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Medizin

Feinstaub könnte Glaukom-Risiko erhöhen

Dienstag, 26. November 2019

/dpa

London – Briten, die in Gegenden mit einer erhöhten Luftverschmutzung leben, leiden häufiger unter einem Glaukom. In einer Kohortenstudie in Investigative Ophthalmology & Visual Science (2019; doi: 10.1167/iovs.19-28346) war der Feinstaubgehalt am Wohn­ort zudem mit einer verminderten Schichtdicke in der Retina assoziiert. Eine Beziehung zu einem erhöhten Augeninnendruck ließ sich allerdings nicht herstellen.

Das Glaukom ist weltweit die häufigste Ursache für eine Erblindung. Jährlich verlieren et­wa 60 Millionen Menschen durch eine irreversible Schädigung von Nervenfasern im Auge ihre Sehfähigkeit. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass das Glaukom in Städten zu etwa 50 % häufiger auftritt als in ländlichen Regionen. Als möglicher Auslöser sind des­halb Umweltfaktoren in der Diskussion.

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Ein Team um Paul Foster vom Moorfields Eye Hospital in London hat dazu die Daten von 111.370 Teilnehmern der UK Biobank-Studie analysiert, bei denen zwischen 2006 und 2010 Sehtests durchgeführt wurden. Die Teilnehmer wurden danach gefragt, ob sie an einem Glaukom leiden. Bei einer Augenuntersuchung wurde der Augeninnendruck ge­messen und mit einer optischen Kohärenztomografie wurden Schichtaufnahmen der Re­tina angefertigt.

Die Ergebnisse der Untersuchungen setzten die Forscher mit der Luftverschmutzung am Wohnort der Teilnehmer in Beziehung. Sie fanden heraus, dass Menschen aus den Wohn­gegenden im obersten Viertel der Feinstaubwerte (PM 2,5) zu 6 % häufiger an einem Glaukom litten als die Bewohner im untersten Viertel der Feinstaubbelastung. Die Odds Ratio von 1,06 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,01 bis 1,12 signifikant.

Der Feinstaubgehalt der Außenluft war auch mit einem verminderten Durchmesser der inneren plexiformen Schicht der Retina verbunden. In dieser Schicht findet eine erste neu­ronale Verarbeitung der Sehinformationen statt. Foster fand hier eine Dosis-Wir­kungs­­beziehung zwischen Feinstaubgehalt und einer verminderten Schichtdicke. Dies spricht für einen kausalen Zusammenhang, der sich allerdings in einer Querschnittstudie nicht belegen lässt.

Eine Assoziation mit einem erhöhten Augendruck war nicht nachweisbar. Dies widerlegt laut Foster einen Zusammenhang jedoch nicht, da der erhöhte Augeninnendruck nicht die alleinige Ursache des Glaukoms ist. Etwa die Hälfte aller Patienten mit einem „grünen Star“ hat normale Druckwerte.

Als möglichen Mechanismus vermutet Foster eine Verengung von Blutgefäßen in der Re­tina. Frühere Untersuchungen hätten gezeigt, dass der Feinstaub aus der Luft, der über Atemwege und Blutkreislauf das Herz erreicht, dort zu einer Vasokonstriktion führt.

Frühere Untersuchungen hatten den Schadstoffgehalt der Luft mit einem erhöhten Risiko auf Lungen- und Herz-Kreislauferkrankungen, aber auch auf Hirnerkrankungen wie Alz­hei­mer, Parkinson und Schlaganfall in Verbindung gebracht. Dass Luftschadstoffe Teile des Körpers schädigen, die keine direkte Verbindung zur Außenluft haben, scheint des­halb nicht ausgeschlossen zu sein.

Wie immer in epidemiologischen Studien kann von einer Assoziation nicht auf eine Kau­sa­lität geschlossen werden. Es ist durchaus möglich, dass Menschen in der Großstadt wei­teren gemeinsamen Einflüssen ausgesetzt sind, die das erhöhte Risiko erklären. Die Stärke der Studie ist die große Teilnehmerzahl der UK Biobank, die auch schwache Asso­ziationen mit statistischer Signifikanz aufdecken kann.

Sollte der Zusammenhang kausal sein, wäre das Erkrankungsrisiko für die einzelnen Men­schen durch die Luftschadstoffe nur leicht erhöht: Insgesamt 1,8 % der Teilnehmer der UK Biobank-Studie gaben an, an einem Glaukom zu leiden. Das wären 18 Erkrankungen auf 1.000 Einwohner. Wenn die schlechte Luft in einigen Bezirken das Risiko um 6 % steigert, würde die Prävalenz der Erkrankung von 18 auf 19 pro 1.000 ansteigen. © rme/aerzteblatt.de

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