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Medizin

App-Studie: Wirkung von Cannabis auf Kopfschmerzen kann nachlassen

Mittwoch, 27. November 2019

/chalermchai, stock.adobe.com

Seattle – Migräne-Patienten aus Kanada, die zur Selbstmedikation Cannabis (legal) einsetzen, sind mit der Wirkung der Droge zufrieden. Die Auswertung einer Smartphone-App ergab, dass die Schmerzen nach der Inhalation um etwa die Hälfte zurückgehen. Häufige Anwender steigern laut der Studie im Journal of Pain (2019; doi: 10.1016/j.jpain.2019.11.001) jedoch mit der Zeit die Dosis, was auf eine Toleranzent­wicklung hindeutet.

Ein Hersteller von Cannabis-Produkten in Kanada, wo die Droge seit 2001 als Arzneimittel und seit dem letzten Jahr auch für den privaten Verbrauch legal erhältlich ist, hat für Schmerzpatienten eine Smartphone-App entwickeln lassen. In „Strainprint“ können die Anwender nach Eingabe von demografischen Daten eintippen, wie gut die Droge bei ihnen die Schmerzen gelindert hat. Vor der Inhalation können sie zwischen mehr als 1.000 Präparaten von medizinischem Cannabis auswählen, deren Zusammensetzung in Kanada staatlich überprüft wird.

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Ein Team um Carrie Cuttler von der Washington State University in Seattle hat die Daten von mehr als 1.300 Schmerzpatienten ausgewertet, die die App mehr als 12.200-mal angewendet hatten, um Änderungen der Kopfschmerzen von vor bis nach dem Cannabiskonsum zu verfolgen. Weitere 653 Migräne-Patienten hatten die App mehr als 7.400 Mal verwendet, um die Wirkung bei akuten Schmerzattacken aufzuzeichnen.

Die Auswertung ergab, dass die Anwender mit der schmerzlindernden Wirkung von Cannabis zufrieden waren. Die Kopfschmerzen verminderten sich nach der Inhalation der Droge um 47,3 %. Bei Migräne-Patienten gingen die Symptome um 49,6 % zurück. Da es keine Placebogruppe gab, bleibt offen, welcher Teil der Wirkung auf die Droge und welcher auf das spontane Abklingen der Symptome zurückzuführen ist. Die Erwartungshaltung der Anwender könnte ebenfalls bei der Einstufung der Wirkung eine Rolle spielen.

Die Aussagekraft der Anwendungsbeobachtung ist deshalb begrenzt. In 2 Bereichen liefert die Studie jedoch interessante Informationen. Cuttler fand keine Hinweise, dass sich die Kopf- und Migräneschmerzen, die die Anwendung von Cannabis auslösten, mit der Zeit verstärkten. Die Sorge, dass es ähnlich wie beim Einsatz von Ergotaminen zu einer „Medication Overuse Headache“ kommt, scheint demnach unbegründet zu sein.

Ein anderes Phänomen, das vom Einsatz von Opioiden her bekannt ist, könnte sich jedoch einstellen. Die Anwender von Cannabis-Präparaten, die aus den Blüten der Pflanze hergestellt werden, berichteten über die Zeit von einer Zunahme der Dosis. Es könnte deshalb sein, dass es allmählich zu einer Toleranz kommt. Sie trat bei den Anwendern der in der Dosis stärkeren Konzentrate übrigens nicht auf. Ein Unterschied in der Wirkung zwischen THC und CBD, den wichtigsten Cannabinoiden, konnte Cuttler nicht feststellen. © rme/aerzteblatt.de

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