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Politik

Kabinett beschließt Pflegekammer in Nordrhein-Westfalen

Mittwoch, 20. November 2019

/dpa

Düsseldorf – Das Landeskabinett in Nordrhein-Westfalen (NRW) hat die Errichtung einer Pflegekammer beschlossen. Das teilte Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann heute mit.

Ein Gesetzentwurf soll noch in diesem Jahr in den Landtag eingebracht werden. Die Lan­des­regierung will die Pflege­kammer mit einer Anschubfinanzierung in Höhe von fünf Millionen Euro über drei Jahre unterstützen.

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Nach den Plänen des Ge­sund­heits­mi­nis­ters wird die Pflegekammer durch einen Errich­tungsausschuss aufgebaut, der sich aus Pflegefachkräften zusammensetzen soll. Diese sollen alle Aufbauarbeiten vornehmen, bis dann voraussichtlich im Januar 2022 die erste Kammerversammlung zusammentritt.

„Die Zeiten, in denen die Pflege nur am Katzentisch über ihre eigenen Belange mitbera­ten durfte, müssen endlich der Vergangenheit angehören“, sagte Laumann heute. Er hoffe auf eine breite Zu­stimmung im Landtag. Das wäre „ein klares Signal an die Beschäftigten in der Pflege“.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass die Pflegekammer – vergleich­bar mit etwa der Ärzte­kammer – als weitere Heilberufskammer gesetzlich verankert wird. Damit sollen ihr wich­tige Aufgaben übertragen werden, hieß es aus dem Ministerium.

Dazu gehörten et­wa die Entwicklung einer Berufsordnung, von Qualitätsrichtlinien sowie die Zustän­dig­keit für die beruflichen Fort- und Weiterbildungen. Die Kammer soll auch in wichtigen Gremien – wie der Landesgesundheitskonferenz oder dem Landesausschuss für Krankenhausplanung – sitzen. Perspektivisch sollen der Kammer auch die Aufgaben zur Ausbildung in den Pflegeberufen übertragen werden.

Pflegekammern sind in Deutschland nicht unumstritten. In einigen Bundesländern wie Niedersachsen und Schleswig-Holstein gibt es Widerstand der Pflegekräfte gegen eine Verkammerung. Sie sehen die Vorteile nicht und wehren sich gegen eine Zwangsverbeitragung. © may/aerzteblatt.de

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Avatar #767410
Systemkritiker
am Freitag, 22. November 2019, 07:22

Begrüssenswert und wichtig

Dass Pflegefachkräfte sich in einem staatlichen Gremium organisieren, ist längst überfällig. Sie haben soviel Expertise und Einfluß auf die erfolgreiche Gesundheitsversorgung in unserem Land, dass sie eine Grundsäule der Gesundheitsversorgung an sich darstellen und die Gesundheitsversorgung an sich überhaupt erst ermöglichen. Daher ist es für ihre Profession gut und wichtig, sich zu verkammern und somit im Gesundheitssystem gegenüber anderen einflußreichen Akteuren zu vertreten. Jahrzehntelang wurde von Gesetzgebern, Verwaltungschefs und Ärzten über sie verfügt, die Fachlichkeit auf Essen anreichen, Körperpflege und hauswirtschaftliche Versorgung reduziert. Pflegefachkräfte können aber viel mehr. Die Pflegekammer bietet den Pflegefachkräften endlich die Möglichkeit, ihre fachlichen Bedingungen im Spielfeld der Gesundheitssystems mitzubestimmen bzw. selbstzubestimmen. Sich diese Chance entgehen zu lassen, um sich weiterhin in die Dienerschaft von Arbeitgeberverbänden zu stellen, wäre fatal. Wichtig ist, sich auch gewerkschaftlich zu organisieren: Nur die Gewerkschaft kann die arbeitsrechtlichen Bedingungen verbessern. Beides, sowohl ihre Fachlichkeit als auch Arbeitsbedingungen haben Pflegefachkräfte in den letzten Jahrzehnten freiwillig in die Hände anderer gelegt und die Geschicke ihres Berufsstandes damit quasi der Willkür überlassen. Und die Pflegekammer tut keinem Weh, weder dem Portmonaie von Pflegefachkräften (diskutiert werden +/- 5€ im Monat?!?) noch der Fachlichkeit, noch der Selbstbestimmung von Kammerangehörigen. Im übrigen sollten Gewerkschaften mit der Kammer zusammenarbeiten für eine starke Pflege, und nicht hingehen und die Berufsgruppe spalten. Es geht nicht um Ideologien oder Glaubensbekenntnisse, was denn nun besser ist oder nicht, sondern einach nur um die Stellung einer vernachlässigten Berufsgruppe in unserer Gesellschaft. Pflegefachkräfte haben es verdient, dass alle Interessensvertretungen für ihre Belange an einem Strang ziehen.

Fazit: Aktiv die Kammer unterstützen und für die Profession einstehen, in die Gewerkschaft eintreten um Löhne und Arbeitsbedingungen zu verbessern und sich wundern, was auf einmal in diesem Land mit einer Pflegeausbildung alles möglich ist und wie das Ansehen steigt. Warum also nicht einfach mal machen und gucken, was passiert? Bewerten sollte man die Arbeit der Pflegekammer dann anhand objektiver Kriterien in der Rückschau.
Avatar #786217
Tbline67
am Donnerstag, 21. November 2019, 18:36

Nachtrag

Werte/r Siefma !
Bisher haben also alle 200000 Pfelgekräfte Ihren Job nicht richtig gemacht? Peinliche Aussage und ein Schlag ins Gesicht aller Pflegefachkräfte ! Sie sollten sich schämen !
Avatar #786217
Tbline67
am Donnerstag, 21. November 2019, 18:33

Und wieder eine überbordende Verwaltung

Das wirklich Gute ist, dass NRW die Kammer anschubfinanziert. Was den abhängig Beschäftigten allerdings die Kammer wirklich bringen soll, ist fraglich. Ein Blick nach RLP hätte genügt um zu erkennen, dass die Kammer bisher genau NICHTS gebracht hat. Doch... ab sogort gibt es einen • Fahneneid“ auf die Pflege. In NDS ist die Angestellte des DBfK , Frau Mehmecke, als Präsidentin inthronisiert. Leider schaut die Politik auch hier bei diesem Nepotismus gerne weg.
Avatar #799440
siefma
am Donnerstag, 21. November 2019, 14:42

Überfällig und gut für das Gesundheitswesen

Was für Ärzte selbstverständlich ist, die Selbstbestimmung innerhalb der Berufsausübung, wird so auch endlich der größten Berufsgruppe im Gesundheitswesen zuteil. Wenn alle ernsthaft dahinter stehen, wird eine Begegnung auf Augenhöhe ermöglicht und somit die Qualität der Patientenversorgung langfristig erhöht - bravo NRW!
LNS

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