungen ab, aller­dings nur bei Männern.

Im Gegensatz dazu traten bei trocken-kalten Luftmassen bei Patienten über 65 Jahren mehr hämorrhagische Schlaganfälle auf, dafür aber weniger ischämische Schlaganfälle aller Formen. Während dies bei MAS unabhängig vom Alter des Patienten war, reduzier­ten sich Fälle von kardioembolischen und mikroangiopathischen Schlaganfällen nur bei Patienten über 65 Jahren. Auch hier spielten wieder bestehende Risikofaktoren eine Rolle: eine Assoziation war nur bei Patienten mit cerebrovaskulären Risikofaktoren nach­w­eisbar – dies allerdings unabhängig vom Geschlecht.

Feuchte Luftmassen waren im Allgemeinen – mit Ausnahme feucht-kalter Luftmassen – mit einer geringeren Schlaganfallinzidenz assoziiert.

Veränderungen der Temperatur ebenfalls mit Risiko assoziiert

Die auffälligsten Assoziationen fanden sich allerdings, wenn in den Tagen vor dem Ereig­nis trockenes Wetter herrschte, sich aber die Temperatur veränderte: Bei männlichen Pa­tienten war ein starker Temperaturanstieg in den fünf Tagen vor dem Ereignis mit einem geringeren Risiko für hämorrhagische Schlaganfälle assoziiert, während eine leichter Temperaturabfall in diesem Zeitraum den gegenteiligen Effekt hatte.

Bei Frauen zeigte sich dagegen kein Einfluss von Temperaturveränderungen auf das Risi­ko für hämorrhagischen Schlaganfall.

Steigende Temperaturen waren mit niedrigeren Risiken für MAS und kardioembolische Schlaganfälle assoziiert. Doch ein starker Temperaturanstieg in den fünf Tagen vor dem Ereignis war mit einem erhöhten Risiko für kardioembolische Ereignisse verbunden. Der Zusammenhang war in beiden Untergruppen unabhängig vom Geschlecht, doch das Risi­ko für kardioembolische Schlaganfälle war nur bei Patienten mit vorbestehenden Risiko­faktoren reduziert.

In der Untergruppe der jüngeren Patienten fand sich dagegen kein signifikanter Effekt auf MAS und kardioembolische Schlaganfälle. Bei jüngeren Patienten waren Temperaturan­stieg nur mit einem verringerten Risiko für mikroangiopathische Schlaganfälle verbun­den. Starke Temperaturabnahmen waren mit einem höheren MAS-Risiko assoziiert, spe­ziell bei Männern und älteren Patienten mit vorbestehenden Risikofaktoren.

Ergebnisse basieren auf differenzierten Wetter- und Krankheitsdaten

Ertl betonte: „Wir sind nicht die ersten, die Klima und Schlaganfallhäufigkeit im Zu­sammen­hang sehen“. Doch meisten Studien untersuchten Ertl zufolge nur wenige meteo­ro­logische Parameter wie Luftdruck und Temperatur sowie den Schlaganfall ohne nähere Definition zu einem bestimmten Zeitpunkt.

„Über die Berücksichtigung der lokalen meteorologischen Bedingungen hinaus beziehen die eingesetzten Luftmassenklassifikationen auch die großräumigen synoptischen Ver­hält­nisse wie die Bodenluftdruckverteilung über Europa in die Zuordnung zu spezifischen Wetterlagen mit ein“, erläutert Beck. „Zudem haben wir den ischämischen Schlaganfall […] in fünf weitere Subtypen unterteilt“, erklärt Ertl. In der Studie wurde außerdem die Luftmassen-Situation 2 bis 5 Tage vor dem Schlaganfall berücksichtigt.

Und: Die Ergebnisse seien auch nach Berücksichtigung der Ätiologie, des Alters, des Ge­schlechts und von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Cholesterin und Lebensgewohnheiten noch statistisch relevant gewesen. © nec/aerzteblatt.de

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