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Phase-I-Studie zur Immuntherapie des Prostatakarzinoms startet

Donnerstag, 21. November 2019

/heitipaves, stock.adobe.com

Tübingen – Wissenschaftler und Ärzte im Deutschen Konsortium für Translationale Krebs­forschung (DKTK) erproben in einer Phase-I-Studie die Immuntherapie des Prostatakarzi­noms mit einem bispezifischen Antikörper. Das DKTK vereint mehr als 20 Institutionen und Universitätskliniken an acht Standorten in ganz Deutschland.

Entwickelt haben den Antikörper Wissenschaftler um Gundram Jung vom der Abteilung Immunologie im Interfakultären Institut für Zellbiologie der Universität Tübingen. Bispe­zifische Antikörper sind Eiweißmoleküle mit zwei verschiedenen Bindungsstellen.

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Im Falle des jetzt zum Einsatz kommenden bispezifischen Antikörpers namens „CC-1“ richtet sich eine Bindungsstelle gegen das Prostata-spezifische Membranantigen, das auf der Oberfläche bösartiger Zellen des Prostatakrebses präsentiert wird. Mit dem anderen Arm heften sie sich an ein Protein, das für die Aktivierung von T-Zellen zuständig ist.

Durch Bindung des Antikörpers an beide Kontaktstellen kommt es zu einer Aktivierung der Immunabwehr. Darüber hinaus weist CC-1 die Besonderheit auf, auch an die Blutge­fäße des Tumors zu binden und vermittelt dadurch eine zweifache Antitumorwirkung.

Eine ernsthafte Nebenwirkung bislang verfügbarer bispezifischer Antikörper ist laut den Wissenschaftlern eine überschießende Aktivierung des Immunsystems: Diese verursacht das Zytokin-Freisetzungs-Syndrom (CRS).

Bei einem CRS können verschiedenste Beschwerden auftreten, hierzu gehören insbeson­dere Fieber und Kreislaufstörungen. Tritt ein CRS auf, erfolgt laut den Wissenschaftlern üblicher­weise eine Behandlung mit Tocilizumab, einem Antikörper, der die überschie­ßen­de Reaktion des Immunsystems abschwächt.

„Wir haben CC-1 in vielerlei Hinsicht optimiert, um eine unerwünschte Immunaktivierung möglichst zu vermeiden. Zudem werden wir in unserer Studie Tocilizumab erstmals be­reits vorbeugend geben, um zu verhindern, dass ein CRS überhaupt auftritt. Durch diese Maßnahmen werden die Nebenwirkungen für die Patienten verringert, sodass wirklich effiziente Dosen verabreicht werden können“, so Jung.

Das Prostatakarzinom ist bei Männern die häufigste Krebserkrankung. Wenn der Tumor metastasiert, ist das Prostatakarzinom bisher nicht heilbar. „Wir freuen uns, diesen Pa­tienten in schwieriger Therapiesituation eine neue Behandlungsoption anbieten und einen so innovativen Immuntherapieansatz in die Klinik bringen zu können“, erläutert Helmut Salih, Leiter der klinischen Prüfung. Nun wolle man prüfen, ob es gelinge, das Immunsystem des Patienten gegen die Tumorzellen des Prostatakarzinoms so gezielt zu aktivieren, dass die Erkrankung effektiv behandelt werden könnten.

Die multizentrische Erstanwendungsstudie zur Untersuchung der Sicherheit, Verträglich­keit und Wirksamkeit des bispezifischen Antikörpers CC-1 bei Patienten mit Prostatakarzi­nom wird an der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen, in der Klinischen Koopera­ti­onseinheit Translationale Immunologie sowie an weiteren DKTK Standorten in Deutsch­land durchgeführt. © hil/aerzteblatt.de

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