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Medizin

Rate von Suizidver­suchen von Frauen nach Abtreibung nicht erhöht

Dienstag, 26. November 2019

/Maksymiv Iurii, adobe.stock.com

College Park – Ein Schwangerschaftsabbruch erhöht das Risiko für Frauen nicht, einen Suizidver­such zu unternehmen. Das berichten Wissenschaftler des Departments of Family Science der University of Maryland in der Fachzeitschrift Lancet Psychiatry (doi 10.1016/S2215-0366(19)30400-6).

Die Wissenschaftler analysierten für ihre Studie die Daten von mehr als einer halben Million dänischer Frauen im Alter von 18-36 Jahren, die eine erste Abtreibung im ersten Trimester hatten. Die Beobachtungszeit umfasste 17 Jahre.

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Sie verglichen das Risiko von nicht tödlichen Suizidver­suchen im Zusammenhang mit einer ersten Abtreibung im Vergleich zu keiner Abtreibung im Zeitraum zwischen Januar 2000 und Dezember 2016 und untersuchten, ob sich das Risiko von Suizidver­suchen vor und nach dem Schwangerschaftsabbruch änderte.

In ihrem Modell haben sie das Alter, das Kalenderjahr, die Geburtsgeschichte der Frauen, die psychische Gesundheit und die körperliche Gesund­heit, die psychische Gesundheit ihrer Eltern und den sozioökonomischen Status ihrer Eltern berücksichtigt.

„Obwohl Frauen mit Abtreibungen ein höheres Risiko für erste nicht tödliche Suizidversu­che hatten, legt ein genauerer Blick auf die Daten nahe, dass dies nicht auf die Abtrei­bung selbst zurückzuführen ist. Stattdessen waren bereits bestehende psychische Ge­sund­heitsprobleme, die bei Frauen mit Abtreibungen häufiger auftraten als bei Frauen ohne Abtreibungen, mit dem erhöhten Risiko eines Suizidversuchs verbunden“, be­richten die Forscher.

„Die Ansicht, dass eine Abtreibung zu suizidalen Gedanken, Plänen oder sogar Suizidver­suchen führt, ist in einigen Regionen der Welt in den Umgang mit Abtrei­bungen einge­flossen. Es gibt in einigen Regionen die Verpflichtung, Frauen darüber zu informieren, dass Abtreibungen angeblich das Selbstmordrisiko steigern“, sagte die Hauptautorin der Studie, Julia Steinberg von der University of Maryland.

„Die Belege aus unserer Studie bestätigen diesen Gedanken nicht“, betonte sie. Frühere Forschungen über Abtreibung und Suizidgedanken hätten die vorherige psychische Gesundheit der Frauen nicht be­rücksichtigt, erläuterte sie.

Die stärksten Risikofaktoren für einen Suizidversuch waren laut den Forschern nicht die stattgefundenen Abtreibungen, sondern der vorherige Kontakt mit einem psychia­trischen Dienst, der vorherige Einsatz von Antidepressiva, der vorherige Einsatz von Antiangst­mitteln und der vorherige Einsatz von Antipsychotika.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es sinnvoll sein könnte, wenn eine Frau Rat und Pflege rund um eine Abtreibung sucht, nach psychischen Problemen zu suchen, um bereits bestehende Probleme aufzugreifen und zukünftige zu vermeiden“, kommentierte Trine Munk-Olsen von der Universität Aarhus die Ergebnisse. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #713112
koala11
am Dienstag, 26. November 2019, 22:59

Unausgegorene Studie - Jeder kann daraus entnehmen, was ihm passt

1.) Zitat: "Sie verglichen das Risiko von nicht tödlichen Suizidver­suchen im Zusammenhang mit einer ersten Abtreibung im Vergleich zu keiner Abtreibung" - Kurze Denkpause: Und was ist bitte mit den leider schlimmeren Fällen vollendeter Suizide? Wer will, schaut hier nach https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29266732 (Klartext: Das Risiko für vollendete Suizide ist im ersten Jahr nach Fehlgeburt, Totgeburt und Schwangerschaftsabbruch für jedes dieser Ereignisse mindestens dreimal so hoch wie ohne. - Ich möchte von einem Artikel im DÄ erwarten, dass er die Ergebnisse solcher Studien in einen brauchbaren Kontext stellt, sonst ist es einfach nur Propaganda.
2.) Zitat: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es sinnvoll sein könnte, wenn eine Frau Rat und Pflege rund um eine Abtreibung sucht, nach psychischen Problemen zu suchen, um bereits bestehende Probleme aufzugreifen und zukünftige zu vermeiden“ - Heißt im Klartext: Ratsuchende Frauen sollten nicht nur eine Beratungsstelle aufsuchen, sondern auch einem Psychiater vorgestellt werden. Wer bespricht das bitte mal mit den Damen und Herren aus der links-liberalen Ecke, den Feministenzirkeln und "Pro familia"?
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