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Ärzteschaft

Reinhardt erneuert Ruf nach umfassendem Werbeverbot für das Rauchen

Dienstag, 19. November 2019

/dpa

Berlin – Die Ärzte in Deutschland dringen zum Schutz der Gesundheit weiterhin auf um­fassende Werbeverbote fürs Rauchen. „Die langwierige Diskussion um die Plakatwerbung ist trostlos“, sagte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Klaus Reinhardt, in Berlin.

Er bezeichnete es als „unverständlich“, dass Deutschland das Werbeverbot als letztes Land in der EU immer noch nicht vollständig durchgesetzt habe. Die Ärzteschaft sei ganz klar für ein generelles Tabakwerbeverbot, und zwar auch für elektronische Zigaretten. „Da kann man der Industrie nicht entgegenkommen. Rauchen ist schädlich, Punkt.“

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Die Große Koalition verhandelt seit Monaten über einen neuen Anlauf für Werbeverbote, nachdem die Union generellen Widerstand dagegen aufgegeben hat. Dabei geht es da­rum, bestehende Beschränkungen auf Plakatwerbung und Kinos auszuweiten.

Im Gespräch ist, dass sie nicht nur für klassische Tabakprodukte greifen sollen, sondern auch für E-Zigaretten. Die SPD will dies durchsetzen, dafür macht sich auch die neue Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU) stark. „Jeder weiß, dass vor allem Ju­gendliche anfällig sind für Klischeebilder der Werbung. Nicht alles, was legal ist, muss beworben werden“, sagte Reinhardt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich zuletzt auch für ein Werbeverbot ausge­sprochen und „eine Haltung“ dazu bis Jahresende in Aussicht gestellt. Im Gespräch sind inzwischen ein weitgehendes Außenwerbeverbot ab Anfang 2022 und ein Verbot bei Kinofilmen für Jugendliche ab Anfang 2021.

Verboten ist Tabakwerbung etwa schon in Radio und Fernsehen, Zeitungen und Zeit­schrif­ten. In der vorigen Wahlperiode war ein Anlauf zur Ausweitung gescheitert. Die Ziga­retten­branche argumentiert unter anderem, ein vollständiges Verbot wäre ein unverhält­nismäßiger Eingriff in die Werbefreiheit. Maßgebend für den Rauchbeginn von Minder­jährigen sei das Rauchverhalten in Freundeskreis und Familie.

In der Debatte über den Umgang mit illegalen Drogen lehnte der BÄK-Präsident eine Frei­gabe von Cannabis ab. Er sei „definitiv gegen eine Liberalisierung“, sagte Reinhardt. „Das ist eine Droge, die ein Suchtpotenzial hat.“ Es gebe auch Forschungsbelege dafür, dass regelmäßiger Konsum vor Abschluss der Hirnreifung zu erheblichen Beeinträchti­gun­gen wie Konzentrationsstörungen führe. „Es gibt keinen Grund, noch eine weitere Droge zuzulassen.“

Reinhardt warb für das Engagement von Ärzten bei Substitutionsbehandlungen mit He­roin-Ersatzstoffen. Die Aufgabe sei nicht immer einfach. Rahmenbedingungen würden teils schwieriger, ärztlicher Nachwuchs fehle.

„Ich halte es aber für sehr wichtig und notwendig, Kollegen weiter für die Substitutions­be­handlung zu motivieren“, sagte Reinhardt. „Das ist ein Thema, um das wir uns küm­mern müssen.“ Die Drogenbeauftragte Ludwig hatte dazu aufgerufen, auch die „nächste Generation der Ärzteschaft“ für solche Angebote zu gewinnen. © dpa/aerzteblatt.de

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