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Medizin

Immer mehr Krebspatienten sterben an Herz-Kreislauf-Er­krankungen

Montag, 25. November 2019

/freshidea, stock.adobe.com

Hershey – Mit verbesserten Behandlungsergebnissen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen für Krebspatienten zur zweithäufigsten Todesursache geworden. Bei einigen Krebsarten sterben nach einer Auswertung des US-Krebsregisters SEER im European Heart Journal (2019; DOI: 10.1093/eurheartj/ehz766) mittlerweile mehr Patienten an Herzerkrankungen als am Krebsleiden.

Die Behandlungsergebnisse von Krebserkrankungen haben sich in den vergangenen Jah­ren immer weiter verbessert. Die Zahl der Krebsüberlebenden steigt rasch an. 2040 könnten in den USA mehr als 26 Millionen von dann 380 Millionen Einwohnern eine Krebserkrankung in der Vorgeschichte haben.

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In den vergangenen Jahren sind deshalb zunehmend die gesundheit­lichen Probleme in den Blickpunkt geraten, die sich aus der Lebensweise, die zur Krebs­erkrankung geführt hat, oder aus den Folgen der Behandlung ergeben. Viele Chemothera­peutika, aber auch die Radiotherapie können insbesondere den Herzmuskel schädigen.

Wie groß das Ausmaß des Problems mittlerweile ist, zeigt eine Analyse des US-Krebs­re­gisters SEER („Surveillance, Epidemiology and End Results“). Der Radioonkologe Nicholas Zaorsky vom Penn State Cancer Institute in Hershey hat zusammen mit der Public Health-Forscherin Kathleen Sturgeon die Daten zu 3.234.256 Krebspatienten ausgewertet. Von ihnen starben 38 % (1.228.328) an Krebs und 11 % (365.689) an Herz-Kreislauf-Erkran­kungen. Die Herz-Kreislauf-Todesfälle waren zu 76 % auf Herzerkrankungen zurückzu­führen.

Das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, war umso höher, je jünger die Krebspatienten waren: Krebsüberlebende im Alter von unter 55 Jahren hatten ein 10-fach höheres Risiko als die Allgemeinbevölkerung, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben.

Diese standardisierte Mortalitätsrate (SMR) nahm in den höheren Altersgruppen ab. Sie war mit 3,8 bei den 64- bis 74-Jährigen und mit 2,4 bei den 74- bis 84-Jährigen noch er­höht. Auch hier kam es demnach häufiger zu Herz-Kreislauf-Todesfällen als bei Gleich­al­trigen ohne Krebs.

Ein weiterer Faktor, der direkt auf die Therapie als Verursacher hinweist (ohne dies in einer rein deskriptiven Analyse beweisen zu können), ist die erhöhte Rate von Herz-Kreis­lauf-Todesfällen im ersten Jahr nach der Diagnose (und der Therapie). Die SMR reichten hier von 2 bei Prostatakrebs, Brustkrebs und Melanom bis zu 5 nach einem Endome­trium­karzinom.

Insgesamt war der Anteil der Krebsüberlebenden, die an Herz-Kreislauf-Erkrankungen starben, nach Krebserkrankungen der Blase (19 % der Patienten), des Kehlkopfs (17 %), der Prostata (17 %), des Endometriums (16 %), des Darms (14 %) und der Brustdrüse (12 %) am höchsten.

Überlebende von Brustkrebs, Kehlkopfkrebs, Hautkrebs, Hodgkin-Lymphom, Schilddrü­sen­­krebs, Hodenkrebs, Prostatakarzinom, Endometriumkarzinom, Blasenkrebs sowie Krebs­­erkrankungen von Vulva und Penis starben in etwa gleich häufig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie an ihrem Krebsleiden.

Von allen tödlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die im Jahr 2012 bei Krebspatienten auftraten, entfielen 61 % auf Brust-, Prostata- oder Blasenkrebs. Das sind gleichzeitig die Erkrankungen mit den besten mittelfristigen Überlebenszeiten, was eine Erklärung für die Häufung ist. Die andere dürfte in den Folgen der Therapie zu suchen sein. © rme/aerzteblatt.de

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