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Chefarzt von Weizsäcker bei Vortrag in Berlin erstochen

Mittwoch, 20. November 2019

/picture alliance

Berlin – Ein Angreifer hat in Berlin den Chefarzt der Abteilung Innere Medizin I an der Schlosspark-Klinik in Berlin erstochen. Es handelt sich um Fritz von Weizsäcker, den Sohn des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Ein weiterer Mann wurde bei dem Angriff schwer verletzt.

Fritz von Weizsäcker sei gestern Abend während eines Vortrags in der Schlosspark-Klinik im Stadtteil Charlottenburg angegriffen worden, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei. Trotz sofortiger Wiederbelebungsmaßnahmen sei er noch vor Ort verstorben. Ein Tatver­dächtiger wurde festgenommen.

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Ein Polizist, der die Veranstaltung privat besucht hatte, habe den Angreifer aufhalten wollen und sei dabei schwer verletzt worden. Die Polizei bestätigte heute Morgen, dass der Tatverdächtige 57 Jahre alt ist und der Polizei bislang unbekannt war.

„Das Tatmittel war ein Messer“, sagte eine Polizeisprecherin. Der 57-Jährige soll noch heute einem Haftrichter vorgeführt werden. Der Vortrag war den Angaben zufolge öffent­lich und konnte nach Anmeldung besucht werden. Die Polizei leitete Ermittlungen wegen Mordes ein.

Wie Ermittler heute am Abend mitteilten, soll der Täter es offenbar auf die Familie von Weizsäcker abgesehen haben. Der Mann soll „eine akute psychische Erkrankung“ haben und in eine Klinik kommen. Die Staatsanwaltschaft spracht von einer „wohl wahnbeding­ten allgemeinen Abneigung des Beschuldigten gegen die Familie des Getöteten“.

Der Angreifer soll die Tat geplant haben. Im Internet stieß der Mann auf den Vortrag, kauf­te sich in Rheinland-Pfalz ein Messer und fuhr mit der Bahn nach Berlin, so der der­zei­tige Stand der Ermittlungen. Gegen Ende des Vortrags sei der Täter auf das Podium gegangen und habe den Redner attackiert.

Ärzte und Kollegen betroffen

Ärzte und Weggefährten von Weizsäckers zeigten sich heute entsetzt. „Eine solch grau­sames Gewaltverbrechen lässt uns alle mit der Frage nach dem ,Warum?' zurück“, erklärte der Präsident der Berliner Ärztekammer, Günther Jonitz. Man trauere um einen „engagier­ten Kollegen“, der seit Jahren in verschiedenen Gremien in der Ärzte­kammer aktiv gewe­sen sei.

„Wir haben mit großer Bestürzung den Angriff auf unseren Kollegen, Prof. Dr. Fritz von Weizsäcker, zur Kenntnis nehmen müssen“, sagte Klaus Reinhardt, Präsident der Bundes­ärztekammer. „Unsere Gedanken sind bei beiden Opfern dieser abscheulichen Tat sowie bei ihren Angehörigen.“

Die Universitätskli­nik Charité zeigte sich „zutiefst erschüttert“ und betonte, die Tat sei während eines Vor­trags für Laienpublikum geschehen und damit in einem Kontext, wie er auch an der Cha­rité alltäglich sei, teilte der Klinikvorstand mit.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihr Beileid bekundet. „Es ist ein entsetzli­cher Schlag für die Familie von Weizsäcker, und die Anteilnahme der Bundeskanzlerin, sicher auch der Mitglieder der Bundesregierung insgesamt, gehen an die Witwe, an die ganze Familie“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert heute in Berlin.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) betonte, sie verurteile Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte und Pflegekräfte „aufs Äußerste“. Dass Menschen, die anderen helfen und Leben retten, so etwas passiere, erschüttere sie besonders.

Bereits kurz nach der Tat hatte FDP-Chef Christian Lindner im Kurzbotschaftendienst Twitter seine Trauer über den Tod von Fritz von Weizsäcker mitgeteilt. „Mein Freund Fritz von Weizsäcker wurde heute Abend in Berlin erstochen. Ein passionierter Arzt und feiner Mensch. Neulich noch war er bei uns zuhause zum Grillen. Ich bin fassungslos und muss meine Trauer teilen. Einmal mehr fragt man sich, in welcher Welt wir leben.“

Die Berliner Schlosspark-Klinik hat nach eigenen Angaben ein Kondolenzbuch ausgelegt. „Alle Mitarbeiter haben die Möglichkeit, in einem geschützten Raum ihre Betroffenheit zum Ausdruck zu bringen“, teilte die Klinik mit.

Von Weizsäckers Kollegin, der Berliner Charité-Professorin Britta Siegmund, geht die Tat nahe. Es sei schon der zweite Kollege, den sie auf diese Weise verliere, sagte Siegmund. Eine Sicherheitsdebatte zu führen, hält sie derzeit aber nicht für sinnvoll. „Wir wissen jetzt zu wenig, was passiert ist.“ Erst einmal seien die Gedanken bei der Familie.

Im Sommer 2016 hatte ein 72 Jahre alter Patient an der Charité einen Mediziner er­schossen und sich danach selbst getötet. Der 55 Jahre alte Kieferorthopäde hatte den Mann lange behandelt. Damals war das Motiv des Täters wohl Verzweiflung. Die Charité bekräftigte danach, dass Sicherheitskontrollen an Krankenhäusern unrealistisch seien – die Häuser müssten für Patienten, Angehörige, Mitarbeiter und Studenten offen sein.

