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Medizin

Studie: Behandlung einer subklinischen Hypothyreose bleibt im hohen Alter ohne Vorteile

Donnerstag, 28. November 2019

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Leiden – Die Behandlung einer subklinischen Hypothyreose ist bei hochbetagten Senioren in der Regel nicht sinnvoll. In der gemeinsamen Auswertung von zwei randomisierten klinischen Studien im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2019; 322: 1977-1986) wurden keine Hinweise auf eine Linderung der in diesem Alter häufigen Abgeschlagenheit noch von anderen Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion nachgewiesen.

Die Funktion der Schilddrüse lässt bei vielen Menschen im Alter nach. Eine Folge ist ein Anstieg der Thyrotropin-Konzentration. Der Grenzwert, den die meisten Labore heute mit 4,5 mIU/ml angeben, wird deshalb bei Senioren häufig überschritten. Da eine Hypothyreose mit Symptomen wie Obstipation, mentale Verlangsamung, Abgeschlagenheit und Depressionen einhergeht, die im Alter auch bei Menschen mit normaler Schilddrüsen­funktion häufig sind, ist die Neigung groß, den Patienten auf Verdacht Levothyroxin zu verschreiben. Die Indikation wird dann später selten hinterfragt, so dass viele Patienten das Medikament bis zu ihrem Lebensende einnehmen.

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Die Notwendigkeit einer Hormonbehandlung bei einer subklinischen Hypothyreose, also beim Fehlen eindeutiger Symptome, ist umstritten. Bei jüngeren Menschen kann eine mögliche Abnahme des langfristigen kardiovaskulären Risikos als Argument angeführt werden. Für Senioren im Alter von über 80 Jahren dürfte dies weniger relevant sein. Bleibt die Chance, die Lebensqualität der Senioren durch die Behandlung ein wenig zu verbessern.

Die Evidenz für den Einsatz ist schwach, da an klinischen Studien nur wenige hochbetagte Senioren teilnehmen. Simon Mooijaart vom Leids Universitair Medisch Centrum in den Niederlanden und Mitarbeiter haben jetzt die Ergebnisse der IEMO 80-Puls-Studie mit 105 hochbetagten Senioren ausgewertet. Um die Datenbasis zu erweitern, wurden außerdem 146 Patienten aus der TRUST-Studie in die Analyse einbezogen. Vor Therapiebeginn lag die mittlere Thyrotropin-Konzentration der 251 über 80-jährigen Senioren bei 6,4 mIU/ml im Therapie-Arm und bei 6,3 mIU/ml in der Placebo-Gruppe. Die Thyroxin-Werte lagen entsprechend der Definition einer subklinischen Hypothyreose im Normalbereich. Sie sanken unter der Behandlung mit Levothyroxin auf im Mittel 3,69 mIU/ml ab, lagen also im Normalbereich.

Ein Einfluss auf die Symptomatik der Patienten war jedoch nicht erkennbar, wie die Auswertung des ThyPROG-Fragebogen („Thyroid-Related Quality of Life Patient-Reported Outcome“) ergab, der die Symptome und die Müdigkeit mit 0 bis 100 Punkten bewertet, wobei ein steigender Punktwert eine verschlechterte Lebensqualität anzeigt.

Wie Mooijaart berichtet, verbesserte sich der Symptom-Score in der Levothyroxin-Gruppe während der einjährigen Behandlung von 21,7 auf 19,3 Punkte und in der Placebo-Gruppe von 19,8 auf 17,4 Punkte. Die bereinigte Differenz von 1,3 Punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von -2,7 bis 5,2 nicht signifikant.

Der Müdigkeits-Score verschlechterte sich in beiden Gruppen: von 25,5 auf 28,2 Punkte in der Levothyroxin-Gruppe und von 25,1 auf 28,7 Punkte in der Placebo-Gruppe. Auch hier war die Differenz von -0,1 Punkten (-4,5 bis 4,3) nicht signifikant.

Die Verträglichkeit von Levothyroxin war gut. Der einzige signifikante Unterschied war ein leichter Anstieg des Body-Mass-Index um 0,38 Punkte und des Taillenumfangs um 1,52 cm in der Levothyroxin-Gruppe.

Aus den Ergebnissen der Studie lässt sich keine Notwendigkeit für eine Behandlung der subklinischen Hypothyreose im höheren Alter ableiten. Die Editorialistin Anne Cappola von der Perelman School of Medicine regt deshalb an, dem Grenzwert für die Diagnose einer subklinischen Hypothyreose bei Senioren auf 7 mIU/l anzuheben. © rme/aerzteblatt.de

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