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Medizin

Cenobamat kann Anfallsfreiheit bei fokalen Epilepsien erzielen

Montag, 25. November 2019

Zwei Ärzte betrachten ein MRT eines Gehirns. /okrasyuk adobe.stock.com
Eine Epilepsie kann genetisch bedingt sein. Aber auch Tumore, Vernarbungen nach Schädel-Hirn-Trauma oder Schlaganfall, sowie kleine angeborene Defekte der Hirnrinde gehören zu den Ursachen des Anfallsleidens. /okrasyuk adobe.stock.com

Silver Spring – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat ein neues Antiepileptikum zugelassen. Der Wirkstoff Cenobamat erzielte bei Patienten mit schwer therapierbaren fokalen Anfällen bei etwa jedem 5. Patienten eine Anfallsfreiheit, wie die in Lancet Neurology (2019; doi: 10.1016/S1474-4422(19)30399-0) vorgestellten Ergebnisse zeigen.

Cenobamat (YKP3089) ist eine Entwicklung von SK Life Science, einer Tochter des südkoreanischen Herstellers SK Biopharmaceuticals. Der Wirkungsmechanismus von Cenobamat ist nicht vollständig geklärt. Laut dem Hersteller wird einmal der spannungsgesteuerte Natriumstrom an der Membran gehemmt, was eine wiederholte Erregung der Neuronen verhindert. Zum anderen soll Cenobamat die GABA-A-Rezeptoren inhibitorischer Neurone stimulieren. Beides könnte die unkontrollierte Übererregung von Neuronen verhindern, die den meisten Epilepsien zugrunde liegt.

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Die Effektivität von Cenobamat wurde in 2 klinischen Phase 2-Studien an Patienten mit fokaler Epilepsie untersucht. An der Studie 013 nahmen 222 erwachsene Patienten mit fokalen Anfällen teil, die unter einem bis drei früheren Wirkstoffen keine Anfallsfreiheit erreicht hatten. Die Dosis von Cenobamat wurde in den ersten 6 Wochen der Studie langsam auf 200 mg/die erhöht. Unter dieser Tagesdosis wurde die Anfallshäufigkeit in den folgenden 12 Wochen um 56 % reduziert gegenüber einer Reduktion um 22 % unter einer Placebo-Behandlung. Insgesamt 28 % der Patienten blieben während der gesamten 12 Wochen anfallsfrei (gegenüber 9 % in der Placebo-Gruppe)

An der Studie 017, die dieser Tage publiziert wurde, nahmen 437 erwachsene Patienten teil, die unter wenigstens einem früheren Mittel keine ausreichende Reduktion ihrer fokalen Anfälle erreicht hatten. Nach einer 6-wöchigen Titrationsphase wurden sie über 12 Wochen mit 100 mg, 200 mg, 400 mg Cenobamat oder mit Placebo behandelt.

Jeder 5. Patient anfallsfrei unter 400-mg-Tagesdosis

Wie Gregory Krauss von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore und Mitarbeiter berichten, kam es unter der Tagesdosis von 200 mg bei 56 % der Patienten zu einem Rückgang der Anfallsfrequenz um mindestens 50 %. Unter der höheren Dosierung von 400 mg/die erreichten 64 % dieses Therapieziel. Unter der 200 mg-Tagesdosis blieben 11 % und unter der 400 mg-Tagesdosis 21 % der Patienten anfallsfrei (gegenüber 1 % der Patienten in Placebo-Gruppe).

Die FDA überzeugten die Ergebnisse der beiden Studien, so dass sie Cenobamat noch vor Abschluss der laufenden Phase 3-Studie zuließ. Die empfohlene Erhaltungsdosis beträgt 200 mg/die. Eine Erhöhung auf 400 mg/die ist möglich, wenn die Patienten das Medikament vertragen.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen, die in den Studien zu mindestens 10 % häufiger auftraten als unter Placebo, gehören Schläfrigkeit, Schwindel, Müdigkeit, eine Diplopie und Kopfschmerzen. Zu den möglichen schweren Komplikationen der Behandlung zählt ein DRESS-Syndrom („Drug Reaction with Eosinophilia and Systemic Symptoms“), an dem in den Studien ein Patient starb. Bei diesem Patienten war Cenobamat relativ schnell auftitriert worden. In einer offenen Sicherheitsstudie ist es unter 1.339 Patienten unter einer langsamen Titration in keinem Fall zu einem DRESS-Syndrom gekommen, was allerdings nach Ansicht der FDA keine Gewähr dafür ist, dass eine langsame Titration die schwere Komplikation sicher vermeidet.

Eine weitere Komplikation ist eine QT-Verkürzung, weshalb das Mittel nicht bei Patienten mit einem Kurzen QT-Syndrom in der Familie eingesetzt werden darf. © rme/aerzteblatt.de

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