Der 59-Jährige Weizsäcker war seit 2005 Chefarzt der Abteilung Innere Medizin I an der Schlosspark-Klinik. Von 1979 bis 1987 studierte er Humanmedizin in Bonn und Heidel­berg. Es folgten Stationen in Freiburg, Boston und Zürich, wie es auf der Webseite der Schloss­park-Klinik heißt. Weizsäckers Vater, Richard von Weizsäcker, war von 1984 bis 1994 Bundespräsident und zuvor unter anderem Bundestagsabgeordneter für die CDU sowie Regierender Bürgermeister von Berlin. © afp/dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 20. November 2019, 22:06

Zum Tod vom Professor Dr. med. Fritz von Weizsäcker

Die Nachricht von dem gewaltsamen Tod des hochverdienten Arztes, Therapeuten, Forschers, Wissenschaftlers und empathischen Menschen Professor Dr. med. Fritz von Weizsäcker erschüttert mich zutiefst. Die Umstände eines wohl heimtückischen und grausamen Mordes machen besonders betroffen, weil in meinem direkten Umfeld schon so viele Ärztinnen und Ärzte (z.B. Prof. Dr. med. Bremer, Augusta-Krankenanstalten in Bochum) umgebracht wurden.

Erschreckend ist eine gesellschaftliche Tendenz, Konflikte, aber auch Meinungsführerschaft mit Gewalt gegen Menschen eskalieren zu lassen. Konkretes Beispiel dafür ist ein anonymer Leserbrief im Deutschen Ärzteblatt zu
Gewalt gegen Ärzte: Gewappnet für den Ernstfall
Dtsch Arztebl 2018; 115(35-36): A-1524 / B-1284 / C-1276 von Schmitt-Sausen, Nora.
Dazu formulierte ein gewisser " rrrppp" ebenso infam wie verklausuliert am Sonntag, 16. September 2018, 19:46
"Super Ideen - Wieder so ein Artikel der Ross und Reiter nicht benennt.
Wenn Sie in Deutschland wirklich Probleme lösen wollen, müssen sie die Ursachen benennen.
Solange Sie mehr Angst vor der Wahrheit als Angst vor Schlägen haben, ist noch Luft nach oben." (Zitat Ende)

Ärztinnen und Ärzte müssen in Deutschland leider mit Allem rechnen...

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

P.S.: Von wegen "Privatklinik"
Ich habe dem WDR die folgende Richtigstellung formuliert. Gesendet: Mittwoch, 20. November 2019 08:40
An: Internet Redaktion
Betreff: Kontakt zum WDR
Betreff = [Nachrichten um 07:00 Berliner Schlossparkklinik sei eine "Privatklinik"]
Nachricht = Die Nachrichten, von mir auf WDR 4 um 07:00 selbst gehört, berichteten, die Berliner Schlossparkklinik sei eine "Privatklinik".
Dazu stelle ich fest: Die Schlosspark-Klinik ist ein 1970 eröffnetes allgemeines Krankenhaus der Akut- und Regelversorgung mit Notaufnahme in privater Trägerschaft im Berliner Ortsteil Charlottenburg. Mit ihrer Eröffnung am 6. November 1970 stand sie damals wie heute im Berliner Krankenhausplan auch allen gesetzlich Versicherten zur Verfügung.
Ich selbst habe in Berlin von 1972-1975 Medizin studiert und wurde u. a. auch in der Schlosspark-Klinik ausgebildet.
Ich möchte Sie höflichst bitten, nicht den Eindruck zu erwecken, hier sei ein Chefarzt in einer exklusiven "Privatklinik" erstochen worden. Es handelt sich um ein allgemeines Krankenhaus der Akut- und Regelversorgung mit Notaufnahme in privater Trägerschaft.
Sollten Sie dem nicht nachkommen, behalte ich mir weitere Schritte vor.
Dr. med. Thomas G. Schätzler, Facharzt für Allgemeinmedizin
Kleppingstr. 24
44135 Dortmund
Telefon 0231-523002...
Avatar #717425
Dr. Hakem Fnaikh
am Mittwoch, 20. November 2019, 19:59

Hakem Fnaikh

Mein herzliches Beileid
Avatar #743305
Maddy0466
am Mittwoch, 20. November 2019, 19:06

Ich bin zutiefst erschüttert!!

Meine sehr Damen und Herren auch von der Charité !!

Hiermit möchte ich meine aus dem tiefen meines Herzens kommend, mein Beileid für die Familie, Freunde, sowie Bekannte aussprechen. Mich bewegt dies zutiefst, das ein so charmanter sympathischer Mensch und Arzt einfach so aus dem Leben gerissen wurde. Wenn man selbst als Patientin sehr viel mit ÄrzteInnen zutun hat, wie es bei mir der Fall ist, bewegt einem dies wohl noch mehr. In was für eine Welt leben wir, wo andere Menschen, einen Menschen einfach so das Leben nimmt, nur weil er die Familie nicht leiden kann. Wissen Sie was für mich dass aller Schlimmste in dieser Tragödie ist? Das niemand mehr sicher ist, welcher mit anderen Menschen zutun hat. Dies brennt in meiner Seele ganz besonders schlimm.
Avatar #714311
Fractal
am Mittwoch, 20. November 2019, 15:44

erschüttert

Macht mich tief betroffen.
Ein ähnliches Verhalten, wie vom Täter berichtet wird, ist mir bekannt von Menschen mit schizophrenen Psychosen. Zur Zeit begutachte ich Menschen mit schizophrenen Psychosen, denen Tötungsdelikte bzw. versuchte Tötungsdelikte zur Last gelegt werden. Mich erinnert der Fall an das Attentat, das die an einer schizophrenen Psychose leidende Adelheid Streidel 1990 an Oskar Lafontaine verübt hat. Die wahnhafte Idee, jemanden zu töten, beherrscht das Denken der Erkrankten. Die Versorgungssituation psychisch Erkrankter gerät in den Fokus.
LNS

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