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Medizin

HIV: Mikrozephalie durch pränatale Exposition mit Efavirenz

Dienstag, 19. November 2019

/dpa

Boston – Nicht an HIV erkrankte Kinder, deren HIV-positive Mütter während der Schwangerschaft mit dem antiretroviralen Wirkstoff Efavirenz behandelt wurden, wiesen in einer prospektiven Kohortenstudie 2 bis 2,5-mal häufiger als andere Kinder einen zu kleinen Kopfumfang auf. Die in Lancet HIV (2019; DOI: 10.1016/S2352-3018(19)30340-6) publizierte Studie bestätigt die Teratogenität des häufig eingesetzten Wirkstoffs.

Bereits in den präklinischen Tests zu dem 1998 eingeführten nicht-nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI) Efavirenz waren Fehlbildungen bei Makaken aufgefallen. Die FDA stufte das Mittel dennoch in die Kategorie C (fetale Risiken nicht auszuschließen), die einen Einsatz in der Schwangerschaft nicht ausdrücklich untersagen.

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Erst 2005 erfolgte eine Hochstufung in die Kategorie D hoch (sichere Hinweise auf ein fetales Risiko), nachdem der Einsatz in der Frühschwangerschaft mehrfach mit Neural­rohrdefekten in Verbindung gebracht wurde. Auch danach wurde die Schädlichkeit von Efavirenz in der Spätschwangerschaft in Zweifel gezogen.

Dies führte dazu, dass 141 von 3.055 Kindern (4,7 %) der SMARTT-Kohorte pränatal mit Efavirenz exponiert wurden. Es handelt sich um eine Gruppe von Kindern, deren Mütter wegen einer HIV-Infektion in der Schwangerschaft behandelt wurden. Die Kinder werden seit ihrer Geburt regelmäßig untersucht. Dabei wird auch der Kopfumfang gemessen. Ein verminderter Umfang ist ein Hinweis auf eine Mikrozephalie, zu der es infolge einer Wachstumsstörung des Gehirns in der Fetalperiode kommt.

Wie Paige Williams von der der T. H. Chan School of Public Health in Boston und Mitar­bei­ter berichten, wiesen 14 der 141 mit Efavirenz exponierten Kinder (9,9 %) eine Mikro­zephalie, verglichen mit 142 von 2.842 Kindern (5,0 %), die pränatal nicht mit Efavirenz exponiert wurden.

Die Forscher benutzten 2 unterschiedliche Definitionen für eine Mikrozephalie. Eine Definition war ein Kopfumfang unterhalb der 2. Perzentile im Alter von 36 Monaten. Die zweite Definition zog die Wachstumskurven nach Nellhaus in jedem Alter heran.

Für die erste Definition ermittelte Williams ein adjustiertes relatives Risiko von 2,56, das mit einem 95-%-Konfidenzintervall 1,32 bis 5,77 signifikant war. Nach der zweiten Defi­nition betrug das relative Risiko 2,02 (1,16 bis 3,51). Für alle anderen untersuchten anti­retroviralen Wirkstoffe wurde kein erhöhtes Risiko gefunden. © rme/aerzteblatt.de

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