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Politik

Folgen des Klimawandels für Deutschland „alarmierend“

Dienstag, 26. November 2019

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) stellt bei einer Pressekonferenz den zweiten Klima-Monitoringbericht vor. /picture alliance, Britta Pedersen

Berlin/Genf – Die Folgen der globalen Erderwärmung werden in Deutschland spürbarer und lassen sich immer besser belegen: Zu diesem Befund kommt der heute in Berlin vor­gelegte zweite Klima-Monitoringbericht der Bundesregierung. Durch die Erderwärmung komme es zu mehr Gesundheitsrisiken durch die Hitzebelas­tung, einem Anstieg der mittle­ren Oberflächentemperatur der Nordsee sowie zu stärkeren Ertragsschwankungen in der Landwirtschaft.

Erstmals führt der Bericht hitzebedingte Todesfälle in Deutschland auf. Demnach sind im Jahr 2003 rund 7.500 Menschen mehr gestorben als ohne Hitzeperiode zu erwarten ge­we­sen wäre. In den Jahren 2006 und 2015 gab es jeweils 6.000 zusätzliche Todesfälle.

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Bundesumweltministerin Svenja Schulze nannte die Befunde „alarmierend“. Dem Bericht zufolge erhöhte sich die mittlere Lufttemperatur in Deutschland von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad. Allein in den vergangenen fünf Jahren stieg diese um 0,3 Grad an. „Die Folgen des Klimawandels treten immer deutlicher zu Tage“, sagte Schulze. Dem könne man nur mit vorsorgendem Klimaschutz und konsequenter Anpassung an den Klimawandel be­geg­nen.

Erstellt wurde der Bericht von Schulzes Ministerium und dem Umweltbundesamt (UBA). „Deutschland steckt mittendrin in der Erderhitzung, mit weitreichenden Folgen für Um­welt, Gesellschaft und Gesundheit“, sagte dessen Präsidentin Maria Krautzberger. Es müsse „dringend vorgesorgt werden, um diesen Folgen zu begegnen“.

Krautzberger verwies darauf, dass die Erhöhung der mittleren Temperatur mit einer höhe­ren Anzahl „heißer Tage“ verbunden sei – dies sind Tage, an denen die Temperaturen über 30 Grad steigen. Deren Zahl sei seit 1951 von etwa drei auf derzeit etwa zehn Tage pro Jahr gestiegen. Das setze auch den Menschen zu, vor allem in den Städten.

Im Alltag müsse die Entwicklung konkrete Auswirkungen haben, sagte Schulze. Die Kli­ma­­­entwicklung erfordere beispielsweise, sich bei allen Bau- und Infrastrukturprojekten besser vor Beeinträchtigungen durch Hitze, Starkregen oder Hochwasser zu wappnen.

Das gelte insbesondere auch für die städtischen Wohngebieten. Begrünte Dächer und Gebäudefassaden, Wasserflächen und verschattete Plätze linderten Hitze und ver­besserten den Regenwasserrückhalt, sagte die Ministerin. Sie verbesserten zugleich die Luftqualität. „Eine solche nachhaltige Klimaanpassung macht unsere Infrastruktur nicht nur robuster, sie sichert auch den Standort Deutschland und bringt einen Mehrwert für unsere Lebensqualität.“

Behördenchefin Krautzberger forderte, das Monitoring muss weiter zu verbessern. Denk­bar sei zum Beispiel ein von Bund und Ländern getragenes und finanziertes Sonderpro­gramm Klimavorsorge, sagte sie.

Knapp eine Woche vor Beginn der Weltklimakonferenz in Madrid forderte auch das UN-Umweltprogramm (Unep) deutlich mehr Anstrengungen im Kampf gegen die Erderwär­mung.

Der Ausstoß klimaschädlicher Gase müsse drastisch ge­senkt werden, sonst werde das Pariser Klimaabkommen vereinbarte Ziel verfehlt, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, warnte die Behörde heute. Die Folgen der Erderwärmung werden laut Bundesregierung auch in Deutschland spürbarer.

Die klimaschädlichen Emissionen müssten zwischen 2020 und 2030 jährlich um 7,6 Pro­zent sinken, heißt es in dem Bericht des UN-Umweltprogramms (Unep). Ansonsten werde das 1,5-Grad-Ziel verpasst. Um die Erderwärmung wenigstens auf zwei Grad zu begren­zen, wäre eine Emissionsreduktion von 2,7 Prozent jährlich nötig.

Trotz aller Warnungen und eines wachsenden Bewusstseins für den Klimawandel stiegen die Treibhausgasemissionen laut Unep im ablaufenden Jahrzehnt jährlich um 1,5 Prozent. Vergangenes Jahr sei gar ein „Rekordhoch“ von 55,3 Gigatonnen CO2-Äquivalent erreicht worden. Auch die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre hatte im vergangenen Jahr neue Höchstwerte erreicht, wie die Weltorganisation für Meteorologie gestern mit­geteilt hatte.

Bis 2030 müssten die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 2018 um 25 Prozent sin­ken, um auf einem „kostengünstigen Weg“ die Erderwärmung auf ein beherrschbares Maß von deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, heißt es in dem Unep-Bericht. Für das 1,5-Grad-Ziel sei eine Verringerung um 55 Prozent nötig.

Laut Unep müssen die nationalen Anstrengungen für den Klimaschutz dafür deutlich ver­stärkt werden. Für das Zwei-Grad-Ziel müssten sie etwa verdreifacht werden, für das 1,5-Grad-Ziel sollten sie mindestens verfünffacht werden.

Skepsis über Treibhausgasreduktion

„Unser gemeinsames Versagen, frühzeitig und entschlossen gegen den Klimawandel vor­zu­gehen, bedeutet, dass wir jetzt drastische Kürzungen der Emissionen liefern müssen“, mahnte Unep-Chefin Inger Andersen in Genf bei der Vorstellung des Berichts. Alle müssten „jetzt handeln“, jede Stadt, jede Region, jedes Unternehmen und jeder Mensch. Noch sei das 1,5-Grad-Ziel erreichbar.

John Ferguson vom britischen Marktforschungsunternehmen Economist Intelligence Unit (EIU) zeigte sich dagegen skeptisch, dass die nötige Treibhausgasreduktion rechtzeitig erreicht werde. Grund sei die „Kluft zwischen Reden und Handeln“ beim Klimaschutz, wie er mitteilte. © afp/aerzteblatt.de

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Avatar #107994
Adolar
am Dienstag, 26. November 2019, 19:29

Dummes Zeug.

Wir haben und kriegen hier in Mitteleuropa kein wirkliches "Klimaproblem". Stattdessen sparen wir immer mehr Heizenergie, und an paar wärmere Tage im Sommer gewöhnt man sich - wieso sonst fahren alle im Urlaub in diese heißen, "ungesunden" Gegenden...?
Die Erwärmung trifft Leute in den Ländern, die schon immer Umweltprobleme haben. Daran wird auch niemand was ändern, weil es sehr, sehr teuer wird und sich vor allem nicht rentiert.
LNS

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