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Keine Alternative zum Röntgen bei Skoliose gefunden

Montag, 25. November 2019

Arzt betrachtet das Röntgenbild einer Wirbelsäule eines Kindes mit Skoliose. /Dan Race, stock.adobe.com
/Dan Race, stock.adobe.com

Köln – Ob sich in der Verlaufskontrolle bei Patienten mit Skoliose die Videorasterstereo­grafie als Alternative zum Röntgen eignet, lässt sich nicht genau feststellen. Das geht aus einer Technologiebewertung hervor, die Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erstellt haben. Demnach fehlte es an aussagekräftigen Studien, um die Einschätzung vornehmen zu können.

Von einer idiopathischen Skoliose sind dem HTA-Bericht (Health Technology Assessment) zufolge 1 bis 2 von 100 Kindern und Jugendlichen betroffen, Mädchen häufiger als Jun­gen. Erwachsene sind je nach Lokalisation und Grad der Krümmung beispielsweise durch Rückenschmerzen oder eine reduzierte Lungenfunktion beeinträchtigt.

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Zur Therapie gibt es verschiedene Möglichkeiten, die sich nach dem Grad der Ver­krümmung und dem Stadium des Knochenwachstums richten. Sie reichen von einer Phy­siotherapie über ein Korsett bis hin zu einer Operation, bei der die Wirbelsäule mit Metall­stäben oder Schrauben aufgerichtet und versteift wird.

Die Verlaufskontrolle wird mittels Röntgen durchgeführt. Ziel der Technologiebewertung war es, nach einer nebenwirkungsärmeren diagnostischen Alternativen zu suchen. Die Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen konnten jedoch keine Studie mit einem direkten Vergleich beider Verfahren identifizieren.

Die Recherchen führten lediglich zu vier Studien, die zeigten, dass die Messwerte zur Ver­krümmung der Wirbelsäule zwischen Videorasterstereografie und Röntgen nicht gut über­einstimmen. „Offen bleibt aber, ob die Abweichungen so groß sind, dass sie zu falschen Entscheidungen führen, also zum Beispiel eine Behandlung zu spät beginnt“, heißt es da­zu von den Wissenschaftlern.

Sie fanden auch keine Studien, in denen das Verhältnis der Kosten zum Nutzen unter­sucht wurde. Das IQWiG kam deshalb zu folgendem Ergebnis: „Auf Basis der vorliegenden Studien lässt sich nicht sagen, ob die Videorasterstereografie in der Verlaufskontrolle ein gleichwertiger Ersatz für Röntgenuntersuchungen ist.“

Für Patienten mit idiopathischer Skoliose wäre es aber von Vorteil, wenn das Röntgen durch die strahlungsfreie Alternative ersetzt werden könnte. Deshalb sollten die offenen Fragen zum medizinischen Nutzen der Untersuchung durch geeignete Studien beant­wortet werden. © hil/sb/aerzteblatt.de

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