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Medizin

HIV: Frühe Therapie von infizierten Säuglingen hält Viren besser in Schach

Donnerstag, 28. November 2019

/Siarhei, stockadobecom

Boston – Eine frühzeitige antiretrovirale Behandlung kann eine permanente HIV-Infektion von Neugeborenen zwar nicht verhindern. Erfahrungen aus Botswana, die jetzt in Science Translational Medicine (2019; 11: eaax7350) vorgestellt werden, zeigen jedoch, dass das Virusreservoir reduziert wird und das Immunsystem der Kinder besser mit der Infektion zurechtkommt.

Im Jahr 2010 hatten US-Mediziner versucht, ein Kind, das sich unter der Geburt bei seiner Mutter angesteckt hatte, durch eine intensive antiretrovirale Therapie von einer HIV-Infektion zu kurieren. Anfangs schien dies tatsächlich gelungen zu sein. Im Blut des Säuglings waren keine Viren mehr nachweisbar. Später stellte sich jedoch heraus, dass das „Mississippi Baby“ doch dauerhaft mit dem HI-Virus infiziert war. Das Schicksal des Kindes hätte vermieden werden können, wenn die Mutter während der Schwangerschaft behandelt worden wäre. In den meisten Fällen kann dann eine Ansteckung während der Schwanger­schaft oder bei der Geburt verhindert werden.

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Diese medikamentöse Transmissionsprophylaxe wird heute auch in den Ländern Afrikas südlich der Sahara durchgeführt. Sie ist allerdings nicht lückenlos. Jedes Jahr kommt es zu mehreren hundert HIV-Infektionen von Neugeborenen. In Botswana, wo jede vierte Schwangere HIV-infiziert ist, ist das Risiko besonders hoch. Die EIT-Studie (Early Infant Treatment) hat bei einem Screening von mehr als 10.000 Neugeborenen insgesamt zehn Kinder ermittelt, die sich bei der Mutter angesteckt hatten. Bei diesen Kindern wird eine antiretrovirale Therapie begonnen. Dies gelang allerdings nicht immer sofort. Das erste Kind erhielt bereits sieben Stunden nach der Geburt antiretrovirale Medikamente, bei dem letzten vergingen 114,5 Stunden bis zum Therapiebeginn.

Diese Spanne ermöglichte es einem Team um Mathias Lichterfeld vom Brigham and Women's Hospital in Boston, in den Blutproben den Einfluss des frühen Therapiebeginns auf den Verlauf der Infektion genauer zu untersuchen. Die jetzt vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass die frühzeitige Therapie den Anteil der CD4-Zellen, in deren Erbgut sich das HI-Virus integriert, begrenzen kann. Bei keinem der zehn Kinder konnte jedoch verhindert werden, dass sich die Viren im Immunsystem festsetzen. Alle zehn müssen deshalb lebenslang mit antiretroviralen Medikamenten behandelt werden, um eine Immunschwäche zu verhindern, die bei Neugeborenen wegen des unreifen Immunsystems relativ rasch voranschreitet. Unbehandelt würden die Kinder in den ersten Lebensjahren an Aids sterben.

Die antiretrovirale Therapie rettet das Leben der Kinder. Wenn sie frühzeitig begonnen wird, entlastet dies nach den neuen Erkenntnissen der US-Forscher das Immunsystem. Zu den Vorteilen gehören stärkere Abwehrreaktionen der HIV-spezifischen T-Zellen, denen es gelingt, das Virusreservoir gering zu halten. Dieser Vorteil trifft allerdings nur so lange zu, wie die Kinder kontinuierlich mit den Medikamenten behandelt werden.

Eine Heilung mit den antiretroviralen Mitteln ist derzeit nicht in Sicht. Ein Fall wie der des „Mississippi Babys“ bleibt eine Ausnahme, zumal auf eine allzu aggressive Therapie verzichtet wird. Die US-Forscher planen allerdings eine klinische Studie, in der HIV-infizierten Neugeborene mit breitbasierten Antikörpern behandelt werden sollen. Bei Erwachsenen war es gelungen, die Infektion über mehrere Wochen aufzuhalten und den Patienten eine Pause von der täglichen Einnahme der Medikamente zu verschaffen. Dauerhaft absetzen konnten die Patienten die antiretroviralen Medikamente jedoch nicht. Ob dies bei Neugeborenen möglich ist, wird sich zeigen. Allzu groß sind die Erwartungen der Forscher jedoch nicht. © rme/aerzteblatt.de

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