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Kostendruck bei Implantaten gefährdet Therapie

Donnerstag, 21. November 2019

/denissimonov, stock.adobe.com

Berlin – Vor einem zunehmenden Kostendruck bei Implantaten hat die Deutsche Gesell­schaft für Endoprothetik (AE) gewarnt. Grund dafür sei eine sinkende Vergütung der Sach­kosten durch die gesetzliche und privaten Kran­ken­ver­siche­rung im Rahmen der diagnose­bezogenen Fallpauschalen (DRG).

„Wer ein Ersatzgelenk von Hüfte oder Knie benötigt, sollte das auf sein Alter, seine Ge­sund­heit und Lebensumstände zugeschnittene Implantat erhalten“, erläuterte die Fachge­sellschaft. Doch insbesondere Fachkliniken, die sich auf die Versorgung mit Endoprothe­sen spezialisiert hätten, gerieten mit diesem patientenbezogenen und auf Langfristigkeit angelegten Ansatz zunehmend unter Kostendruck.

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Der AE geht es besonders um jüngere Patienten, die besonders langlebige Implantate erhalten sollten. Von den knapp 240.000 Patienten, die im Jahr 2018 beispielsweise eine Hüftprothese erhalten haben, war laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes etwa jeder sechste jünger als 60 Jahre, die entspricht 38.500 Patienten.

Zu den Ursachen gehören Verschleiß durch Leistungssport, starkes Übergewicht, Rheuma oder eine Fehlbildung des Gelenks. Benötigt ein jüngerer, mobiler Patient eine künstliche Hüfte, ist laut der AE vor allem die lange Haltbarkeit wichtig.

Unterschiede nicht in der Bezahlung

„Von besonderer Bedeutung ist hier die sogenannte Gleitpaarung aus der künstlichen Ge­lenkpfanne und der Gelenkkugel. Die verwendeten Materialien sollten möglichst rei­bungs­arm sein. Dann nämlich erzeugen sie weniger Abrieb und halten länger“, erläutert der AE-Experte Karl-Dieter Heller, Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisa­beth Hospital in Braunschweig.

Demgegenüber reiche für Ältere meist die Standardversorgung, so der Vizepräsident der AE. Gemessen an ihrer statistisch gesehenen Restlebenserwartung kommen bei ihnen laut der Fachgesellschaft eventuelle Nachteile einer preiswerteren Kombination nicht mehr zum Tragen. Der Preisunterschied zwischen der Standardversorgung und der abrieb­festeren Lösung könne bis zu 1.000 Euro betragen.

„Entscheiden wir uns zum Wohl des Patienten für eine teurere Lösung, zahlen wir drauf“, kritisierte Heller. Denn im deutschen Fallpauschalensystem erhielten Kliniken immer den gleichen Betrag für den Eingriff – und die erstatteten Sachkosten für Prothesen seien auf einem Tiefpunkt angelangt.

„Die Fallpauschalen für Hüft- und Knieprothesen unterscheiden nicht nach hochwertigen oder weniger hochwertigen Materialien, modernen oder länger auf dem Markt befindli­chen Implantaten, ebenso wenig wie nach jungen und alten Patienten“, so der Orthopäde und Unfallchirurg.

Der Erstattungsbetrag orientiere sich vielmehr am Mittelwert der Kosten aller einkaufen­den Kliniken. „Dies führt langfristig dazu, dass man eine schwarze Null nur erwirtschaften kann, wenn man weniger Sachkosten einsetzt als im Durchschnitt. Ein gefährlicher Keller­treppeneffekt“, warnte Heller. Spezialisierte Fachkliniken sind laut AE von der Unterfinanzierung besonders betroffen. Sie könnten die Verluste nicht durch anderweitige Leistungen abfedern.

Heller spricht sich deshalb für einen Zentrums- und Qualitätszuschlag aus: „Es darf nicht darum gehen, bei der Erst-Operation durch eine günstige Standardversorgung vermeint­lich zu sparen. Das Ziel sollte vielmehr sein, von vorneherein eine langfristig gute Quali­tät zu liefern. So vermeiden wir auch die Folgekosten durch zweitbeste Lösungen. Das ist auch volkswirtschaftlich gesehen besser“, so der Experte. © hil/aerzteblatt.de

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