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Politik

Drogenbeauftragte will bessere Vernetzung der Hilfen für Suchtkranke

Montag, 25. November 2019

/monticellllo, stock.adobe.com

Berlin – Die Kommunen spielen bei der Betreuung Suchtkranker eine wichtige Rolle, die erhalten bleiben muss. „Wir müssen sicherstellen, dass die Suchthilfe und Beratung, die Prävention und Hilfe in den Kommunen auch in Zukunft funktionieren“, sagte die Drogen­beauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig heute bei ihrer Jahrestagung in Berlin. „Sucht im Fokus – Kommunen engagiert vor Ort“ lautete der Titel der Veranstaltung.

Es gehe immer darum, „Menschen aus der Sucht zu helfen und sie gesünder zu machen“, betonte Ludwig. Und das in Bezug auf die Prävention von Alkohol- und Zigarettenkonsum ebenso wie in Bezug auf illegale Drogen oder die Internetsucht.

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„Die Kommunen sind wichtig, weil Sucht meist auch verknüpft ist mit anderen Problem, die die Familie ebenso wie Schule und Beruf betreffen“, sagte auch Bundesgesundheits­mi­nister Jens Spahn. Seiner Ansicht nach muss der öffentliche Gesundheitsdienst gestärkt werden.

Aber auch der Jugendschutz in Gaststätten, Clubs oder Supermärkten müsse ernster ge­nommen werden: „Falschparker werden bei uns besser kontrolliert als die Einhaltung des Jugendschutzes – die regelhafte Kontrolle, wie in den USA an der Tagesordnung, muss auch in Deutschland normal werden“, forderte der Minister.

Spahn will ideologiefreie Diskussion zu Cannabis

Zur Frage der kontrollierten Abgabe von Cannabis zum Freizeitkonsum von über 18-Jähri­gen warb Spahn „für eine Diskussion ohne ideologische Scheuklappen“. „Warum ist Alko­holkonsum erlaubt und Cannabiskonsum nicht?“, fragte der Minister.

Diese Frage müsse gestellt werden dürfen. Nicht unterschätzt werden dürfen laut Spahn die gesundheitlichen Risiken des Cannabiskonsums, der am häufigsten konsumierten illegalen Droge. Auf der anderen Seite stehen die Forderungen nach Entkriminalisierung der Konsumenten, verbunden mit dem Argument, dass dann Prävention und Hilfen für die Betroffenen möglich seien.

„Wir müssen uns anschauen, welche Erfahrungen andere Länder mit der Legalisierung ge­macht haben“, sagte Spahn. Die Drogenbeauftragte hatte sich bisher noch nicht auf eine Position zu dem Thema festgelegt, warb aber auch für eine ideologiefreie Diskussion.

Suchtberatung zu polytoxischem Konsum

Nach Angaben der Drogenbeauftragten Ludwig nehmen die Fälle in den örtlichen Sucht- und Drogenberatungsstellen nicht nur zu. Die Berater werden demnach auch zunehmend mit polytoxischem Konsum konfrontiert.

„Die Suchthilfe, die früher im Wesentlichen für Opioidabhängige zuständig war, soll sich jetzt auch um Cannabisabhängige oder Onlinespielsüchtige kümmern“, ergänzte Tim Pfeiffer-Gerschel, Leiter der Deutschen Drogenbeobachtungsstelle. „Die Beratungsstellen müssen sich in dieser Hinsicht weiter entwickeln beziehungsweise die Mitarbeiter fortbil­den“, forderte Ludwig.

Nachholbedarf sieht die Drogenbeauftragte in den Kommunen insbesondere im Hinblick auf eine bessere Vernetzung, beispielsweise zwischen der Polizei und der Suchthilfe, oder dem Jugendamt und dem Sozialamt. Ein Dialog finde oft nicht statt. „Gehen Sie doch mehr aufeinander zu“, appellierte sie an das breitgefächerte Publikum der Jahrestagung.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn will über einen Austausch beziehungsweise eine Frei­gabe der Daten zwischen Jugendamt und Sozialamt nachdenken. „Wir stehen uns da manchmal selbst im Weg“, sagte er in Bezug auf den Datenschutz.

Nur Zeit für die „dramatischsten Fälle“

„Vor lauter Vernetzung muss man aber auch noch zum Arbeiten kommen“, mahnte Katja Wolf, Stellvertreterin des Präsidenten des Deutschen Städtetags. Die Mitarbeiter in den kommunalen Jugend-, Sozial und Ordnungsämtern arbeiteten oft schon „bis zum Um­fallen“.

„In Eisenach haben wir ein hochengagiertes Jugendamt, dessen Mitarbeiter es jedoch gerade eben schaffen, sich um die dramatischsten Fälle zu kümmern“, berichtete die Oberbürgermeisterin der thüringischen Stadt in der Mitte Deutschlands.

Für Prävention sei kaum Zeit, so Wolf. Sie forderte mehr finanzielle Unterstützung vom Bund, sprach sich jedoch gegen „eine allgemeine Ausschüttung von Förderprogrammen“ aus, zugunsten einer Verstetigung der Förderung nach Problemlagen.

Als problematisch sieht die Vertreterin des Deutschen Städtetages an, dass je nach Haus­haltslage der Kommune die Suchtprävention oft auf der Strecke bleibe. In der beschau­lich wirkenden Wartburgstadt, bestehe der Haushalt zu mehr als 60 Prozent aus Sozial­leistungen.

„Da die Suchtprävention keine Pflichtaufgabe ist, fällt sie oft hinten runter“, erklärte Wolf. Dies gehe zulasten der Betroffenen. Grundsätzlich seien die Kommunen in Deutschland sehr heterogen: von sehr wohlhabenden Gemeinden mit vielen Möglichkeiten bis hin zu finanziell schwach aufgestellten „Kristallisationspunkten von Problemen“.

Mehr Unterstützung für Suchtberatungsstellen

Der Vertreter der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Stefan Bürkle, forderte bei der Jahrestagung mehr Unterstützung für die Suchtberatungsstellen in den Kommunen. „Die Arbeit der Mitarbeiter dort wird oft unterschätzt, dabei können sie eine verbindende Klammer zwischen den Betroffenen und der Gesellschaft sein“, sagte Bürkle.

Deutschlandweit erreichten die 1.500 Suchtberatungsstellen, die sowohl im Gesundheits­wesen als auch in der Sozialarbeit verankert sind, mehr als 500.000 Betroffene. © PB/aerzteblatt.de

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