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Medizin

Studie findet keine Hinweise auf kognitive Störungen im Alter durch Statineinnahme

Mittwoch, 20. November 2019

/roger ashford, stock.adobe.com

Sydney – Die regelmäßige Einnahme von Statinen hat in einer prospektiven Beobach­tungsstudie die kognitiven Fähigkeiten von älteren Patienten nicht beeinträchtigt. Bei Patienten mit Herzerkrankungen kam es sogar zu Verbesserungen in Gedächtnistests. Die im Journal of the American College of Cardiology (2019; 74: 2554-2568) vorgestellten Er­gebnisse stehen im Gegensatz zu den Sorgen vieler Patienten, die durch eine Warnung der US-Arzneimittelbehörde FDA ausgelöst wurden.

Im Februar 2012 hatte die FDA in einer Drug Safety Communication auf mögliche kogni­ti­ve Beeinträchtigungen durch Statine hingewiesen. Die Warnung beruhte vor allem auf Fall­berichten, in denen es nach dem Beginn der Behandlung zu einem plötzlichen Leis­tungs­abfall gekommen war.

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Auch in den deutschen Fachinformationen wird auf diese Störungen hingewiesen, die zwar selten (und nach dem Absetzen der Statine reversibel) sind, jedoch offenbar Patien­ten stark verunsichern und ein häufiger Grund für einen Abbruch der Behandlung sind.

Ein Team um Katherine Samaras von der University of New South Wales in Sydney hat in den vergangenen Jahren die Auswirkungen von Statinen auf die kognitiven Leistungen an den Teilnehmern der Sydney Memory and Ageing Study untersucht.

Die 1.037 Teilnehmer (zu 98 % mit europäischen Vorfahren) waren zu Beginn der Studie zwischen 70 und 90 Jahre alt: 395 Personen hatten noch niemals Statine eingenommen. Die übrigen 642 Personen nahmen die Lipidsenker zu Studienbeginn ein oder begannen im Verlauf der Studie damit. Die durchschnittliche Einnahmedauer betrug 9 Jahre.

Bei den Teilnehmern wurden alle 2 Jahre ausführliche neuropsychologische Tests durch­ge­führt. Darunter waren 5 Gedächtnistests zur Lernfähigkeit und zum Kurz- und Langzeit­gedächtnis, letztere mit verbalen und visuellen Aufgaben.

Weitere Tests zu den globalen kognitiven Fähigkeiten bewerteten Gedächtnis, Reaktions­ge­schwindigkeit, Sprache, visuelle Fähigkeiten und exekutive Funktionen. Bei 529 Teil­neh­mern wurde auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Schädels durchgeführt, die bei 408 Teilnehmern 2 Jahre später wiederholt wurde.

Wie Samaras berichtet, gab es während der 6 Beobachtungsjahre keine großen Unter­schie­de zwischen den Statinanwendern und Nichtanwendern. In beiden Gruppen kam es zu einer langsamen altersbedingten Verschlechterung. Patienten mit Herzerkrankungen scheinen in den Gedächtnistests etwas langsamer abzubauen, wenn sie mit Statinen be­handelt werden. Das gleiche wurde bei Trägern des Apolipoprotein-Eε4-Allels beobach­tet, die ein genetisch erhöhtes Demenzrisiko haben.

Auch in der Gehirngröße im MRT wurden keine wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gefunden. Wie immer in epidemiologischen Studien lassen sich Ver­zerrun­gen nicht ganz ausschließen. Die etwas besseren Ergebnisse, die für Statinanwen­der in einigen Tests gefunden wurden, könnten sich dadurch erklären, dass diese Senio­ren auch in anderen Aspekten verantwortungsvoller mit ihrer Gesundheit umgehen. © rme/aerzteblatt.de

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